Blick in das Innere der Aumühler Orgel

Die Aumühler Beckerath-Orgel hat ihren guten Ruf nach der Renovierung noch verbessert. Nur selten jedoch haben Besucher Gelegenheit, einen Blick in das Innenleben dieses Großinstruments zu werfen. Am 29. Januar 2017 besteht dazu Gelegenheit.

Aumühle – Die Orgel in der Aumühler Kirche besteht aus genau 2.322 Pfeifen. Die kleinste ist 10 mm groß, die größte misst 4,50 Meter. Um diese Pfeifen zum Klingen  zu bringen, ist viel Technik nötig. Wer in den Sonntagsgottesdiensten oder Konzerten dieser Orgel lauscht, hat davon meist keine Vorstellung. Deshalb hat Kirchenmusikerin Susanne Bornholdt die Bitte aufgegriffen, das Innenleben „ihres“ Instrumentes zu zeigen. Am 29. Januar um 12 Uhr haben Interessierte nun die Gelegenheit, einen Blick in das Innenleben der Orgel zu werfen und sich die Technik erklären zu lassen. Sie wird die unterschiedlichen Klangfarben der Orgel (Register) vorstellen und – soweit möglich – die technischen Voraussetzungen von der Taste über die Traktur bis zur Pfeife erklären, dank derer ein Orgelton erklingen kann. Der Demonstration kostet keinen Eintritt, Spenden sind jedoch erbeten.

An Hintergrundinformation braucht es nicht zu mangeln. Hier einige interessante Aspekte zur Geschichte der Aumühler Orgel im Schnelldurchlauf. Beim Bau der Kirche 1930 stand der Orgeltisch in der Mitte der Empore, die Orgelpfeifen waren in verkleidete Wandnischen gebaut – eine Bauart, die sich nicht bewährte: Schnell bildete sich Schimmel an den Orgelpfeifen, weil sie nicht ausreichend belüftet werden konnten. Die Folge waren Korrosion und Rost. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde die Orgel mehrfach umgestaltet. 1962 entschloss sich der Kirchenvorstand, die Orgel von dem in Wohltorf lebenden Hamburger Orgelbauer Rudolf von Beckerath  komplett umbauen zu lassen. Von Beckerath verlegte den Spieltisch auf eine Seite und ordnete die Orgelpfeifen darum herum an. Sie standen frei im Kirchenraum. Ziel war es, die aus Zinn-Blei-Legierung bestehenden Pfeifen, aber auch die kleineren aus Holz (Eiche, Mahagoni, Kiefer) besser zu belüften. Durch die sich ständig verändernde Luftfeuchtigkeit im Kirchenraum muss die Orgel spätestens alle 15 Jahre grundlegend gereinigt und neu gestimmt werden.

Als 2015 die Orgel erneut überholt wurde, schlug Hans-Ulrich Erbslöh von der Firma Beckerath dem Kirchenvorstand vor, einen „Geburtsfehler“ zu beheben und das 1978 zu klein bemessene Schwellwerk zu erweitern. Erbslöh hatte schon damals als junger Orgelbauer an der Erweiterung der Orgel um 56 Pfeifen mitgearbeitet: „Wir Orgelbauer haben uns damals dem Wunsch, die Orgeln müssten dem Klang der Romantik entsprechen, angeschlossen. Im Nachhinein halte ich dieses für einen Fehler. Eine Orgel muss so konzipiert sein, dass auf ihr alle Stilrichtungen gespielt werden können.“  Rund 40.000 Euro haben die Reinigung und die Erweiterung der Orgel 2015 gekostet. Finanziert wurde dieser Betrag wurde laut Susanne Bornholdt weitgehend aus Spenden. Der von der Landeskirche beauftragte Orgelsachverständige Hans-Martin Petersen bescheinigte Hans Ulrich Erbslöh eine gute Arbeit: „Die Orgel hat durch die Reinigung und die Erweiterung des Schwellwerks deutlich gewonnen. Das Instrument ist noch vielseitiger geworden und die Brillanz hat zugenommen“, betonte der Orgelfachmann am Tag vor der Einweihung am 29. März 2015. Davon konnten die Aumühler sich inzwischen bei diversen Konzerten überzeugen.