Wolkenbilder und Schwäne im Festsaal

Die Herbstausstellung des Kunstbeirats der Stiftung Herzogtum Lauenburg fasziniert durch Kontraste: „Vom Wolkenspiel zur Krone der Schöpfung“ zeigt Malerei und Skulptur.

Von Brigitte Gerkens-Harmann (Text+Fotos)

Mölln – Kein Zweifel, der Zwei-Meter-Wellensittich ist verstorben. Hat das kleine hölzerne Mädchen mit dem verstörten Gesichtsausdruck etwas damit zu tun? Diese skurrile Skulptur als „Stolperstein“ empfängt Besucher derzeit vor dem historischen Medaillongebäude in Mölln. Bevor die Vernissagegäste in die aktuelle Herbstausstellung des Kunstbeirats der Stiftung gingen, rätselten sie über die hintergründige Botschaft, die das ungleiche Duo aus Holz vermittelte.
Zeitgenössische Kunst, bewusst kontrastreich komponiert, ist derzeit erlebbar mit Exponaten des Bildhauers Peer Oliver Nau (Schattin) und der Malerin Edith Holzt-Raber (Pogeez). Die Ausstellung ist eine Initiative des Kunstbeirats der Stiftung Herzogtum Lauenburg.
Antje Ladiges-Specht, Mitglied im Kunst-Beirat der Stiftung Herzogtum, begrüßte die Künstler und Gäste. Bei der mit über 70 Besuchern ausgesprochen gut besuchten Vernissage (unter den Gästen waren Kreispräsident Meinhard Füllner, Möllns Bürgermeister Jan Wiegels, Mitglieder des Stiftungsvorstands und der Beiräte) würdigte dann Laudator Michael Packheiser beide Künstler:
“Gegensätze ziehen sich bekanntermaßen an –  dieses Credo mag auch für die Dauer dieser künstlerischen Hochzeit auf Zeit gelten. Edith Holtz zählt seit Jahrzehnten mit Ihrer Malerei und den  verschiedenen druckgraphischen Techniken zu den profilierten Künstlerinnen unserer Region. Sie hat sich auch in ihrer Malerei immer wieder mit dem Thema Landschaft und Horizont in ihrer künstlerischen Arbeit auseinandergesetzt. Ihr „Basislager“ befindet sich in Pogeez, aber eigentlich arbeitet Edith Holtz-Raber lieber an anderen Orten, die sie gezielt für ihre künstlerische Weiterqualifizierung aufsucht. Horizont und Meereslandschaften – Himmel und Weite sind Elemente, die kontinuierlich in Ihren gemalten Bildern auftauchen. In manchen Bildern scheinen sich die Koordinaten aufzuheben; wir können keinen Übergang zwischen Land und Himmel mehr wahrnehmen. Edith Holtz-Raber führt uns in eine andere Sphäre. Ihre Wolkenbilder sind Momentaufnahmen, die nicht wieder rekonstruiert werden können.“
Laudator Packheiser, Museumsleiter der Möllner Museen und Mitglied im Beirat der Stiftung führte zu den Arbeiten von Peer Oliver Nau aus: “Den Luftraum, zumindest in dieser Ausstellung, haben Schwäne kurzfristig erobert. Nau ist der Schöpfer dieser Wesen, die raumgreifend Besitz von diesem Saal im Stadthauptmannshof genommen haben. Nau ist als Künstler ein Neuzugang in unserer Region. Künftig wird er in Schattin seine Werkstatt betreiben und das Kunstgeschehen in der Region sicherlich bereichern. Er studierte an der Bauhausuniversität Weimar, am Minneapolis College of Art and Design und an der Universität für Angewandte Kunst Zwickau, Fachbereich Holzgestaltung in Schneeberg.“
Naus Kreationen, wie das lebensgroße Zebra-Pärchen, das Schmetterlings-Mobile oder die Mädchen mit Blumen, entfalten ein enormes Eigenleben, die künstlerische Aussage fasziniert, zumal sein bevorzugtes Ausgangsmaterial, Pappel-Holz, wenig geschmeidig, ja, zunächst sperrig ist. Der starke Ausdruck der Tiere oder Menschen, denen er zwar ohne perfekte Oberflächen, dennoch mit einer spröden Grazie Lebendigkeit einhaucht, wird zum (Schau)-Erlebnis und  ermuntert Besucher zum Dialog. Dem Kulturportal sagte der sympathisch-unkonventionelle Künstler schmunzelnd im Gespräch:“ Ich kann mit der Motorsäge, wenn es denn sein muss, auch eine Barbiepuppe sägen.“
In der Ausstellung, die im Medaillongebäude im Ensemble des Stadthauptmannshofes in Mölln zu sehen ist, teilen sich die beiden ungleichen Künstler die lichthellen Räume: Während Nau seine Menschen- und Tier-Plastiken im Foyer, im Treppenaufgang, im Festsaal und im Seminarraum zeigt, sollte sich der Besucher im Saal viel Zeit nehmen, denn die Wolkenbilder von Edith Holtz-Raber erschließen sich nicht im Vorbeigehen.
Die Vernissage umrahmte mit seinen wunderbaren eigenen Kompositionen, Cellist Peter Köhler aus Ratzeburg.
Bis zum 25. September ist die Ausstellung jeweils am Freitag von 15 bis 18 Uhr und an den Wochenenden von 11 bis 15 Uhr geöffnet.