„So schnackt der Norden“

Universität Kiel geehrt: Gemeinsames norddeutsches Forschungsprojekt erhält einen Wissenschaftspreis.

Von Volker Holm
Kiel/Mölln – Das niederdeutsche Forschungsprojekt „Sprachvariation in Norddeutschland“  (SiN) ist am Freitag mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis 2016 ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung in Rostock lobte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) die Arbeit der beteiligten Forscher: Das Projekt unter Führung der Kieler Christian-Albrechts-Universität dokumentiere und analysiere die Sprachverhältnisse im gesamten niederdeutschen Raum in einem umfassenden Maße, so Hesse.

Ziel des SiN-Projektes ist die Erhebung und die Analyse der unterschiedlichen Sprachlagen zwischen hochdeutscher Standardsprache und niederdeutschen Dialekten als Ergebnis eines kontaktbedingten Sprachwandels. Dabei sollen regionale und lokale Besonderheiten identifiziert und in Hinblick auf ihre Verwendungsweisen in unterschiedlichen Situationen, Einstellungen und Erfahrungen beschrieben werden. Dabei nehmen die Wissenschaftler das Hochdeutsch der Norddeutschen unter die Lupe und zeigen auf, wie sich das heutige Niederdeutsch unter dem Einfluss des Hochdeutschen verändert hat und wie Plattdeutsch auf das Hochdeutsche einwirkt. Dieses Thema sei für Norddeutschland und für die Identität der Norddeutschen sehr wichtig, betonte Birgit Hesse.

Auch Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Kristin Alheit gratulierte den Preisträgern:  „Es freut uns sehr, dass auch bei der diesjährigen Preisverleihung eine Kooperation mit Beteiligung Schleswig-Holsteins bedacht wird. Der Erfolg der CAU zeigt uns, dass die Kooperation über Landesgrenzen hinweg fortentwickelt wird und längst Früchte trägt. Das Auswahlkomitee hat Exzellenz und Innovation als herausragende Kriterien formuliert und ein in der Tat herausragendes Kooperationsprojekt ausgewählt. ‚Sprachvariationen in Norddeutschland‘ ist ein hochinteressantes Projekt mit starker regionaler Relevanz und ein weiterer Beleg für die Leistungskraft von Spitzenforschung aus dem Norden“, sagte die Ministerin.

Der Norddeutsche Wissenschaftspreis wurde 2016 zum fünften Mal ausgeschrieben und ist mit 100.000 Euro dotiert. Der preisgekrönte Wettbewerbsbeitrag zeichnet sich nach Einschätzung des Auswahlkomitees durch eine „wichtige und für Norddeutschland und darüber hinaus sowohl relevante als auch spezifische Thematik aus, die mit einer variantenreichen Methodik hervorragend bearbeitet wird.“ Neben Kiel sind noch die Universitäten Hamburg, Frankfurt/Oder, Potsdam, Bielefeld und Münster beteiligt.

Der Norddeutsche Wissenschaftspreis wird seit 2012 gemeinsam von den Ländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vergeben.
Die nächste Preisverleihung findet 2018 in Bremen statt.

(siehe Projektbeschreibung: http://www.corpora.uni-hamburg.de/sin/index.html)