Beruf und Berufung waren eines

Generationen von Lesern kennen sie: Perdita Schadow, die Leiterin der Schwarzenbeker Stadtbücherei, ist nach 33 erlebnisreichen Jahren in den Ruhestand gegangen. Ein Rückblick …

Schwarzenbek – Als sie sich 1983 auf die per Zufall entdeckte Ausschreibung der Stadt Schwarzenbek beworben hatte, musste Perdita Schadow zunächst eine Landkarte aufschlagen und sehen, wo die Stadt liegt, in der sie nunmehr 33 Jahre als erste hauptamtliche Büchereileiterin gearbeitet hat. Die 62-Jährige geht in den Ruhestand. Offiziell zum 1. Juni. „Stimmt. Ich bin aber faktisch ab sofort Rentnerin, denn es haben sich Resturlaub und Überstunden angesammelt, die mich sofort frei stellen“, sagt die aus Uetersen stammende Perdita Schadow.
Sie wollte Kunstgeschichte an der Kieler Christian-Albrecht-Universität studieren. Doch schon zu dieser Zeit hat die Uni-Bibliothek sie förmlich verzaubert. Sie wechselte nach Hamburg und wurde Diplom-Bibliothekarin. Der Wunsch, eine öffentliche Bücherei zu führen, ging in Erfüllung. Doch als Perdita Schadow nach Schwarzenbek kam, fand sie dort vielmehr eine Baustelle vor: Die örtliche Bücherei befand sich im Jugendtreff-Haus am Alten Markt, wurde dort von der Buchhändlerin Gunhild von Jutrczenka nebenamtlich geleitet. Die Zukunftsperspektive sah dennoch gut aus: 1983 wurde das Schwarzenbeker Rathaus am Ritter-Wulf-Platz erbaut, darin entstand eine neue, mit 292 Quadratmetern geräumige Stadtbücherei. So wirkte die mit etwa 10.000 Medien, vorwiegend Bücher, neu bezogene Räumlichkeit zunächst „gigantisch“. „Ja, es waren fast nur Bücher im Bestand, die Hörspielkassetten für Kinder waren gerade das Novum auf dem Markt und schon bald in der Ausleihe“, erinnert sich Perdita Schadow.
Der Neubau sah damals rund 20.000 Medien vor. Heute, nach 33 Jahren, hinterlässt die agile Leiterin eine aus allen Nähten platzende Einrichtung mit 44.000 Büchern, CDs, DVDs, Konsolenspielen und Hörbüchern, alles stets aktualisiert. Rund 10 Prozent des Bestands werden jedes Jahr erneuert. Schadow kennt die meisten Bücher nicht nur vom Titel her, sie hat die meisten selbst gelesen. Wie viele genau, kann sie nicht annähernd ausrechnen – „es sind ganz sicher Tausende“. Kurzum: Es hat sich in den 33 Dienstjahren von Perdita Schadow sehr viel ge- und verändert. Eine der größten Errungenschaften neben der stetigen Erweiterung des Angebots: der Verbund mit der Stadtbücherei Geesthacht. „So können die Leser – derzeit rund 2.300 – auf beide Bestände zugreifen, eine noch größere Auswahl genießen und beide Büchereien zum Ausleihen und zur Rückgabe nutzen“, sagt Perdita Schadow.
Die mehrfach geplante Raumerweiterung, etwa per Umzug in die Schwarzenbeker Realschule, ist aufgrund der gegenwärtigen Finanzlage vorerst auf Eis gelegt. So wird auch die neue Büchereileiterin Patricia Fasheh, die seit 1. April in Schwarzenbek arbeitet, mit der Raumnot konfrontiert. „Ich freue mich dennoch sehr, eine schöne Bücherei mit einem freundlichen Team zu führen“, sagt die Neue, die bereits reichlich Erfahrung aus der Arbeitszeit in den Hamburger Bibliotheken mitbringt.