Kulturpreis 2016 an Irmscher und Meier

Die Stiftung Herzogtum Lauenburg hat ihren Kulturpreis vergeben. Ausgezeichnet wurde der Möllner Liedermacher Klaus Irmscher. Christina Meier aus Ratzeburg erhielt den Jugend-Förderpreis für ihr Musik-/Theater-Engagement.

Mölln – Eine gute Wahl, hoher Respekt für Engagement und Leistung, eine pfiffige, von den Geehrten gestaltete Feier – die Verleihung des Kulturpreises 2016 im Möllner Stadthauptmannshof war rundum ein guter Wurf. Mit den beiden Preisträgern hat die Jury diesmal die Musik in den Mittelpunkt geholt und zwei Künstler ausgezeichnet, die auch außerhalb des Rampenlichts mit ihrem beständigen Engagement das kulturelle Geschehen im Lauenburgischen bereichern. Rund 60 geladene Gäste applaudierten dem „alten Hasen“ und dem jungen Multitalent, die es geschafft haben, ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Mit Kostproben ihres Wirkens bestätigten sie ihre Wahl als Preisträger stimmungsvoll.
Verdienst um die Kulturentwicklung
Alle zwei Jahre ehrt die Stiftung mit ihrem Preis Menschen, die sich in besonderer Weise um die Kulturentwicklung in der Region verdient gemacht haben. „Die Kulturpreisverleihung ist für uns der Höhepunkt unserer kulturellen Arbeit“, sagte Präsident Klaus Schlie. Mit dem Förderpreis für junge Künstler unterstütze die Stiftung die junge bunte Szene in der Region, ohne sie strukturell zu vereinnahmen. Dass diese so aktiv sei und sogar zunehmend Sponsoren gewinne, freue besonders. Der Kulturpreis ist mit 3.000 Euro dotiert, zu ihm gehört neben der Urkunde eine von Karlheinz Goedtke entworfene Bronzereliefplastik. Der Förderpreis wird in der Dotierung als Stipendium oder Zuschuss vergeben.
Beide sind schwer wegzudenken
Eine unabhängige Jury hatte die Preisträger ausgewählt. Dem Gremium gehörten Peter Perner (Sprecher der Stiftungsbeiräte), Gitta Neemann-Güntner(Vorsitzende des Kreiskulturausschusses), Frank Düwel (KulturSommer-Intendant) und Michael Packheiser (stv. Vorsitzender des Lauenburgischen Kunstvereins) an. Laut Neemann-Güntner waren in diesem Jahr sieben Nominierungen eingereicht, die Wahl fiel auf Klaus Irmscher: „Als Liedermacher gehört er  zu den Urgesteinen der Folk- und Kleinkunstszene im Kreis. Immer wieder greift er Themen aus der Region auf und seine musikalischen Neu-Interpretationen zu Till Eulenspiegel lassen die mittelalterliche Figur auf kreative und originelle Weise aktuell werden“, heißt es seiner Urkunde. Christina Sophie Meier war konkurrenzlos, aber nicht minder passend für den Förderpreis vorgeschlagen. Denn: „Durch ihr großes ehrenamtliches und soziales Engagement in den Bereichen Musik und Theater mit Menschen aller Altersgruppen und ihr künstlerisches Können ist sie ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Landschaft des Kreises“.
Ihre Laudatoren brachten sie als Menschen und Künstler dem Publikum nahe. Für Christina Sophie Meier – ein Multitalent, „das all seine Ideen, Wünsche und Träume umgesetzt hat“  – sprach Gösta Harbs vom Theater im Stall, vor acht Jahren selbst Kulturpreisträger und Gestalter der Bühne, auf der die junge Künstlerin auch als Schauspielerin steht. Laudator für Klaus Irmscher war der Möllner Auktionator Harro-Meinert Petersen. Er war vor 50 Jahren sein Klassenkamerad an der Möllner Realschule und ließ in seiner launigen Erinnerungstour das Leben und Wirken des Mannes „mit dem Schalk im Nacken“  lebendig werden.
Klaus Irmscher: Der Mann mit dem Schalk im Nacken
Klaus Irmscher (Jahrgang 1949) ist gebürtiger Sachse – was man nur hört, wenn er es will – und kam als Flüchtlingskind nach Mölln, wo sein Großvater eine Nähmaschinenfabrik besaß. Er wurde (nicht nur) hier zum festen Begriff in der Musikszene. Man kennt den Liedermacher und Barden als ehemaliges Mitglied der Gruppe Liederjan (2005-2009), von zahlreichen Konzerten und Auftritten, von seiner Teilnahme am KulturSommer am Kanal, durch seine Zusammenarbeit mit den Möllner Pastoren, Auftritte in der Gudower Rehaklinik, die Willkommensband, die er mit Michi Jessen und zwei iranischen Flüchtlingen gegründet hat. Man kennt seine witzigen und zeitkritischen Stücke, seine poetischen Bekenntnisse zu Heimat und Liebe, seine inzwischen 44 Till-Eulenspiegel-Lieder und viele andere Songs in allen möglichen perfekt dargebotenen Mundarten von Sächsisch bis Platt.
