Faszination Folk

Es gibt sie immer wieder, diese Sternstunden der Livemusik! Die 80 Besucher im Folkclub in Mölln erlebten ein Folkkonzert der Extraklasse.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Das nasskalte Herbstwetter, ließ die Konzertbesucher durch Möllns Altstadtgassen eilen, um noch einen Platz in der „Lohgerberei“, traditioneller Sitz des Folkclubs Mölln, zu erhaschen. Wer zu spät kam, hatte schlechte Karten, denn bis auf den letzten (Steh) Platz waren die Clubräume belegt. Nicht ohne Grund, denn ein Szene-Hochkaräter, Jens Kommnick, gastierte. Gemeinsam mit seiner Frau Siohán Kennedy und dem Musiker Nick Wiseman-Ellis verwandelte er den Club mit seiner energiegeladenen Präsenz für Stunden in einen Wohlfühlort.
Binnen weniger Minuten, in denen Jens Kommnick über sich, seine Musik, seinen Lebensweg und die Faszination Folk launig, aufmerksam und sehr zugewandt sprach, war klar – hier steht ein Meister seines Fachs auf der Minibühne. Die erste Hälfte des Abends präsentierte er sich als Gitarrist der Extraklasse. Über den mehrfach ausgezeichneten Musiker schrieb das renommierte „Irland Journal“: „Er zaubert einen traumhaft schönen Gitarrensound…". Davon erhielten die Folkliebhaber nicht nur eine Kostprobe, nein, Kommnick blätterte ebenso hochkonzentriert, wie locker sein ganzes Können auf und beschenkte sein Publikum (mit Szenenapplaus wurde nicht gespart) mit samtig-feinen eigenen Kompositionen wie dem Stück „Silky Moon“ oder „Ann Kathrins Walzer“.  Seine Interpretation der Filmmusik des zarten Liebesfilms „Wie im Himmel“ war berührend und aufwühlend zugleich.
Wie Kommnick erzählte, spielt er seit 35 Jahren vor allem akustische Gitarre und arbeitet als Musiker, Komponist, Arrangeur und  Autor, auch mit Stars wie Reinhard Mey, mit dem ihm eine enge Freundschaft verbindet. War seine solistische Performance, im ersten Konzertteil noch von einem fast innigen Zwiegespräch zwischen ihm und dem Publikum geprägt, sprang der temperamentvolle Funke nach der Pause über.
Ein Grund war seine charismatische Frau. Die Sängerin und Musikerin Siohán Kennedy war ebenso liebenswürdig in ihren Moderationen, wie hochvirtuos im Gleichklang mit ihren Begleitern. Sie entfachte im harmonischen Wechsel mit Kommnick und dem Geiger und Akkordeonvirtuosen Nick Wiseman-Ellis eine besondere Kraft und Spielfreude.
An den Ensemble-Namen „Iontach“ dachte so mancher Musikliebhaber an diesem Abend, denn das irisch-keltische Wort bedeutet "wunderbar". Genauso zelebrierten sie ihre Musik – farbig und facettenreich und die große Freude am gemeinsamen Musizieren sprühte nur so von der Bühne. Es gab eine abwechslungsreiche Mischung aus sensiblen, mehrstimmigem Gesang und großartigen Arrangements mit zahlreichen Instrumenten; Flöten, Geigen, Akkordeon, Concertina, Gitarre, Bouzouki, Cello und Piano. Mit mehreren Zugaben beschenkte das Trio die Möllner Fans.