Warten auf den ersten Spatenstich

Enttäuschung über die Verzögerung beim Neubau, aber Freude über viele (auch virtuelle) Besuche – die Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh zog Bilanz.

Friedrichsruh – Drei Millionen Euro wurden für einen Erweiterungsbau der Stiftung vom Bund bewilligt, doch die beteiligten Ministerien verzögern ihre Zustimmung und damit den Baubeginn seit Monaten. „Unsere Arbeit ist stark eingeschränkt. So kann ein großer Teil der Bibliothek nicht genutzt werden, und die Arbeit für die dringend notwendige Umgestaltung der Dauerausstellung zu Bismarck und seiner Zeit wird immer wieder verschoben“, bedauerte  Geschäftsführer Prof. Dr. Ulrich Lappenküper. Nun hofft er, „dass wir im Jahr 2017 wenigstens den ersten Spatenstich machen können.“

Stiftungsvorsitzender Dr. Rüdiger Kass bestätigte der Politikerstiftung in seiner Jahresbilanz einen erfreulichen Zuspruch: „Über 20.000 Besucher und Veranstaltungsteilnehmer kamen nach Friedrichsruh und  Schönhausen.“  Noch stärker gestiegen ist nach seiner Aussage die Besucherzahl auf der Homepage. Hier wurden 84.000 gezählt. Es habe sich herausgestellt, dass unter den Besuchern relativ viele junge Menschen seien. Aus diesem Grund ist es nach Meinung des Vorstandes besonders wichtig, dass die Dauerausstellung zum politischen Umfeld von Reichskanzler Otto von Bismarck zeitgemäßer gestaltet werden kann. Erfreulich: Das Haus ist seit Dezember 2016 wieder besser an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Stündlich einmal verkehrt ein VHH-Bus der neuen Linie 433 von Aumühle nach Trittau mit Zwischenhalt am Museum in Friedrichsruh (das HVV-Ticket bis Aumühle gilt auch für den Bus). Nach drei Jahren können Besucher nun die Stiftung auch wieder ohne Auto bzw. ohne einen halbstündigen Fußmarsch erreichen.

Ihre wissenschaftliche Arbeit will die Stiftung 2017 fortsetzen mit weiteren Ergänzungen der „Neuen Friedrichsruher Ausgabe“.  Dr. Andrea Hopp und Dr. Ulf Morgenstern haben zurzeit zwei weitere Bände in Arbeit. Mit Spannung erwartet wird im November die von Prof. Dr. Michael Epkenhans vorbereitete internationale Konferenz zum Thema „Kanzler ohne Amt“. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, wie maßgebliche Staatsmänner des 19. und 20. Jahrhunderts nach ihrem Rücktritt die Politik ihres Landes noch beeinflusst haben. Im Rahmen ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit bereitet die Stiftung auch im Jahr 2017 eine Reihe von Abendvorträgen und Kinoveranstaltungen vor.

Eine Sonderausstellung  organisiert die Stiftung im ehemaligen Bahnhofsgebäude Friedrichsruh  am 1. Juli zum 150. Jahrestag der Gründung des Norddeutschen Bundes. Eingebettet in die Veranstaltung wird ein Postamt, in dem die Sonderbriefmarke mit Ersttagsstempel als Erinnerung an die Gründung des Norddeutschen Bundes verkauft wird. Auf alle Veranstaltungen, die in der Regel kostenfrei sind, weist die Stiftung durch Hinweise auf  ihrer Website und/oder durch Flyer hin.