Der gelernte Maschinenschlosser und Ingenieur war in vielen Berufen und Jobs aktiv und ist doch immer dem Ruf der Musen gefolgt. Er hat als Rockgitarrist angefangen, eroberte sich Blues, Folk, Salsa, Rap und Renaissancemusik. Er war als Musiker und Schauspieler engagiert, gehörte in seinen Münchener Jahren der Kleinkunstbühne Kekk an, spielte in Bands und später als Solist. Skurrile, fantasievolle und berührende Alltagsgeschichten liefern ihm den Stoff. Klaus Irmscher ist bei aller Bescheidenheit im Alltag ein ausgezeichneter Beobachter und mutiger Mensch, den selbst seine Parkinson-Erkrankung vor einigen Jahren nicht aus dem Sattel gehoben hat.  „Davon kann ich ein Lied singen“ heißt seine neueste CD  – wie treffender könnte Irmschers Wirken und Leben beschrieben werden?
 „Ich danke herzlich – weiß gar nicht, was ich sagen soll“, so der von der Ehrung überraschte Barde, der das Preisgeld für die Produktion seiner neuen CD verwenden will. Da wolle er doch lieber etwas spielen und singen – schwupp, weg war die Scheu. Die Heimat ließ er atmen bei seinem Lieblingslied „Bi `n Krog an`n See“, das Herz öffnete er mit dem Flüchtlingssong „Erzähl mir von dir, ich erzähl dir von mir“, zur Entschleunigung rief er auf mit dem Urlaubslied „Schalt af“. Das Publikum sang die Refrains mit –  man kennt seinen Klaus. „Man kann etwas aus seinem Leben machen. Die meisten versuchen es, indem sie zuerst an sich selber denken. Es gibt auch einen anderen Weg – und den hast Du beschritten“, sagte Laudator Petersen: „Du zeigst, dass auch leise Worte, die Du anderen schenkst, etwas Großartiges sein können.“
Christina Sophie Meier: Eine Frau mit vielen Talenten
Christina Sophie Meier (Jahrgang 1988) aus Ratzeburg hat trotz ihrer vergleichsweise jungen Jahre ebenfalls schon eine Menge aufzubieten, verknüpft ihre musischen Talente – Musik, Theater, Tanz – offenbar mühelos mit sozialem und anderem ehrenamtlichen Engagement. Die ehemalige Schülerin der Lauenburgischen Gelehrtenschule beherrscht Gesang, Klavier, Orgel und Cembalo, spielt  Gitarre, Akkordeon und Geige. Sie hat mehrere Jahre den Kinderchor der Grundschule Grönauer Baum geleitet,  ist als Chorleiterin und Organistin in Ziethen und als Chorleiterin im Seniorenwohnsitz Ratzeburg aktiv. Sie singt im Lübecker Kammerchor „ensemble cantabile“ und ist häufig bei Konzerten zu hören. Christina ist wissenschaftliche Hilfskraft im Brahms-Institut, arbeitet in der A.-Paul-Weber-Gesellschaft mit, tanzt Ballett und tritt als Schauspielerin der Cumpaney im Theater im Stall auf. Doch das ist noch nicht alles – wann sie ihren Hobbys Kochen und Basteln nachgeht, kann man sich kaum vorstellen.
Allein drei ihrer Projekte, so Laudator Harbs, „wären eigentlich Grund genug für die Verleihung des Förderpreises. So hat Christina Sophie Meier mit ihrem Kinderprojekt „Prinzipella und die Orgelmäuse“ Aufmerksamkeit geweckt. In diesen Konzerten für Kinder ab drei Jahren erzählt die Musikerin selbst geschriebene Geschichten mit klassischer und populärer Musik von der Orgel. Auf große Resonanz stieß zudem im KulturSommer 2016 ihr Wandelkonzert mit regionalen Musikern um den Ziethener Pfarrhof. Es kam so gut an, dass es vermutlich 2017 erneut aufgelegt wird. Last but not least steht Meier seit 2015 als Pianistin der Udo-Lindenberg-Coverband „Der Udonaut & Panische Zeiten“ (mit Gründer und Sänger Dominik Feist und Gitarrist Ruben Kauffmann) auf der Bühne. Die Preisträgerin spendierte als Dankeschön zur Preisverleihung einen Hammer-Auftritt mit „Gegen den Strom“ und „Eldorado“. Noch vor zehn Jahren, merkte Kreispräsident Meinhard Füllner dazu an, wäre ein Auftritt von  „Udo“ bei einer Kulturpreisverleihung nicht möglich gewesen. Wie schön, dass die jungen Schätze in der Region inzwischen bekannt werden und ihren Raum erhalten.
Mit einem träumerischen „Clair de lune“ am Flügel und dem Titellied aus dem Film „Der Pate“  (begleitet von Niels Rathje an der Gitarre) gab Christina Sophie Meier weitere Kostproben ihrer Instrumental- und Gesangskunst. Ihren Preis will die „erfolgreiche, talentierte, engagierte junge Frau“, die Gösta Harbs als “ausgesprochen bescheiden, hilfsbereit und immer fröhlich kennengelernt“ hat, für zwei Workshops einsetzen: „Arrangement für Popchöre“ und „Anti-Aging für die Stimme“. Bis auf weiteres wird Meier ihr Schulmusikstudium in Lübeck fortsetzen, das sie 2017 mit dem Master of Education abzuschließen plant, Ein Kirchenmusikstudium (Bachelor) war bereits vorausgegangen.  Ihrem Laudator hat sie ihren Idealberuf verraten: eine Kombination aus Lehramt am Gymnasium, Musik, Darstellendem Spiel und Kirchenmusik.  „Anderen würde schon eins davon ausreichen“, merkte Gösta Harbs an. Doch man darf zuversichtlich sein, dass Christina Sophie Meier auch dieses Ziel irgendwie erreicht. Die Preisträgerin hat es ja auch bisher geschafft, „ihre Träume, Wünsche und Ideen umzusetzen“.