Vortrag über Freudenberg

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung lädt zu einem Vortrag über einen „hidden champion“ der deutschen Industrie des Kaiserreichs ein – das Familienunternehmen Freudenberg.

Friedrichsruh – „Es wird dahin kommen, daß bei künftigen Wahlen der Kandidat weniger danach gefragt wird, ob er konservativ, liberal oder demokratisch sei, als vielmehr danach, wie seine Stellung zu den wirtschaftlichen Fragen ist“. Das hatte Otto von Bismarck im Gespräch mit dem Chefredakteur der „Hamburger Nachrichten“, Hermann Hofmann, im Frühjahr 1891 konstatiert. Ein Paradebeispiel dafür stellt Professor Dr. Joachim Scholtyseck (Universität Bonn) am 19. Januar 2017 bei der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh, Am Bahnhof 2, vor. Sein Vortrag über „Freudenberg – ein Weltunternehmen im Kaiserreich“ beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter Tel. 04104 / 97 71 – 0 oderinfo@bismarck-stiftung.de wird erbeten.

2016 hat Prof. Scholtyseck dazu ein Buch veröffentlicht. Das 1849 gegründete Familienunternehmen Freudenberg aus Weinheim zählt zu den größten deutschen Industrieunternehmen. Zu seinen bekanntesten Marken gehört „vileda“.  Die Firmengruppe mit 497 Gesellschaften ist an mittlerweile 170 Produktionsstandorten in weltweit 57 Ländern tätig. Joachim Scholtyseck hat mit seiner Publikation die erste wissenschaftlich unabhängige Geschichte dieses „hidden champion“ der deutschen Industrie vorgelegt, die von den Anfängen bis ins Jahr 1949 reicht.

Wie den Verlagsinformationen zu entnehmen ist, war Freudenberg einst der größte Lederhersteller in Europa. „In der Weimarer Republik weitete die Firma angesichts der wirtschaftlichen und strukturellen Krisen ihre Geschäfte mit Erfolg auf das Feld der Dichtungstechnik und ab Mitte der 1930er Jahre auch der „Lederersatzstoffe“ aus. Die Freudenbergs dachten politisch liberal und lehnten den Nationalsozialismus ab. Dennoch kamen sie in den Jahren des „Dritten Reiches“ ihren Geschäftsidealen immer weniger nach und spielten sowohl bei „Arisierungen“ als auch bei der Planung und der Nutzung von Testergebnissen auf der „Schuhprüfstrecke“ im KZ Sachsenhausen eine Rolle. Daher lässt sich anhand der Geschichte des Unternehmens auch zeigen, warum sich selbst ehrliche Kaufleute wie die Freudenbergs im „Dritten Reich“ die verwerflichen und verbrecherischen Rahmenbedingungen der nationalsozialistischen Politik für ihren Geschäftserfolg zu Nutze machten.“

Geschichtsfreunde können sich über „Bismarck in der Erinnerungskultur der Deutschen“ bei einer öffentlichen Führung im Bismarck-Museum, Am Museum 2, in Friedrichsruh schlau machen. Am Sonntag, 22. Januar 2017 (14 Uhr) vermittelt der Rundgang einen anschaulichen Überblick über das Leben Otto von Bismarcks, sein politisches Wirken sowie sein Nachleben in der kollektiven Erinnerung. Der Eintritt kostet 4,- Euro.