20 Jahre Otto-von-Bismack-Stiftung

Vor zwei Jahrzehnten nahm die Otto-von-Bismarck-Bundesstiftung in Friedrichsruh ihre Arbeit auf. Ein schöner Anlass zum Feiern – und für einen kurzen Blick zurück …

Friedrichsruh- Mit einem Familienfest feierte die Stiftung den runden Geburtstag. Mit einem geschichtlichen Rückblick auf die Stiftungsgeschichte und einer Standortbestimmung zur Gegenwart rief Geschäftsführer Prof. Dr. Ulrich Lappenküper den Gästen die Entwicklung der Politikergedenkstätte ins Gedächtnis. Danach wurde ein gemütliches Sommerfest mit den Bürgern gefeiert. Die jungen Besucher konnten sich bei Schminken, Geschicklichkeitsspielen und einer Tombola amüsieren, für den musikalischen Rahmen sorgte die Reinbeker Band RundFunk mit zünftigem Rock.
 
Ein Blick zurück. „Das Andenken an das Wirken des Staatsmannes Otto von Bismarck zu wahren, seinen Nachlass zu sammeln und zu verwalten, und die Interessen der Allgemeinheit in Kultur und Wissenschaft, Bildung und Politik auszuwerten“ – so lautete die Aufgabenbeschreibung im Erlass zur Gründung der Otto-von-Bismarck-Stiftung am 1. Juli 1996. Laut Prof. Lappenküper hat sie den richtigen Weg zum Umgang mit der historischen Person gefunden – „die Leistungen der Jahrhundertgestalt Bismarck zu würdigen, ohne die Grenzen und Defizite seines Handelns zu ignorieren; die vielschichtigen Probleme der von ihm nachhaltig mitgestalteten Ära auch in ihrer europäischen, ja globalen Dimension aufzuzeigen; Individuelles und Allgemeines in einer Epoche des Umbruchs in ihrer historischen Verschränkung zu betrachten und dabei stets den Zusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart zu verdeutlichen.“
 
Hat die Gründung der fünften selbstständigen Erinnerungsstiftung des Bundes an bedeutende Staatsmänner bei einigen Menschen zunächst Vorbehalte und Bedenken ausgelöst, so wird ihre Arbeit heute in der Öffentlichkeit als Bereicherung des Kulturlebens im Sachsenwald und weit darüber hinaus wahrgenommen. Ein Beweis für die Richtigkeit der Arbeit sind die ständig steigenden Besucherzahlen in den Museen und den Vorträgen.
 
Der Anfang im Jahr 1996 erwies sich als recht holprig. Es gab eine nicht rechtsfähige Stiftung, die wegen der Finanzierung auf wackligen Beinen stand. So war der Start für den damaligen Geschäftsführer  Dr. Michael Epkenhans und seine Sekretärin Britta Messertschmidt kein Selbstgänger, wie Prof. Lappenküoer erinnerte. Die Arbeit begann in provisorischen Räumen im ehemaligen Marstall gegenüber dem Schloss. Vier Jahre später, im Juli 2000 konnten im völlig renovierten Bahnhof Friedrichsruh die Büroräume bezogen werden. Es gab Platz für die Bismarck-Dauerausstellung im Erdgeschoss und einen Vortragsraum im 1. Stock. „Ich glaube, damals hat keiner geglaubt, dass die Räumlichkeiten in wenigen Jahren nicht mehr ausreichen könnten“, vermutete Lappenküper. Im Mai 2007 schloss die Stiftung mit dem Land Sachsen-Anhalt, dem Landkreis Stendal und der Gemeinde Schönhausen an der Elbe einen Kooperationsvertrag über die gemeinsame Förderung des Schönhauser Bismarck-Museums. Im Jahr 2009 übernahm die Stiftung von Ferdinand von Bismarck als Dauerleihgabe das Friedrichsruher Bismarck-Museum.
 
Gern hätte Prof. Dr. Ulrich Lappenküper zum 20. Geburtstag der Stiftung schon  mit dem avisierten Neubau begonnen, den der Bund finanziert. Die notwendigen drei Millionen Euro sind bewilligt – doch noch sind Formalien unter den Bundesbehörden zu klären, die alle ein Wort mitreden wollen. So erfreuen sich Mitarbeiter und Besucher einstweilen an einer China-Sonderausstellung zur Erinnerung an den chinesischen Vizekönig Li Hongzhang, der vor genau 120 Jahren den im Ruhestand befindlichen Fürsten Otto von Bismarck besucht hatte. Die Schau im Bismarck-Museum wurde von Dr. Maik Ohnezeit organisiert. Sie stellt das Wirken des chinesischen Politikers in Zusammenhang mit der Politik Chinas und der des Deutschen Reiches bis zum Jahr 1914. Die Ausstellung läuft bis zum 2. Dezember 2016 und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kurator Dr. Ohnezeit bietet am 28. August, 11. September, 23. Oktober und 20. November (jeweils um 15 Uhr) Sonderführungen an.