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Aktuelle Umfrage zur Situation des Niederdeutschen. Auch zukünftig ist mehr Förderung für das Plattdeutsche erforderlich.

Von Volker Holm

Mölln –
Vor wenigen Tagen wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung zur Verbreitung des Niederdeutschen vorgestellt. Diese haben das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) gemeinsam mit dem Institut für Deutsche Sprache (IDS) in einer Broschüre „Status und Gebrauch des Niederdeutschen 2016“ herausgegeben. Neben Fragen zur aktiven und passiven Plattdeutschkompetenz ging es auch um Einstellungen gegenüber der Regionalsprache.
Die repräsentative Erhebung wurde im Juni dieses Jahres von der Forschungsgruppe Wahlen (Mannheim) durchgeführt. Gefördert wird die Umfrage durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).
Dabei wurden insgesamt 1.632 Personen aus den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg telefonisch befragt. Nach deren Selbsteinschätzungen verstehen über 91,4% mindestens einige Wörter des Plattdeutschen. Knapp die Hälfte aller interviewten Personen sagt von sich, Plattdeutsch „sehr gut“ oder „gut“ verstehen zu können.
Sprechen können die Regionalsprache allerdings deutlich weniger: Insgesamt 15,7% erklären, Platt „(sehr) gut“ zu beherrschen. In den nördlicheren Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern finden sich noch weitaus mehr Sprecher als in den südlicher gelegenen Regionen Nordrhein-Westfalens oder Brandenburgs.
Zuletzt wurde 2007 eine Studie dieser Art vom INS durchgeführt. Auf den ersten Blick zeigt ein Vergleich eine positive Entwicklung: Der vorher verzeichnete rapide Rückgang der Regionalsprache scheint gestoppt. „Die Sprecherzahlen sind zwar seit der letzten Umfrage annähernd konstant, die Altersverteilung gibt aber dennoch Grund zur Besorgnis“, so Projektleiter Reinhard Goltz. Demnach ist die „(sehr) gute“ aktive Plattdeutschkompetenz in der Altersgruppe der über 80-Jährigen (50,7%) mehr als viermal so hoch wie in der Gruppe der Befragten zwischen 40 und 49 Jahren (11,7%).
Dass mehr für das Plattdeutsche getan werden sollte, dieser Meinung sind 66,8% aller Befragten. Hier werden vor allem die Bildungseinrichtungen, allen voran die Schulen (63,8%), wie auch kulturelle Einrichtungen (20,3%) und die Politik (11,4%), in der Pflicht gesehen, sich um die Förderung des Plattdeutschen zu kümmern.
Die gedruckte Broschüre „Status und Gebrauch des Niederdeutschen 2016“ kann über beide Institute bezogen werden und steht außerdem unter http://www.ins-bremen.de/umfrage zum Herunterladen bereit.
Das Institut für niederdeutsche Sprache e.V. (INS) ist die einzige überregional tätige Einrichtung zur Förderung des Niederdeutschen und der am breitesten aufgestellte Dienstleister im Bereich niederdeutscher Sprach- und Kulturarbeit. Näheres unter: www.ins-bremen.de.
Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und in ihrer neueren Geschichte. Es gehört zu den 88 Forschungs- und Serviceeinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft. Näheres unter: www.ids-mannheim.de, www.facebook.com/ids.mannheim und www.leibniz-gemeinschaft.de.