Zwischenstand: "Willkommenskultur"

„Mit unseren Kulturgesprächen stellen wir einen Diskurs her und wollen Entwicklungen anstoßen“, sagte Jörg Geschke zum Auftakt des diesjährigen Kulturgesprächs in Mölln. Im Festsaal fanden sich 60 Gäste ein.

Von Brigitte Gerkens-Harmann (Text/Fotos)
Mölln – Ein Jahr nach der großen Flüchtlingswelle, die auch im Heimatkreis mit viel (Kultur)Engagement bewältigt wurde und facettenreiche Angebote beförderte, gab es eine informative Bestandsaufnahme. Experten aus der Verwaltung, von Schulen und von Hilfsorganisationen berichteten auf dem Podium von ihren Eindrücken und ihrer Arbeit. Ein Fazit: Die Willkommenskultur und die Integration der geflüchteten Menschen ist auf einem guten Weg.
Mit einem ganz persönlichen Erlebnis, wie nämlich mit einem spontanen gemeinschaftlichen Singen, eine aufgebrachte Menge Mensch besänftigt werden kann, eröffnete für die gastgebende Stiftung Herzogtum Lauenburg, Vorstandsmitglied Christel Happach-Kasan, die dreistündige kultur-politische Veranstaltung in Mölln.
Das Motto „Kultur kann Brücken bauen“ wurde auch in den folgenden Gesprächen auf dem Podium (Moderation Mark Sauer vom Verein Miteinander leben) in vielfältigen Berichten farbig dargestellt. So konnte Uta Röpcke von der Koordinierungsstelle des Kreises für Integration mit sehr genauen Zahlenmaterial belegen, wie die Entwicklung im Kreisgebiet sich nach einem Jahr verändert hat: Aktuell leben 3.500 Asylsuchende im Kreis. 50 Prozent davon, haben eine gute „Bleibe-Perspektive“. Für diese Menschen bietet die Koordinationsstelle in ihrem Aufgabenkatalog  u.a.  Angebote wie Sprachförderung, Bildungs-,Kultur- und Freizeitangebote. Ganz wichtig, so Röpcke, ist auch die Betreuung und Stärkung der Ehrenamtlichen im Kreis. Denn ohne die vielen Initiativen, die sich vor einem Jahr spontan und sehr wirkungsvoll gegründet hatten, wäre die positive Integrationsarbeit nicht machbar gewesen.
„Die Integration ist auf einem guten Weg“
Einblicke in die schulische Situation in Mölln gab es von Susanne Baumann. Die stellvertretende Leiterin der Till-Eulenspiegelschule Mölln erzählte aus der praktischen Arbeit der DaZ-Klassen. Wichtige Bestandsteile der schulischen Angebote beinhalten Kunst- und Musik-Unterrichtseinheiten.
Um Kunst als Integrations-Brücke ging es auch in einer Kunstklasse der Lauenburgischen Gelehrtenschule. LG-Lehrer Detlev Karsten berichtete von einem gemeinsamen Kunstprojekt, einer Keramikarbeit, die jetzt im Rathaus zu Ratzeburg bewundert werden kann. Ebenfalls auf dem Podium war der bildende Künstler Ibrahim Sharghi aus dem Iran, der nun in Mölln lebt. Er bietet in einer offenen Kunstwerkstatt integrative Aktionen an.
„Kultur kann Brücken bauen“ 
Märchenhaften Orient (mit Tanzeinlagen) gab es erneut mit der Willkommensband aus Mölln. Deutsche Musiker wie Michael Jessen, Klaus Irmscher und Matthias Lange spielten mit Musikern und Sängerinnen aus dem Iran und Syrien. Irmscher moderierte die musikalischen Umrahmungen.
Theater und Musik ist ebenfalls international. Silvia Tessmer, Leiter der VHS Ratzeburg, erzählte über ein Theaterprojekt und Jugendliche aus dem Iran aus Eritrea und Syrien und Deutschland  schilderten dazu ihre Eindrücke. Besonders wirkungsvoll waren die Videofilme, die es zur Abrundung der Podiumsgespräche gab. Tessmer kündigte an, dass das ausgesprochen erfolgreiche Theaterprojekt eine Fortführung in 2017 erhalten wird.