"Out Here Every Second Counts"

Noch bis zum 28. August ist die Ausstellung "Out Here Every Second Counts" im Künstlerhaus zu sehen. Am 26. August gibt es das Künstlergespräch an der Bar.

Lauenburg – Janine Eggert, derzeit Stipendiatin im Künstlerhaus Lauenburg, eröffnet mit ihrer Ausstellung „Out Here Every Second Counts“ die Reihe von Einzelpräsentationen im Künstlerhaus. Der Ausstellungstitel ist ein Zitat aus der populären US-amerikanischen Fernsehserie „ Deadliest Catch“ (dt.: Der gefährlichste Job Alaskas), die Krabbenfischer bei ihrer Arbeit in der rauen Beringsee begleitet. Janine Eggert hat mit Bezug zu Ed Ruscha ausgewählte Äußerungen der TV-Protagonisten zu Siebdrucken verarbeitet. Ruscha war in den 1960er Jahren in Los Angeles als Layout Designer für die Werbung tätig und im Kontakt mit der Filmindustrie in Hollywood – beides Faktoren, die einen starken Einfluss auf seine künstlerische Arbeit hatten. Wie Ed Ruscha in seinen Buchstabenbildern, entreißt auch Janine Eggert die Slogans ihrem eigentlichen Kontext und setzt sie vor einem abstrakten Hintergrund dreidimensional in Szene.
Die Erforschung von Erde und Weltraum, moderne Fortbewegungsmittel oder Übertragungstechniken basieren alle auf hochleistungstechnologischen Maschinen, die vom Menschen erschaffen wurden. Das Wechselverhältnis von Mensch/Technik und Natur tritt in den einzelnen Arbeiten der Künstlerin auf unterschiedliche Weise zu Tage. In der Serie „ Deadliest Catch“ bezwingen Krabbenfischer die Naturgewalt des Meeres, während die Videocollage „The Beginning of Infinity“ (2015) einer futuristisch technischen Welt die Natur als Inspirationsquelle und Lebensraum gegenüberstellt.
Janine Eggert untersucht in den gezeigten Werken die Erhabenheit, die von technischen Objekten ausgeht. Im 18. Jh. beschrieb der Philosoph Edmund Burke das Erhabene als eine Paradoxe Erfahrung, als „reizvollen Schrecken“, der sich beispielsweise im Angesicht elementarer Naturgewalten einstellt. Immanuel Kant definierte als erhaben, „was über alle Vergleiche groß ist“. Ein Gefühl der Überwältigung, Ehrfurcht und Unfassbarkeit, welches die eigene Nichtigkeit gegenüber der Natur erkennen lässt – faszinierend und ängstigend zugleich. Janine Eggert befragt dieses Konzept des Sublimen im Sinne einer technologischen Erhabenheit, die sich gegenüber gigantischen und hochtechnologischen Maschinen entfaltet. Ist dieses Konzept der Erhabenheit, wie es im 18. Jh. formuliert wurde so noch relevant? Zerstört die fortschreitende Technologisierung und zunehmende Beherrschung wie Zerstörung der Natur das Gefühl der Erhabenheit? Erst im dem Augenblick, wo die Maschine als eine potentielle Bedrohung empfunden wird oder das Bewusstsein eintritt, dass die digitalenTechnologien nicht mehr zu beherrschen sind, entsteht wieder solch ein Moment des Schreckens und der Erfurcht.
Das Interesse für Formen und Strukturen, für die Perfektion und Ästhetik von maschinellen Bauteilen zieht sich durch das gesamte Werk von Janine Eggert. Diese greift sie in ihren plastischen Objekten auf, verändert jedoch ihre Proportionen und Materialität und verleiht ihnen eine ästhetisch dekorative Wirkung. Im Ausstellungsraum stehen drei neu entstandene Objekte unter dem Titel "Idea Balancing Sculpture" (2016). Der analoge Entstehungsprozess und die Verarbeitung des Materials bleiben sichtbar – ein absichtlicher Bruch zu technisch hergestellten Serienmodellen. Diese Vorgehensweise findet sich auch in den Siebdrucken wieder, was allerdings erst bei genauer Betrachtung sichtbar wird.
Im Kontext der Ausstellung findet am 26. August 2016 das Künstlergespräch an der Bar mit Janine Eggert statt. Die noch recht junge Veranstaltungsreihe bietet den Besuchern die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre über die künstlerischen Arbeiten ins Gespäch zu kommen.