Von fliegenden Träumen und dem Boomerang

Noch im April öffnet das Künstlerhaus Lauenburg zweimal die Tür zum Kunstgenuss: Im Haus selbst ist ab dem 23. April die Werkstattausstellung „Fliegende Träume“ zu sehen, in der Stadtgalerie zeigt die 16. Stipendiatengeneration die Schau „Warum fliegt der Boomerang zum Ausgangspunkt zurück?“

Lauenburg – Seit Jahren kommen Studenten vom Department Design der HAW zum kompakten Hochdruck-Seminar mit Prof. Ellen Sturm – sie ist Mitglied im Künstlerhausverein – zum Lernen und Arbeiten ins Künstlerhaus an der Elbstraße 54 in Lauenburg. Die Ergebnisse sind auch den Publikum zugänglich. Eröffnet wird die Studentenschau diesmal am Samstag, 23. April 2016, um 19 Uhr. Zu sehen sind die Drucke der angehenden Designer Niels Blaesi, Adi Cafri, Eliner Cohen, Ricarda Fallenbach, Julia Flitta, Annais Lacombe, Lena Steffinger, Lorenzo Toma, Darius Vaheb und Jakob Veselov bis zum 1. Mai. Die Öffnungszeiten: montags und dienstags 10 bis 18 Uhr, donnerstags 17 bis 20 Uhr, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr.
Nur wenige Tage später, am Donnerstag, 28. April, öffnet die Stadtgalerie im Hagenström an der Elbstraße 28 ihre Pforten für die Generation 16 – die fünf ehemaligen Stipendiatinnen aus den Förderjahren 2001/2002 blieben nach ihrem gemeinsamen Aufenthalt in der Stipendiatenstätte in Kontakt und kehren nun mit neuen Arbeiten zurück. „Warum fliegt der Boomerang zum Ausgangspunkt zurück?“ fragen die bildenden Künstlerinnen Uschi Koch, Erdmute Prautzsch, Nana K. Schulz und Anne Staszkiewicz sowie die Autorin Antje Wagner in ihrer Gruppenpräsentation. Auch zu dieser Vernissage (19 Uhr) und Ausstellung bis zum 10. Juli sind Freunde zeitgenössischer Kunst gern gesehen. Die Öffnungszeiten der Stadtgalerie: samstags und sonntags 14.30 bis 16 Uhr, Schaufenstergalerie täglich 12 bis 22 Uhr.
Erdmute Prautzsch: Befreites Denken und Sehen
Die ehemaligen Stipendiatinnen haben seit ihrem Lauenburg-Aufenthalt ihren eigenen Stil entwickelt und sind ihren durchaus auch genreübergreifenden künstlerischen Neigungen gefolgt. Erdmute Prautzsch rückt Unfertiges, Bruchstückhaftes, Fragiles, Rätselhaftes, das vermeintlich Uninteressante oder Um-die-Ecke-Gedachtes in den Fokus ihrer Arbeiten. Ihr Blick gilt poetischen Details. Mit unterschiedlichen Ausdrucksweisen befragt sie die Wahrnehmung, ihre Arbeiten reichen von Objekt, Grafik und Malerei über Text und Collage bis hin zu raumgreifenden Installationen. „Der Umgang mit Sprache und Wort ergibt in Verbindung mit den Bildwelten ein Wechselspiel. Überraschende Kombinationen lösen und befreien das Denken und Sehen von gewohnten Verknüpfungen und ermöglichen so neue Deutungsvarianten“, erklärt dazu Marita Landgraf, die neue künstlerische Leiterin des Künstlerhauses.
Nana K. Schulz: Eine Orgel wird lebendig
Die Klangebene spielt auch bei Nana K. Schulz eine große Rolle. Sie zeigt ihren 2011 entstandenen Animationsfilm „Die Novotnyorgel V.1.0.1“., in dem eine Orgel lebendig wird. Ihr selbstgesteuerter Entstehungsprozess wird von der Musik Josef Novotnys, Organist und Komponist im Bereich Neue Musik und Improvisation begleitet oder gar angeführt. Nana K. Schulz stellt in der Ausstellung auch eine Serie von Zeichnungen mit skurrilen Lebewesen und Käfern vor. „Diese verwegern sich im ersten Moment jeglicher Interpretation“, sagt Landgraf, sie könnten auch Naturstudien vergangener Epochen darstellen.
Anne Staszkiewicz: Kunstwelt ohne Distanz
Anne Staszkiewicz malt in erster Linie Motive, die mit sich selbst sprechen und dabei Textfragmente aus schriftlichen Quellen der Kunstwelt zitieren. Auf diese Weise werden sie zu ihren eigenen Kritikern und lassen „eine Art Bilderzoo von höheren Wesen entstehen, die Bescheid wissen über die Fragen und Unwägbarkeiten von Malerei“. Schließlich waren sie bei ihrem Entstehungsprozess im Atelier dabei und durften zum größten Teil sogar selbst entscheiden, wie sie gemalt werden wollten. Dahinter könnte eine gehörige Portion Witz stecken.
Uschi Koch: Der Mensch im Zentrum
Die Kielerin Uschi Koch hatte nach zehn Jahren Fotografie die Sehnsucht, endlich wieder selbst die Form zu bestimmen. In der Bildhauerei wie auch in der Fotografie ist ihr Thema stets der menschliche Körper. In ihren Schwarzweiß-Aufnahmen zeigt sie ihn immer aus mehreren Perspektiven, umkreist ihn und suggeriert eine Art von Bewegung. Auch in ihren Plastiken versucht Koch die Physiognomie und den Ausdruck des Menschen zu erfassen, jedoch meist frei und nicht nach einem realen Modell. Sie schöpft aus ihrer eigenen Imagination und Erinnerung. In der Ausstellung im Künstlerhaus Lauenburg werden Plastiken der letzten Jahre zu sehen sein; Betongüsse, die mit Pigmenten getönt und gewachst sind.
Antje Wagner: Literatur filmreif
Autorin Antje Wagner schreibt Romane für Erwachsene und Jugendliche. Ihre Jugendromane »Unland« (2009), »Schattengesicht« (2010) und »Vakuum« (2012) spielen mit Leseerwartungen und wurden in der Presse schon mit Filmen wie „The Sixth Sense“ und „The Village“ verglichen. Wagner wurde bereits vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem ver.di Literaturpreis, dem Feuergriffel und dem Lesekompass der Leipziger Buchmesse. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nahm Antje Wagner 2012 in den Kanon der 20 besten deutschsprachigen Autoren unter 40 Jahre auf. Zur Eröffnung der Ausstellung wird sie aus ihrem Thiller »Vakuum« lesen. Der Roman schaffte es in die Shortlist zum Phantastikpreis „Seraph“ und wird nun fürs Kino verfilmt.