"Tannöd" – schaurig-schön

Grandiose Premiere im Theater im Stall: Ein begeistertes Publikum sah das Drama „Tannöd“. Viel Beifall für das Cumpaney-Ensemble und Regisseur Jörn Bansemer.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Neu Horst – Mutig, kreativ und selbstbewusst, so kennt man die Theatermacher  aus dem Stall-Theater. Einen erneuten Beweis für ihre innovativen Inszenierungen gab es mit der Bühnenfassung von „Tannöd“. Es ist eine Mordgeschichte aus Oberbayern, die die Mitglieder der Amateurtheatertruppe „Cumpaney“ ins Lauenburgische adaptierten und dabei dicht an der Romanvorlage von Bestsellerautorin Maria Schenkel blieben.
Der Versuch, das grausige Verbrechen an der Großfamilie Danner, die in einer Gewitternacht erschlagen wurde, erzählend dem Publikum nahe zu bringen, gelang. Jörn Bansemer als Regisseur setzte dabei auf das gesamte Ensemble der Cumpaney. 21 Personen trieben in den düsteren Szenen, den berührenden Monologen, den schaurigen Zeugenaussagen und meditativen Chorgesängen, das tragische, nach einer wahren Begebenheit erzählte Drama, voran.
Die große Bühnenpräsenz der Akteure machte es möglich, dass die Inszenierung ein fulminanter Wurf wurde. Bansemer schuf eine unheimliche Atmosphäre mit optischen und akustischen Reizen, die unter die Haut gingen, das Publikum völlig in den Bann zogen. Aggressivität, großes Leid und Trostlosigkeit gepaart mit einer widerwärtigen bigotten Dorfgemeinschaft zeigte der Regisseur eindrucksvoll auf.
Aus dem Ensemble hoben sich mit Jürgen Choinovski, der den Georg Hauer in einer durchgehend starken Spielfreude verkörperte und Christina Sophie Meier als Barbara Spangler, die die ganze Tragik der missbrauchten Tochter eindrucksvoll spielte, hervor.
Mit starken Aktionen bei den, als Zeugenaussagen angelegen Monologen, faszinierten Angela Bertram (Alte Dannerin), Claudia Niemann (Maria Sterzer), Eckhard Neitzel (Pfarrer) und Katja Klein (Magd). In weiteren Rollen: Gunter Frenkel, Michael Hagedorn, Michael Spangenberg, Peter Röhl, Kay Hansen, Marcus Benedict, Merle Engling, Maren Lubenow, Telse Neitzel, Ev Buck, Helga Beh, Regina Boysen und Christine Lemm.
Aus dem ehemaligen Ensemble der Kindertheater-Truppe des Stall-Theaters setzten zwei junge Mimen Glanzpunkte: Die schon beim Stück „Ganz oder gar nicht“ ausgesprochen sicher agierende Ann-Marie Lubenow, spielte ebenso großartig als Marianne Spangler auf, wie auch Luis Niemann, der als Hansi Hauer auf der Bühne stand, überzeugte.
Das düster-bedrückende Szenario wurde durch die schwarzen Kostüme mit weißen Accessoires unterstrichen. Die mit geschickten Licht-Effekten geisterhaft ins Publikum blickenden Mordopfer in weißen Leichentüchern, sorgten zugleich im ersten Bild für Gänsehaut.
Durch die von Gösta Harbs entwickelte schräge Bühne, die von unten beleuchtet wurde, gelang ein variables Exponat, welches völlig ausreichte, um beim Zuschauer imaginäre Bilderwelten entstehen zu lassen. Ein beeindruckendes Beispiel, wie mit sparsamen Mitteln viel von der beklemmenden Atmosphäre des Romans auf eine Bühne gebracht werden kann.
Die geschlossene Ensembleleistung und die kluge Besetzung der schwierigen Figuren durch Regisseur Jörn Bansemer sorgte für ein grandioses Theatererlebnis.
Zum Stück: "Tannöd, von Andrea Maria Schenkel, Bühnenfassung: Maya Franke und Doris Happl. In der Nacht vom 31.März auf den 01. April 1922 werden auf dem abgelegenen Hof Hinterkaifeck,  und nah der Gemeinde Gröberen in Oberbayern, sechs Menschen ermordet. Man schlägt ihnen mit einer Reuthaue den Schädel ein. Die Umstände der Tat, sowie Motiv und Täter sind bis heute nicht vollständig geklärt.