Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen

Die Schwarzenbeker Liedertafel von 1843 e.V. ist der älteste Verein in der Stadt. Mit Blick auf das 175-jährige Bestehen im Jahr 2018 hat er nun einen Berg historischer Dokumente ans Stadtarchiv übergeben.

Schwarzenbek – Der gemischte Chor der Schwarzenbeker Liedertafel von 1843 gehört in der Europastadt zum guten Ton. Die Liedertafel ist als ältester Verein zugleich ein wichtiger Meilenstein der Stadtgeschichte. Der Vorstand um die 1. Vorsitzende Jasmin Schmidt ist sich dieser Verantwortung bewusst und hat deshalb viele historischee Dokumente aus der langjährigen Vereinsgeschichte gesichert, darunter das Gründungsprotokoll aus dem Jahr 1843, Fotos der Chormitglieder oder Schallplatten mit Weihnachtsliedern. All dies lagerte in den vergangenen Jahren bei Jasmin Schmidt im Keller. „Ich habe extra ein Regal für die Unterlagen angeschafft. Aber bei einem Wassereinbruch wurde mir klar, dass ich die wertvollen Vereinsmaterialien dem Stadtarchiv zur sicheren Verwahrung übergeben muss.“ Sie vereinbarte mit Stadtarchivarin Dr. Anke Mührenberg die Übernahme ins Stadtarchiv.

„Es ist das erste Mal, dass ein Schwarzenbeker Verein in einem solchen Umfang Dokumente und gesammelte Materialien dem Stadtarchiv anvertraut“, freut sich Dr. Mührenberg über die Neuzugänge. Im Sommer 2016 hatte der Spielmannszug des TSV Schwarzenbek nach seiner Auflösung ebenfalls einige Dokumente dem Archiv zur Verfügung gestellt. Doch die gut gefüllten Ordner der Liedertafel stellen zugleich wertvolle Belege der Stadtgeschichte seit 1843 dar.

Vor allem auch die umfangreiche Sammlung von Presseartikeln, die der frühere Vorsitzende Lothar Scheunemann über Jahre angelegt hatte und die Jasmin Schmidt heute weiter betreibt, gibt nachfolgenden Generationen Einblick in die zeitgenössische Geschichte und Mode. Besonders die geblümten Röcke früherer Zeiten haben sich vielen Schwarzenbekern eingeprägt. Heute gehen die Sängerinnen auch hier mit der Mode.

Bis 1971 war die Liedertafel ein reiner Männer-Gesangsverein, der sich vordergründig vor allem in den ersten Jahrzehnten zum gemeinsamen Gesang traf, aber auch wegen der Gelegenheit zur politischen Debatte in Zeiten von Versammlungsverboten. Durch die Öffnung für weibliche Mitglieder im gemischten Chor konnte der Fortbestand der Liedertafel bis in die Gegenwart gesichert werden. „Hätte man das damals nicht gemacht, würde es die Liedertafel heute nicht mehr geben“, ist sich Jasmin Schmidt sicher.

Heute singen 32 Damen und zehn Herren in dem gemischten Chor unter Leitung von Markus Götze. Das Chorrepertoire umfasst Musik aller Stile und Epochen der Klassik und der populären Musik. Für jeden Geschmack und jedes Alter ist etwas dabei. Die Sängerinnen und Sänger sind „mit der Zeit“ gegangen und werden dafür mit umjubelten Konzerten in prall gefüllten Sälen oder Kirchen belohnt. Insgesamt 82 Mitglieder hat die Liedertafel. „Darunter sind auch fördernde Mitglieder, die nie im Chor gesungen haben, aber gerne unsere Konzerte besuchen“, erzählt Jasmin Schmidt. Gegründet wurde die Liedertafel von 35 Honoratioren der Stadt, vom Apotheker bis zum Amtsmann. Viele Jahrzehnte gehörte es zum guten Ton in der Schwarzenbeker Kaufmannschaft, förderndes Mitglied der Liedertafel zu sein unter dem Motto „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen“.

Bei ihren traditionellen Konzert am ersten Advent, 27. November m 17 Uhr in der Franziskus-Kirche freuen sich die Sängerinnen und Sänger der Schwarzenbeker Liedertafel von 1843 über viele kleine und große Zuhörer, die sich auf die Weihnachtszeit einstimmen möchten. Der Eintritt ist frei.