Beeindruckend: Folksfest-„Marathon“ in Mölln

Schöner. Bunter. International. Das 14.Möllner Folksfest bot weltmusikalische Vielfalt auf höchstem Niveau. Chapeau für das tolle Team um Jörg Geschke und Mark Sauer.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Die Steigerungen in den vergangenen Jahren sind für Beobachter mehr als bemerkenswert: Gab es noch vor einigen Jahren nur am Wochenende Konzerte non-stop, so entwickelte das diesjährige Folksfest über fünf Tage einen munteren Sog, dem sich die Besucher gern hingaben. Hochkarätige Workshops mit internationalen Musikern und an vier Tagen dann ein Konzert-Feuerwerk auf mehreren Bühnen und mit einem absolut breit gefächerten Musik-Angebot.
Das ist in dieser professionellen Ausrichtung in der Region einmalig, denn alle im Folksfest-Team arbeiteten ehrenamtlich und sind seit Monaten für das sagenhafte Event aktiv gewesen. Neben dem umtriebigen Leitungs-Duo Jörg Geschke und Mark Sauer sorgten über 30 Helfer für einen reibungslosen Ablauf. Ein Teamgeist und eine bunte Fröhlichkeit, die allerhöchstes Lob verdient.

Damit sparten auf dem traditionellen Marktplatz-Open-Air auch die Besucher nicht. Hier einige Stimmen, nicht nur von den Möllner Fans: „Was für eine friedliche und heitere Stimmung beim Auftritt der Gruppe "Steierischer Brauch" im Garten am Lohgerbergang. Da kommen wir gern wieder.“ Zwei Familien mit ihren Kindern waren vom Zeltplatz in Güster nach Mölln geradelt, um das Event im Domizil des Folkclubs mitzuerleben.
Mona und David Schmidt mit der siebenjährigen Linia waren aus Lübeck angereist. „Wir haben uns besonders über das Kinderfest mit unserer Tochter gefreut, die gesungen und getanzt hat. Ganz toll, wir sind begeistert.“
Spaß an der kunterbunten Vielfalt hatte auch eine Möllnerin, die seit vielen Jahren am kulturellen Leben großes Interesse hat. Freya Barschel lobte die hochkarätige Gruppe "Locomondo" aus Griechenland, zu deren Musik sie sich gern bewegte. Überhaupt war das Tanzen und frohe Miteinander bei allen vier Abendkonzerten erlebbar.

Es war die familiäre Atmosphäre, die unverkrampfte Freude an Musik und die Solidarität, die sich wie ein roter Faden durch die Vielzahl der Konzertangebote zog. Unter den europäischen Musikern ist das Möllner Folksfest schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern beliebter Konzertreffpunkt und ein Ort, wo renommierte Künstler gern auftreten.

Der Europagedanke, den Mark Sauer vom Verein Miteinander leben bei allen musikalischen Feinheiten immer auch betonte und die politische  Bedeutung des Festes hervorhob, wurde bei einer Europakonferenz deutlich.
Das Motto "..andere Heimat Europa" kam mit kleinen Symbolen am späten Sonnabend-Abend deutlich zum Ausdruck: Griechische Fahnen flatterten neben den bundesdeutschen Flaggen auf dem Marktplatz. Symbole ohne Worte, aber mit großer Kraft.
Zu den echten Promis des diesjährigen Folksfestes konnte die griechische Gruppe "Locomondo" gezählt werden. Die sieben Griechen, deren Frontmann Marcos Koumaris ebenso fetzig wie professionell das gut gelaunte Publikum auf Deutsch ansprach, setzten echte Glanzlichter.

„Eine Band wurde geboren“. Jörg Geschke, Moderator mit dem ebenso professionellen, wie heiteren Anspruch an das Gelinden des Folksfestes, kündigte so Möllner Musiker an. Neben bekannten Kulturschaffenden wie Klaus Irmscher oder Michael Jessen, trat auch Gitarristin Kornelia Stöhr auf. Drei Tänzerinnen mit Migrationshintergrund sorgten für einen Augen- und Ohrenschmaus beim Auftritt der „Willkommensband Mölln“.

Der Freitagabend des Folksfestes stand im Zeichen der kunterbunten Weltmusik und blieb auch in diesem Jahr seiner Programmvielfalt treu und bot schillernde Facetten, Stile und Rhythmen. Irische, finnische, österreichische, italienische und griechische Musik klang einfach nur hinreißend schön im Festsaal des Stadthauptmannshofes Mölln.
Einer, der die Organisationsfäden virtuos händelte und im Dauereinsatz beim Folksfest und bei den pädagogischen Angeboten war und großartige Arbeit leistete, war Jörg Geschke. Er  dankte den Sponsoren, allen voran dem Deutschalandradio aber auch vielen regionalen Fördern, wie der Stiftung Herzogtum Lauenburg für die Finanzierung, ohne die die Konzertfülle nicht möglich wäre. Dank an die Künstler und das große Helfer-Team, das wie immer hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf sorgte.

Der gesellschaftspolitische Hintergrund des Folksfestes blieb transparent: Seit 1993 organisiert der Verein Miteinander Leben das friedliche Miteinander der Kulturen. Er will Aufklärungsarbeit leisten und die Freude an anderen Lebensformen, Nähe und Solidarität schaffen. Wie das Motto des 14. Folksfestes treffend vorgab: „…andere Heimat Europa“