Borsla-Literaturpreis 2016

Der Autor Bolko Bullerdiek erhält einen der renommiertesten Preise im Bereich der Niederdeutsch-Szene.

Von Volker Holm

Bolko Bullerdiek ist 1939 in Tansania geboren und in Bookholzberg, Wesermarsch, aufgewachsen. Später lebte er dann in Hamburg – heute als pensionierter Pädagoge, der früher in der Lehrerausbildung tätig war. Er ist ein vielfach preisgekrönter, niederdeutscher Autor und Publizist (Bevensen-Tagung, Zeitschrift „Quickborn“, plattdeutsches Lesebuch).

Der Borsla-Preis ist seit Jahren neben dem Freudenthal-Preis der bekannteste Preis für unveröffentlichte, plattdeutsche Literatur aus allen niederdeutschen Regionen mit ihren verschiedenen Sprach-Varianten. Er wird von der Borsla-Vereinigung in Bösel, Südoldenburg, gestiftet und ist jährlich mit 2000,- Euro ausgelobt. In diesem Jahre wurden der Jury 20 Einsendungen vorgelegt, die aus Ostfriesland, Westfriesland, Oldenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein kamen. Sie betrafen alle Gattungen: Lyrik, Epik und Dramatik.
 
Mit seinem Werk „Spleten ut uns Tied“ („Splitter aus unserer Zeit“) liefert Bolko Bullerdiek Bruchstücke des Erinnerns. Es sind Bruchstücke, an die er selbst sich erinnert und an die wir uns erinnern sollen, wenn wir die Texte lesen. Das erste Stück („Bi Sünnenünnergang“) erinnert an das vielfach grausame Schicksal unserer Migranten. Das zweite Stück („Wi Paradise Mastaz“) hinterfragt unsere Einstellungen, die oft genug dadurch gekennzeichnet sind, dass wir uns einbilden, die „Herren des Paradieses“ zu sein. Das dritte Stück („Wächter för dat Erinnern“) nimmt Bezug auf die Holzskulpturen des englischen Künstlers Robert König. Die Figuren erinnern an den Rassenwahn der Nazis, die nicht davor zurückschreckten, Kinder und Jugendliche ohne Grund und Ursache zu ermorden. Das vierte Stück schließlich erinnert an das furchtbare Schicksal von Czernowitz, seiner Menschen und seiner hohen Kultur. Gerade dieses Stück wirkt mit seinen Anklängen an Paul Celans „Todesfuge“ über alle Maßen eindringlich.

Die Aktualität des Themas, das moralische Anliegen und die vollkommene Beherrschung der niederdeutschen Sprache überzeugten denn auch die Böseler Jury, die aus den Herren Oberstudienrat  Erhard Brüchert, Oberamtsrat Günter Kühn, Professor Dr. Eberhard Ockel und Univ.-Professor Dr. Hermann Gelhaus besteht.