„Seufzer und Rhythmen“

Einen zweistündigen Einblick in die spannende Musikgeschichte der Klezmermusik gab es von Professor Bernd Ruf. Über 50 Gäste kamen in den Möllner Stadthauptmannshof.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Die Fachvorträge der Stiftung Herzogtum Lauenburg haben nicht nur in der Eulenspiegelstadt einen hohen Stellenwert. Wie Vorstandsmitglied Jörg Geschke bei seiner Einführung zur Veranstaltung „Faszination Klezmer“ betonte, sind musikwissenschaftliche Vorträge immer dann ein Gewinn, wenn Experten auf der Bühne stehen. Den über 50 Gästen bereitete Professor Bernd Ruf (Lübeck) intensive Ein- und Ausblicke. Der renommierte Dirigent, Klarinettist und Dozent, überzeugte zum dritten Mal mit einem fulminanten Fachvortrag. Nach Referaten über „Weltmusik“ und „Jazz“ brachte Professor Ruf den Musikinteressierten nun die Volksmusiktradition des „Klezmer“ nahe.
Ausführlich ging der seit 2004 an der Lübecker Musikhochschule als Professor für Popularmusik lehrende Ruf, auf die historischen Wurzeln dieser besonderen Musik ein: Klezmer ist eine aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition. Etwa um das 15. Jahrhundert entwickelten Musiker in Osteuropa, die Klezmorim genannt wurden und werden, eine Tradition weltlicher, nichtliturgischer jüdischer Musik. Das Besondere daran, so Ruf, war, dass dies eine aurale Tradition ist.
Die Klezmorim spielten nie nach Noten. Die Stücke wurden in den Familien weitergereicht. So veränderte sich die Musik in den Jahrhunderten. Das Ursprüngliche blieb allerdings immer gleich. Die für jiddische Musik typischen „Seufzer“ der Klarinette, die besonderen Rhythmen und Skalen (Tonleitern) blieben unverändert. Es war Musik zur Begleitung von Hochzeiten und anderen Festen. Von jüdischen Mystikern heißt es: „Klezmer-Interpreten machen keine Musik. Sie singen und sprechen durch ihre Instrumente. Es werden dabei Geschichten erzählt, die lustig oder auch traurig sind.“
Wie Ruf weiter ausführte, gab es ab 1840 große Auswanderungswellen aus dem osteuropäischen Raum in die USA und nach Südamerika. In New York etablierte sich eine große jüdische Gemeinde. Künstler, Literaten und Musiker bestimmten das kulturelle Leben der Metropole. Noch um 1900 beeinflussten viele namhafte Klezmorim die Szene. Dann verlor die Musik ihre Bedeutung und erlebte in den USA eine Renaissance ab 1970. Schnell gelang es den Interpreten der Klezmermusik dann, auch in Europa wieder diesen Musikstil zu etablieren.
Vor allem in Deutschland und Frankreich ist Klezmer populär. Ruf gründete in Lübeck das überaus erfolgreiche Ensemble „Yxalag“. Diese Gruppe gastierte auch schon in Mölln beim Folksfest. Kurzweilig war der zweistündige Vortrag durch die zahlreichen Tonbeispiele, die Ruf für die Gäste vorbereitet hatte.  Er spielte für das Publikum besondere Klassiker wie „A jiddische Mame" und den Song „Bei Mir Bist du Scheen“, der durch die besonderen Rhythmen für gute Laune sorgte.