Theater-Klassiker im Stall

Erfolgreiche Premiere im Theater im Stall mit „Grand Hotel“. Unter der Regie von Angela Bertram spielten zehn Darsteller in einem Episoden-Stück.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Neu-Horst – Die Basis, für das diesjährige Herbststück der Amateur-Theatergruppe „Cumpaney“, waren Begegnungen in einem imaginären Hotel. Wie Gösta Harbs, Theaterdirektor und kreativer Bühnenbildner, sagte, kommen spielerische Momente wie in einem Kaleidoskop für die Theaterbesucher zusammen, wenn in einem alten Hotel die Mauern Geschichten erzählen. Komische, spannende, absurde, dramatische, berührende.
Was haben berühmte Figuren wie Romeo, Professor  Higgins, Cyrano de Bergerac oder Petruchio gemeinsam? Zunächst wohl nichts. Doch bei genauer Prüfung fällt auf, es gibt Übereinstimmungen. Geniale Dialoge und Aphorismen ihrer Schöpfer, die es zu Weltruhm gebracht haben, erklingen. Denken wir nur an kultige Stichworte wie: „Es war die Lerche, nicht die Nachtigall“, "Die Nase" oder „Es grünt so grün..“. Alle, die sich nur ein wenig in den Klassikern der Weltliteratur auskennen, haben sogleich Bernhard Shaw, William Shakespeare oder Edmond Rostand parat.
In einer ebenso kreativen wie vergnüglichen Mischung verband Regisseurin Bertram in ihrer dramaturgischen Arbeit, Sequenzen weltberühmter Theater- und Filmklassiker zu einem Bühnenstück. Den Ort für die Begegnungen wählte sie in der anonym-imaginären Unwirklichkeit von Luxus-Herbergen. Mit nur wenigen Requisiten entstand ein Bühnenbild (eine alte Badewanne hatte dabei ein glanzvolles Comeback), welches Illusionen, Visionen und Absurditäten freien Raum ermöglichte.
So erheiterten zugleich in der ersten Episode, Eckhard Neitzel und Katja Klein als sehr moderne Adaption einer Julia  mit ihrem Romeo, das Publikum.  Zunächst ohne „Roten Faden“ fegten dann Protagonisten aus den Klassikern wie „Titanic“, „Pygmalion“, „Mobby Dick“, „Macbeth“, „Die widerspenstige Zähmung“ oder „Emilia Galotti“ über die kleine Stall-Bühne. Das war oft temporeich, fein ausgespielt und mit kreativen Kostümen bestens drapiert.
Alle diese berühmten Figuren trafen sich zu einem mystischen Come Together im Hotel. Das „Personal“ führte vermeintliche Makler durch die Räume und die „verzweifelte“ Suche einer verschleierten Frau mit Laterne und schriller Stimme, die nach einem rätselhaften George Ausschau hielt, wurde als „Running Gag“ eingebaut.
Die Cumpaney-Darsteller Jörn Bansemer, Eckhard Neitzel, Jürgen Choinovski, Michelle Seeger, Claudia Niemann, Sarah Manske, Merle Engling, Christina Meier, Katja Klein und Gisela Wiedemann gaben in den flott und sehr sicher gespielten Episoden als Solisten, im Duo oder in der Gruppe köstliche Einblicke in gekonnte Schauspielkunst.