Aus dem Leben getaucht

Straight, packend, faszinierend: Das TroubaDuo aus Lübeck begeisterte in der Siebeneichener Kirche mit einem Konzert, das volle Emotion verströmte und das Publikum nicht nur (aber auch) deshalb packte.

packte.
Siebeneichen – Sie haben ein Händchen für kleine Perlen, die KulturSommer-Macher: Eine davon glänzte beim Abschlusskonzert in Siebeneichen . Das TroubaDuo mit Jana Nitsch (Gesang und Akkordeon) und Marcus Berthold (Fivestring-Fiddle) kam, sang und spielte sich umgehend in die Herzen der Zuhörer. Das kongeniale Duo überwältigte mit Straßenmusik im besten Sinn und von bester Qualität. Piekfeine Texte mit Tiefgang, pulsierende Musik und unverkrampfte Emotion gaben sich da die Hand. Die beiden Musiker tauchten aus ihrem Leben auf, verschenkten ihre Kunst, Gefühle und Gedanken. Das Publikum nahm das Geschenk mit Freuden an.
„Einem Koffer voller Sehnsucht“ hatten Jana Nitsch und Marcus Berthold mitgebracht in die alte Kirche, deren Akustik sie selbst überwältigte. Sie boten ein Konzert mit überwiegend eigenen Texten (in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Jiddisch) und Kompositionen, verwoben durch Klang von Klezmer, Balkan und Musette. Die Sängerin und Dichterin erzählte mit ihren Liedern und Texten aus dem Leben, schnörkellos, bewegend. Ton und Text erwachsen bei diesen beiden Troubadouren aus eigener Lebenserfahrung und vielen Tingel- bzw. Tourneejahren. Seit etwa fünf Jahren spielen die beiden zusammen – ohne Notenwerk (Notenlesen ist für Jana ein Graus), sie hören und spüren sich und den anderen. Dass sie sich gegenseitig schätzen, war unübersehbar; nicht allzu oft erlebt man Musiker mit so engem, überspringendem Kontakt zueinander und zum Publikum.
Troubadoure waren im Mittelalter höfische Dichter, Komponisten und Sänger – all das verbinden auch Nitsch und Berthold. Drei Jahre war die Musikerin mit ihrem Akkordeon durch ganz Europa unterwegs, rund 15 Jahre Tourerfahrung, schwerpunktmäßig mit Klezmer und Balkansound, bringt Berthold mit. Ihre Musik kommt aus dem Bauch und geht ins Blut – direkt. Ihr Spiel hat nichts Akademisches, es ist im Leben und auf den Straßen Europas erprobt und gestählt. Aus ihrem Koffer voller Sehnsucht pflückten sie berührende Worte und ergreifende Klänge – heiter, melancholisch, stets pulsierend von Leben und authentisch.
Der Soul und das Volumen von Janas Stimme fuhr gerade in de tiefen Lagen voll in die Eingeweide. Und sie hat den Hauch von „Dreck“, auf den Musikproduzenten immer so scharf sind – den Mut, herauszulassen was in der Seele steckt, ohne nachzudenken über „schön“ singen. Für die gut 70 Zuhörer war das Konzert ein echtes Erlebnis, prasselnder Applaus und Bravorufe ihr Dank. Mit seiner Zugabe setzte das TroubaDuo noch einen drauf. „Bei mir biste scheyn“ gab‘s zweistimmig und mit allem, was Janas Stimme an Umfang und Ausdruckskraft hergab. Und auch hier war Berthold Partner, nicht nur Begleiter. Die beiden konzertieren öfter im Norden – nehmen Sie sie mit!