Literarisch ambitioniert

In der Reihe "Grenzgänge" hatte der Literaturbeirat der Stiftung Tobias Sommer eingeladen. Der Schriftsteller las aus seinem neuen Buch "Jagen135".

(gh) Ratzeburg –  Zwei konträre Themenbereiche interessierten ihn über viele Jahre so sehr, dass er sie in seinem Roman verknüpfte, berichtete Tobias Sommer während seiner Lesung im Seehof in Ratzeburg. Die Arbeit von Kriegsfotografen und die Art und Weise wie Menschen in Freitod gehen, verband der in Segeberg lebende Sommer im Roman „Jagen135“.
In Sommers dritten Roman ist die Hauptperson der Fotograf Konrad Jagen, der mit Kriegsbildern reich wurde. Sein neuer Auftrag: Er soll den Ort in einem Wald finden und ablichten, an dem seit Jahrhunderten Lebensmüde in den Tod gehen. Von der faszinierenden Suche erzählte der 38 Jahre junge Autor.
Zuvor befragte Schriftsteller-Kollege Matthias Kröner vom Literaturbeirat in einem kurzen Interview Tobias Sommer. So erfuhren die Besucher, dass er von der Idee bis zum fertigen Buch bis zu drei Jahre benötige. Von der Schriftstellerei könne er aber nicht leben, seinem „Brotberuf“ geht er in Segeberg als Finanzbeamter nach. Der für seine Lyrik und Prosa mehrfach ausgezeichnete Segeberger, musste einige Hürden überwinden und wurde als literarisch ambitionierter Autodidakt bei so anerkannten Literatur-Wettbewerben, wie dem Ingeborg-Bachmann-Preis (gehört seit 1977 zu den bedeutendsten Auszeichnungen in der Literatur-Szene) 2014 nominiert. Er sei immer auf der Suche nach Stoff für Romanen und deshalb müsse er sich auch schnell (sein Notizbuch ist immer griffbereit) Dialoge oder Szenen notieren.
Tobias Sommer las in Ratzeburg aus seinem jüngsten Buch mit klarer Stimme und einem aufmerksamen Blick für das Publikum rund 50 Minuten vor. Er verband die Texte mit kluger Zwischenmoderation und stellte sich nach der Lesung den Fragen der Besucher.
Schriftsteller-Kollege Chr. Ernst, Sprecher des veranstaltenden Literaturbeirats, dankte Tobias Sommer mit einem Blumenpräsent und der Hoffnung, dass das nicht die letzte literarische Zusammenkunft im Kreisgebiet mit dem sympathischen Autor gewesen sei, zumal Sommer schon an weiteren Romanen arbeitet.