Musiksommer im Schloss

Originell, hochaktuell, virtuos: SHMF-Konzerte auf Wotersen sind auch in diesem Sommer wieder ein Publikumsmagnet gewesen. Eine Konzertkritik und eine Bilanz lesen Sie hier…

Von Gregor Bator
Wotersen – Mit einem fulminanten „Fest der Liebe“ klang die diesjährige Spielsaison des Schleswig-Holstein Musik Festvals (SHMF) in Wotersen aus. Sopranistin Simone Kermes, Tänzer Indra Stark, Michele Ciacci und das italienische Ensemble „La Magnifica Comunità“ bescherten ihren Zuhörern in der fast ausverkauften Reithalle ein ausgesprochen originelles Programm aus Liedern und Arien der Renaissance.
Vorwiegend Werke italienischer, französischer und englischer Meister, die kaum bekannt und doch so „natürlich“ jeden ansprechen. Die zwischen 1580 und 1700 entstandenen Vertonungen besingen die gesamte Gefühlspallette rund um die Liebe – Treue, Verliebtheit, Verführung, Leidenschaft, Sehnsucht, Stolz, Eifersucht, Verlassenheit, Frustration, nie mehr zu lieben und geliebt zu werden, Rache, Höllenschmerz, Wahnsinn bis hin zur Verzweiflung, Vergänglichkeit, Ewigkeit und gemeinsamer Todessehnsucht.
Für angemessenen Tiefgang und Ausdruckskraft sorgte die 1970 in Leipzig geborene Simone Kermes. Meisterhaft. Die Sopranistin zählt mittlerweile zur Elite des Genres. Ob Claudio Monteverdi, Barbara Strozzi, Michel Lambert, Tarquinio Merula, Antonio Cesti, Giovanni Legrenzi, John Downland oder Henry Purcell, jeder Komponist schuf mit den „Liebes-Arien“ Miniaturen, deren Schlichtheit und Klarheit restlos begeistern.
Nicht zuletzt dadurch, dass die Texte nichts an ihrer Aktualität verloren haben. Die besungenen Empfindungen brachten zudem zwei hochkarätige Balletttänzer visuell zum Ausdruck. Indra Stark und Michele Ciacci schufen mit der Pantomime (Choreographie: Torsten Händler) eine Aura um die Sängerin, machten das Unsichtbare sichtbar. Die gesamte Darbietung beeindruckte nicht zuletzt durch die einfühlsame Begleitung des Barockensembles, das auf historischen Instrumenten spielte und unter der Leitung von Konzertmeister Enrico Casazza in die Klangaura von damals entführte.
Mit der Tanzsequenz aus „La Folia“, Allegor aus dem Concerto g-Moll von Vivaldi und Sonata a quattro „La Folia“ von Domenico Gallo bot das Ensemble Kostproben der Virtuosität. Perfekt aufeinander abgestimmt schmetterten die Italiener Barockmusik vom Feinsten. Riesenbeifall.
„Wotersen ist und bleibt ein Premium-Spielort beim SHMF. Das hat sich auch in diesem Jahr bestätigt. Fünf ausverkaufte Konzertabende, Tausende von Besuchern beim Musikfest und Kindermusikfest“, bilanziert die Hausherrin Barbara Gaedecke von der Verwaltungsgesellschaft Schloss Wotersen mbH. „Auch die geografische Lage von Wotersen hat keine hemmende Wirkung: Wir begrüßen jedesmal Gäste aus ganz Norddeutschland“, betont Barbara Gaedecke, sichtbar glücklich.
Somit liegt Wotersen voll im SHMF-Trend. Das Festival beschließt die Spielsaison mit einer erfolgreichen Bilanz: 151.000 Besucher sorgten in diesem Sommer in 104 Spielstätten an 57 Orten für Festivalstimmung in ganz Schleswig-Holstein, in Hamburg, Süddänemark und dem nördlichen Niedersachsen; davon kamen rund 145.000 Zuhörer zu den 178 Konzerten, fünf Musikfesten auf dem Lande und zwei Kindermusikfesten (Auslastung: 84 Prozent) und rund 6000 zu den öffentlichen Proben der Orchesterakademie und den Meisterkursen. 102 Veranstaltungen waren ausverkauft, berichtet das SHMF-Büro.