Adventsfeier der Plattdüütsch-Szene

„Hartli willkamen to uns Veranstalten „Plattdüütsch in de Adventstiet“. In Mölln begrüßte Thorsten Börnsen über 70 Gäste zur Traditionsfeier der Plattdüütsch-Szene.

Von Brigitte Gerkens-Harmann (Text/Fotos)
Mölln – In die „Kitsch-Falle" gerät man schnell in dieser Zeit, in der Goldengel, Plastik-Grün und Rentiere mit dem Weihnachtsmann im Schlepptau Konjunktur haben. Aber, es gibt auch die überraschend alternativen Angebote, die zur Einstimmung auf das Fest gut tun. Im Festsaal der Stiftung Herzogtum Lauenburg gab es einen heiteren Einstieg in die Adventszeit mit Landtagspräsident Klaus Schlie und Thorsten Börnsen.
Thorsten Börnsen – seit einem Jahr Chef des Niederdeutschzentrums in Holstein – löste Volker Holm ab, der über zwei Jahrzehnte Garant für eine lebendige und anspruchsvolle Plattdüütsch-Arbeit im südlichen Landesteil war. In seiner Begrüßung ging Börnsen auf die vergangenen Monate ein, danke sehr herzlich und ausführlich für die Zusammenarbeit in den unterschiedlichsten Gremien und auf Kreis- sowie Landesebene.

Ein amüsanter Schlenker gelang ihm mit Stofftaschen, die zu mehr Plattdüütsch im Alltag animierten. „Mien lütten Schietbüdel – übersetzen geht nicht. Platt lernen schon!“ stand auf den praktischen Werbeträgern. Als witziges Präsent, nahmen alle Gäste diese „tragfähige“ Kommunikations-Einladung mit.

So alternativ gefärbt, wie seine „Beutel-Performance“ war auch die Programm-Vorstellung für den Abend: Es war komplett anders als sonst, bei diesen besinnlichen Zusammenkünften und der berühmte „frische Wind“, der 2016 durch die Zentrumsarbeit wehte, war auch hier spürbar: „Plattdüütsch un junge Lüüd“. Es war nicht nur ein Motto, sondern ein Herzenswunsch von Thorsten Börnsen für seine inhaltlichen Änderungen im Zentrum. Er blieb bei der Auswahl der künstlerischen Angebote an diesem Abend seiner Linie treu. Mit den vier Mitgliedern des Shantychors Lunzburg hatte die „musikalische Umrahmung“ ausgesprochen jugendliche Facetten. Die vier jungen Männer aus Dithmarschen sangen maritime Klassiker ebenso unbekümmert schräg, wie sie auch das beliebte „Mitmach-Programm“ flott absolvierten.  

Und dann kam Benita Brunnert: Schauspielerin, NDR-Moderatorin und souveräne Plattschnackerin. Die 40-Jährige im roten Kleid mit passenden Stiefeln (eine Nikolausfrau hätte nicht modischer sein können) trug Heiteres zur Adventstiet vor. Sie verpackte ihre Moderationen mit launiger Comedy- Versatzstücken und überraschte mit augenzwinkernden Andeutungen aus der Dessous-Welt: Rote Unterwäsche! Wer hätte das gedacht. Dies soll, so Brunnert, nicht nur der Trägerin Glück bringen, sondern auch zum Wohlbehagen beitragen. In der ebenso erstaunten wie amüsierten Reaktion des durchweg älteren Publikums, hatte die Künstlerin ihre Freude.

Wie in jedem Jahr, so waren im Publikum auch diesmal wieder namhafte Persönlichkeiten aus Schleswig-Holsteins Plattdüütsch-Szene beisammen: Plattdeutschbeauftragte, Mitglieder des Heimatbundes, Beiratsmitglieder und Mitarbeiter aus der Stiftung Herzogtum Lauenburg, Bürgermeister und Bürgervorsteher aus Mölln und Ratzeburg, der Kreispräsident und der ehemalige Zentrumsleiters Volker Holm. Er saß neben seinem Kollegen Ingwer Oldsen aus Leck, dem Leiter des zweiten Niederdeutschzentrums im Lande.

Traditionell ist der Landtagspräsident bei den Adventsfeiern dabei. Op Platt betonte Klaus Schlie in seiner ebenso launigen wie auch ernsten Rede, wie wichtig Niederdeutsch für das Land Schleswig-Holstein, für die Menschen und auch für die nachfolgende Generation sei. Plattdeutsch ist ein Stück Heimat. „Wir können stolz auf die Sprache sein, denn sie ist ein Stück Kultur und Identität.“