Der Schatz von Dalldorf

Dieter und Inge Thieslack hatten ihren Barkhof in Dalldorf für den KulturSommer geöffnet. Neue und bestehende Objekte in dem zauberhaften Privatpark verführten zum Verweilen und Entdecken.

Dalldorf – 77 Lebensjahre haben kein bisschen an  seiner Gestaltungsenergie gekratzt. Dieter Thieslacks Barkhof im kleinen Dalldorf, der zum KulturSommer am Kanal auch 2016 seine Pforte öffnete und ein gutes Dutzend neuer Stationen zeigte, bleibt ein Kleinod. Wer sich Zeit nahm, konnte auf dem rund drei Hektar großen Gelände zwischen Büschen, an den Wegesrändern, in Wiesen, an Teichen, auf Hügeln und unter Bäumen sich faszinieren und entschleunigen lassen. Kleine Schauer hielten die Besucher nicht ab von ihren Entdeckungstouren, die gelegentlich von der kleinen Schafherde gekreuzt wurden, die den Barkhof an 363 Tagen im Jahr allein bewohnen.

Die ehemalige Kiesgrube ist von Dieter und Inge Thieslack mit Bedacht gestaltet, Hügel und Senken wechseln sich ab, ebenso wildes Gehölz und kultivierte Areale. Wer durch den Park mit seinen großen und kleinen Objekten aus Steinen, Holz, Eisen, Beton und Keramik wandelt, entdeckt ständig neue An- uns Aussichten. Witzig, schön, erstaunlich, fantasievoll sind seine Kreationen, die er seit mehr als 30 Jahren schafft und zusammenstellt.

Er öffnet Sichtachsen, lässt Aushub hier zum Hügel da werden, legt neue Biotope an. Neu ist unter anderem eine große Säule mit 16 Keramikobjekten – Tiere und kleine Figuren. Zwanzig, dreißig Jahre sei es her, dass er zuletzt getöpfert habe, erzählt Dieter Thieslack. Nun sei er wieder auf den Geschmack gekommen und wolle dranbleiben am Gestalten mit Ton – damit hatte er vor Jahrzehnten angefangen. Das Material stammt vom großen Anwesen, das zwei alte Tonteiche und einen Moorteich birgt. Noch sei seine Frau Inge nicht mit allem zufrieden, schmunzelt er – da müsse er sich eben anstrengen.
An Geschick und Fantasie mangelt es dem früheren Maurermeister ebenso wenig wie an Ideen zur Präsentation seiner Kunststücke in der umgebenden Landschaft, deren Ursprünge noch aus der Eiszeit stammen. Viel Material wird ihm vorbeigebracht, Gebälk  und Steine von Hausabrissen, ausgemusterte Strommasten und Baumstämme, Telegrafenmasten, Baustahl, Styroporblöcke, alte Diakästen und vieles mehr.

Aus den Masten sind große Portale entstanden, die den Blick lenken in eine große Wiese hinein und dahinter hinaus in die umgebenden Felder. Vier Teile hat er zu einer pyramidalen Konstruktion zusammengefügt – die in leuchtendem Rot Rahmen und Dach für ein Stück Mooreiche aus dem eiszeitlichen Teich bilden. Ein absoluter Hingucker. Schön auch, dass man als Besucher alles anfassen kann, was einem begegnet. Thieslacks getöpferte, gegossene, geschweißte, geschnitzte, geschraubte, gebohrte und geklebte Objekte sind stabil. Beim einen oder anderen blitzt eine gehörige Portion Humor auf.
Farbe setzt er ein, überlädt den Park jedoch nicht damit – Sonne, Licht und Schatten zaubern von selbst Atmosphäre. Man muss sich nur umdrehen, und schon sieht alles anders aus. Für jede Plastik, jeden kleinen Stein, jede große Installation suchen Inge und Dieter Thieslack einen eigenen Standort im Park aus. Als Besucher kann man mit einem Rundgang gar nicht alles erfassen. Was verzauberte, findet sich im Gästebuch wieder, in dem die von Führungen unbelästigten Genießer gern ihr Lob hinterlassen.
Der Barkhof sollte mit all seinen noch zu erwartenden Neuigkeiten und (Wieder-)Entdeckungen zum festen Bestandteil des KulturSommers werden. Er symbolisiert in hoher Konzentration das, wofür die Veranstaltungsreihe steht: die Verbindung zwischen Kultur und Natur, die enge Freundschaft zwischen Liebhaberei und Professionalität, die direkte Verbindung von Wasser und Land, das Unerwartete im Bekannten, das Große im Kleinen.