Grund zum Feiern im kleinen Theater Schillerstraße

2015 verbuchte das kleine Theater Schillerstraße (kTS) das erfolgreichste Betreibsergebnis seit Bestehen des Hauses, knapp 60.000 Besucher kamen. Eine feine Bilanz und gute Basis für die Spielzeit 2016/17, die jetzt unter dem Motto „Jubiläum“ anläuft …

Geesthacht – kTS-Geschäftsführer Thorsten Winkler und Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze stellten das neue Programm und die Bilanz zur vorangegangenen Saison gemeinsam vor. Sonnenschein hat dabei die dunklen Wolken aus früheren Jahren abgelöst. Die Besucher „haben das neue Konzept und das neue Programm sensationell gut angenommen“, meldete der Theaterchef. Die Besucherzahlen hätten sich binnen zweier Jahre fast verdoppelt, die Umsatzsteigerung von 2014 auf 2015 liege bei mehr als 100 Prozent, das massive Defizit in der Sparte Theater sei deutlich gesenkt worden. Winkler: „Dass wir so schnell Erfolge in diesen Größenordnungen verbuchen konnten, war sogar für mich eine kleine Überraschung.“

Motivierter Geschäftsführer

Vor zwei Jahren hatte Thorsten Winkler die Geschäftsführung des kTS übernommen. Der finanzielle Zustand damals war nicht eben zufriedenstellend, um es freundlich auszudrücken. Andererseits fürchteten zu Beginn der Nach-Jacobi-Ära viele Stammbesucher, dass die Wirtschaftlichkeit des Hauses nur auf Kosten der Theaterkunst genesen könnte. Die geschätzten hauseigenen Inszenierungen entfielen zwar. Doch Winklers Neukonzeption, zu der neben qualitativ hochwertigen Gastspielen auch Live-Übertragungen aus der Metropolitan Opera und aus dem Bolschoi-Theater gehören, hat den Betrieb des Hauses offenbar gerettet. Er ließ die Bilanzierung korrigieren, fand einen Sponsor und ausreichend Kunden: Knapp 60.000 Zuschauer besuchten 2015 die Veranstaltungen im kTS.

Erleichterte „Stadtväter“

„Auch wenn es vielen schwerfällt, Kultur unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten, ist diese positive Entwicklung des Ergebnisses in Zeiten von großen Haushaltsdefiziten enorm wichtig für die Legitimation eines Theaters in Geesthacht“, weiß Winkler. Mit dem Ergebnis sei eine gute Grundlage geschaffen. Dennoch müsse allen bewusst bleiben, dass ein Theaterbetrieb in dieser Form nicht ohne die städtischen Subventionen auskommen könne. Die aufwändigeren Theaterproduktionen verursachten noch immer ein Minus in der Kasse. Das Defizit zu tragen, ist die Stadt jedoch noch immer bereit, wie Bürgermeister Olaf Schulze bei der Programmvorstellung wissen ließ. Man wolle kein reines Kino haben, sagte er: „Es herrscht bei der Politik Erleichterung, dass die Zahlen besser geworden sind. Das Theater wird derzeit auch nicht in Frage gestellt.“

Mehr als pures Amüsement

Theater hat, wie Winkler betont, die Aufgabe, mehr zu bieten als reine Unterhaltung. Natürlich spreche nichts dagegen, sich mal „berieseln“ zu lassen, abzuschalten und sich zu amüsieren. So dürften selbstverständlich in der Spielzeit 2016/17 Komödien, Comedy und Kabarett nicht fehlen. Diese waren in der Vorsaison fast immer ausverkauft. Dass auch ernstere und unbequemere Theaterstücke noch besser besucht werden, bleibt Thorsten Winklers „großer Wunsch“ – in der abgelaufenen Saison blieb der Saal z.B. bei den umjubelten Produktionen „Ein Volksfeind“ und „Die Päpstin“ leider nur halb gefüllt. Natürlich müsse er als Theaterchef auf die Besucherzahlen entsprechend reagieren. „Allerdings möchte ich vermeiden, dass in Geesthacht nur noch Lustspiele und Comedy gezeigt wird“, sagt Winkler und legt den Besuchern in der neuen Spielzeit besonders Shakespeares „König Lear“, Bertolt Brechts „Flüchtlingsgespräche“ und „Dreigroschenoper“, die von Peter Lohmeyer neu vertonten Gedichte von Charles Bukowski, Günter Grass‘ „Blechtrommel“ sowie die „Deutschstunde“ und die „Trilogie der Freiheit“ von Siegfried Lenz ans Herz.

Prominente auf der Bühne

Große NamenWas ist zu erwarten? 23 Auftritte stehen bis 15. Juli 2017 auf dem Spielplan. Die Geesthachter 800-Jahr-Feier 2016 hat dem neuen Programm Jubiläumsimpulse gegeben. Ingo Oschmann etwa wird es im kTS-Comedy-Club aufgreifen. Runde Geburtstage spielen in der neuen Spielzeit ebenfalls eine Rolle: Roberto Blanko, Schauspieler Peter Sodann und Kabarettist Hans Scheibner werden 80 – und kommen ins kTS, dazu Michael Schanze (70). „Herr Holm“ steht seit zehn Jahren auf der Bühne, Alma Hoppe seit 30 – beide werden das Geesthachter Publikum erfreuen. An große Zeitgenossen wird posthum erinnert: Shakespeare, Brecht, Grass, Lenz, Loriot, Udo Jürgens. Wo sich prominente und berühmte Namen und Stücke verbinden, verraten das Programmheft und die Website des Hauseswww.kts-geesthacht.de. Die Abopreise liegen in den ersten beiden Reihen zwischen 20,- und 22,- Euro (erm. 16,- bis17,60 Euro), dahinter zwischen 25,- und 27,50 Euro (erm. 19,- bis 20,90 Euro).

Jazz- und Kinderprogramm laufen jetzt extra

Das neue Programm ist gewohnt breit angelegt (zehn große Gastspiele und eine Vorschau auf weitere gebuchte Produktionen), das Heft allerdings dünner als bisher gewohnt. Es fehlen die Jazzkonzerte und das Kindertheater, die nun separat und aktuell beworben werden. Im Verlauf des Jahres kommen darüber “nicht wenige Veranstaltungen“ hinzu. Die Programmbroschüre soll laut Winkler in erster Linie die Abonnenten ansprechen, denen wieder diverse Vergünstigungen in Form von Vorkaufsrechten auch für Nicht-Abo-Stücke, Stammplätzen und Ermäßigungen gewährt werden. Zigarren Fries in der Bergedorfer Straße bleibt Vorverkaufs- und Kartenabholstelle. Das Exklusiv-Abo und die zusätzlichen Vorteile gibt es allerdings nur im kTS direkt.