Auf dem Weg zum Profi …

Sie holten 1. Preise beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2016, sind reif für den Bundeswettbewerb – und boten beim Preisträgerkonzert in Wentorf ihrem Publikum einen Konzertabend vom Feinsten …

Wentorf – Die Jüngsten spielen ihr Instrument erst dreieinhalb Jahre, die Älteren bringen gut zehn Jahre Geläufigkeit mit. Elf junge Talente der Kreismusikschule, der Wentorfer Grundschule und des Gymnasiums beeindruckten das Publikum in der voll besetzten Aula des Gymnasiums – und zeigten, wie weit man es bringen kann mit hoher Musikalität und spielerischer Fähigkeit, gutem Unterricht und Unterstützung zu Hause, mit Disziplin und Fleiß über Jahre. In vier Gruppen traten sie auf, jede präsentierte drei Stücke mit wachsendem Anspruch – und jede war für die Zuhörer auf ihre Art ein Gedicht.

Das junge Duo Kim Bonin und Malin Schulze erzupften sich mit seinen Mandolinen die Herzen der Zuhörer. Sicher und schnell bewegten sich die kleinen Finger beim Cantabile-Satz von Leone (18. Jh.), ließen fortgeschrittenes Bewusstsein für Dynamik erkennen. Dass sie auch mit neuer Musik sehr gut umgehen können, zeigten Kim und Malin mit zwei Sätzen aus „Schmidt’s Farm“ von Paulsen-Bahnsen. Abwechselnd übernahmen sie die Melodieführung, arbeiteten Phrasierungen sauber heraus und krönten ihren Auftritt mit dem technisch anspruchsvollen „Crazy Horses“ – wofür ihnen satter Applaus entgegen schlug. Schade, dass die beiden Talente noch zu jung sind für den Bundeswettbewerb, der im Mai in Kassel stattfindet: Sie wären sonst bestimmt dabei gewesen. Alle anderen Jungmusiker werden dort um höchste Anerkennung kämpfen.

Posaune und Klavier erwartete das Publikum als nächstes. Konstantin Kappe (Posaune) und Moritz Heinrich (Flügel) zeigten sich meist gut aufeinander eingestimmt. Ein selbstbewusster Pianist und ein faszinierender Bläser präsentierten Präludium, Choral, Variation und Fuge von Müller, „Morceau Symphonique“ von Guilman (1837-1911) und eine Sonatine für Posaune und Klavier von Koetsier (1911-2006) – auch hier mit jeweiliger Steigerung im Niveau. Der junge Posaunist, der sich im Vorjahr beim Bundeswettbewerb einen 1. Platz sicherte, dürfte auch diesmal als einer der Favoriten antreten. Kappe zeigte sich allen technischen Anforderungen von alten und zeitgenössischen Stücken mühelos gewachsen, brillierte mit Läufen und Rhythmik, beeindruckte mit seiner Tonsicherheit auch bei atonalen Passagen und maximalem Tempo – piekfein. Wenn dieser junge Bläser seinen langen Tönen noch systematischer Raum zum „Atmen“ gönnt, wird sein Spiel eine Wucht – dass er es kann, hat er gezeigt. Die finale Sonatine im Gallopptempo war ein Burner.

Nicht weniger grandios zeigte sich das Zupfquartett Lea Sofie Tiedemann und Katharina Grohn (beide Mandoline), Jabbo Ubbens (Mandola) und Leon Kühn (Gitarre). Wunderbar ausbalanciert waren diese vier. Sie ließen einen absolut homogenen Klangkörper entstehen, Leichtigkeit prägte ihr Spiel selbst bei hohen technischen Schwierigkeiten – hier sei Jabbo Ubbens Fingerfertigkeit nochmal extra erwähnt. Spielerisch präsentierten sie Allegor, Sarabende und Bourrée aus der Suite D-Dur von Telemann – der Meister hätte sich über diese Interpretation sicher gefreut. Genauso bravourös meisterten sie zwei Sätze aus der anspruchsvollen Tanzsuite op. 57 „Sketchbook“ von Hackner (geb. 1968). Und dass Kreidlers (* 1943) krönende „Pizzicato Bossa“ zum Publikumsliebling wurde, darf nicht wundern – da tanzte man als Zuhörer in der Fantasie einfach mit.

War das noch zu toppen? Nur auf ganz andere Weise. Luca Roncato (Querflöte), Rasmus Stumpf (Cello) und Dennis Achtziger (Klavier) führten sich mit einem wunderbar getragenen Adagio in F-Dur von Martinu als harmonisches Trio ein. Jeder von ihnen war voll da, schickte seinen Part und den Dialog der Instrumente ausdrucksstark und scheinbar mühelos in den Saal. Bei Webers Allegro (G-Dur) zog das Tempo an, ließen die Spieler die Möglichkeiten ihrer Instrumente glänzen. Dann gingen sie in die Vollen: Kapustins Allegro Molto war ein Hammer. Diese zeitgenössische Musik muss man bis ins Innerste aufgesogen haben, um sie so zu bringen. Das lässt sich nicht beschreiben, das muss man hören – und sehen. Mit diesem Coup bescherten die drei dem Publikum ein nicht nur musikalisches, sondern auch emotionales Ereignis. Das Trio braucht dringend ein größeres Publikum – und für „Mr. Flockig“ Rasmus Stumpf und sein „Spielzeug“ kann die nächste Herausforderung gar nicht groß genug sein.

„Das war ein superklasse Konzert“, war die Abendbilanz von Kreismusikschulleiter Peter Seibert. Recht hatte er – und uns bleibt nur, jedem Einzelnen für den Bundesentscheid die Daumen zu drücken. Wir werden noch von einigen hören.