Heimatkrimi "Anverusfluch"

Morde in der dunklen Slawenzeit und der Gegenwart. Privatermittler Fabian ist im Einsatz. Im neuen Krimi von Schriftsteller Chr. Ernst gibt es Spannung pur.

Von Brigitte Gerkens-Harmann

Klein Zecher – Er gehört zu den renommierten Autoren in Norddeutschland und überzeugt seine Leser mit gut recherchierten Krimis und Romanen. Nun stellte Schriftsteller Christoph Ernst sein neues Werk, das im Leda-Verlag erschien, vor. Im Interview erläuterte der 57-Jährige seine ganz persönlichen Ein- und Ausblicke:

Kulturportal: "Druckfrisch liegt ihr neuer Kriminalroman „Ansverus Fluch“ vor. Ist es ein typisch-norddeutscher Regional-Krimi?"
Christoph Ernst: "Das müssen die Leser entscheiden. Ich liebe Norddeutschland und mag Pulp-Fiktion. Das feiere und persifliere ich in einem hart gesottenen Heimatroman. Zugleich wirft das Buch durchaus ernst gemeinte Fragen auf. Es skizziert historische Ereignisse, die uns bis heute prägen, und zwar weit mehr, als wir uns dessen bewusst sind. Der Konflikt, um den es dabei geht, ist weder einmalig noch aufs Lauenburgische beschränkt. Hier springt er einen nur überall an."
Kulturportal: "Das komplexe Thema um die Slawenmission erforderte eine fundierte Recherche. Wie lang haben Sie an diesem Buch geschrieben?"
Christoph Ernst: "Lange. Die Geschichte der Mission ist uns über tausend Jahre aus der Sicht der Sieger erzählt worden. Mich reizte der Perspektivwechsel. Vielleicht haben die Slawen uns ja etwas zu erzählen, das uns neu ist. Jede Zeit muss ihre Vergangenheit entdecken, um sich selbst in ihr zu spiegeln. Das am Beispiel der Polaben zu tun, liegt nahe, weil sich deren Spuren buchstäblich vor der Haustür finden. Aber es war nicht meine Idee. Darauf gebracht haben mich die beiden Freunde, bei denen ich mich in dem Buch bedanke."
Kulturportal: "Wird die Figur des Privatermittlers Fabian auch bei zukünftigen Krimis aus Ihrer Feder  historische Verbrechen aufklären?"
Christoph Ernst: „Das wäre eine gute Frage an Dan Brown. Mich fasziniert Geschichte und der leidgeprüfte Fabian ist historisch halbwegs versiert. Nicht auszuschließen, dass er sich bald wieder im Vorgestern verstrickt. Doch der Spagat über 950 Jahre war für ihn schon einigermaßen heftig. Nach verschollenen frühchristlichen Papyri wird er also vermutlich nicht suchen. Allerdings war er noch nie in den USA – und da fällt mir ein, dass ein entfernter Verwandter von ihm, der auf den Taufnamen George Washington Fabian hörte, 1904 in West-Texas als Sheriff von einem Gesetzlosen erschossen wurde. Zu der Zeit waren Frank und Jesse James und die Doolin-Daltons zwar längst aus dem Rennen, aber Butch Cassidy und Sundance Kid gut noch im Geschäft.“
Leseprobe: Privatermittler Jacob Fabian hat mit Märtyrern sonst wenig am Hut, doch als man Georg Fiedler des Mordes verdächtigt, landet er mitten in den Wirren der Slawenmission. Denn das Opfer ist genau dort aufgetaucht, wo Fiedler kurz zuvor die mumifizierte Leiche einer jungen Slawin entdeckt hat. Die Frau kam vor fast 1000 Jahren um, zur selben Zeit wie Ratzeburgs Heiliger Ansverus, der 1066 gesteinigt wurde. Fabian dämmert, dass Fiedlers Fund die Tat ausgelöst hat. Zusammen mit einem klugen Pfarrer gräbt er sich durch Geschichten über Mönche und Slawen. So stößt er auf die »Ansverus-Bruderschaft«, einen Geheimbund, der einst Angst und Schrecken verbreitet haben soll. Die Dinge überstürzen sich, als er erfährt, dass die Bruderschaft noch nach dem Krieg Nazi-Verbrecher aus Deutschland hinaus geschafft hat. Mit einem Mal tun sich tödliche Verstrickungen bis in die Gegenwart auf.
Christoph Ernst, Ansverus-Fluch, Kriminalroman, ISBN 978-3-86412-093-010,99 Euro