„Neue Anfänge nach 1945?“

Die Wanderausstellung ist im Dom zu sehen.
Foto: Privat

Eine Wanderausstellung mit dem Titel „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ wird im Ratzeburger Dom gezeigt.

Von Steffi Niemann

Ratzeburg – Die Ausstellung (14. Februar bis 21. März) wird am Eröffnungstag um 19 Uhr durch Pröpstin Frauke Eiben und Historiker Dr. Stephan Linck eröffnet. Pröpstin Frauke Eiben sagt: „Um selbstbewusst und wertschätzend mit der eigenen Geschichte umgehen zu können, ist ein realistischer Blick nötig. Besonders aus diesem Grund begrüße ich, dass die Ausstellung „Neue Anfänge nach 1945?“ durch die Kirchenkreise der Nordkirche wandert und uns anstößt auf unsere jüngere Geschichte zu achten“.

Heilung sei da möglich, wo Geschichte und Geschichten ehrlich geteilt werden, wo verstehen und Verständnis nicht verdecken, wo etwas undurchsichtig ist und Menschen aneinander schuldig geworden sind und wo Unrecht benannt wird. „Und das nicht aus einer belehrenden und besserwisserischen Haltung, sondern aus dem ehrlichen Bemühen aus der Geschichte zu lernen“, so Eiben weiter. Dieser Diskurs sei nicht nur in unserer Kirche, sondern in allen öffentlichen Einrichtungen und Verbänden die nach 1945 neu angefangen haben, wichtig. „Ich bin froh, dass unsere Landeskirche dieses Thema aufnimmt, wissenschaftlich bearbeitet und durch die Ausstellung Menschen in das Fragen einbindet“.

Für die Propstei Herzogtum Lauenburg wurde als „Lokales Fester“ mit dem Thema „Vom Heldendenkmal zum Mahnmal“ die Gedenkkultur gewählt. „Neben vielen Veranstaltungen im Begleitprogramm ist mir die Podiumsdiskussion „Wohin steuert unsere Demokratie“ am 9. März in Schwarzenbek wichtig. Denn ein reflektiertes Verhältnis zur eigenen Geschichte ist Prävention gegen Populismus und Politikverdrossenheit“.

Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 16 Uhr, außer montags, und im Rahmen des Begleitprogramms geöffnet. Inhalt der Ausstellung:

70 Jahre nach Kriegsende blicken wir heute mit anderen Augen auf die Jahre des Wiederaufbaus. Staaten wurden neu gegründet, aber auch die Kirchen in Deutschland standen vor einem Neuanfang. Im „Kirchenkampf“ hatte sich der deutsche Protestantismus in eine „Bekennende Kirche“ und die so genannten „Deutschen Christen“ gespalten. Die Ausstellung bezieht sich vorrangig auf die NS- und Nachkriegsvergangenheit der evangelischen Landeskirchen in Hamburg und Schleswig-Holstein. In sechs Themenfeldern geht es darum, wie nach den Erfahrungen mit dem totalitären Staat um Wesen und Gestalt der Kirche gerungen wurde. Wie konsequent versuchte man, mit der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus zu brechen? Gezeigt wird der mühevolle Weg von Auseinandersetzung und Dialog über Jahrzehnte, der schließlich dazu führte, dass sich die Kirche selbstkritisch ihrer Vergangenheit stellt.

Weitere Infos zur Ausstellung gibt es hier: www.nordkirche-nach45.de.

Weitre Termine des Begleitprogramms:

Dienstag, 14. Februar, 19:00 Uhr
Ausstellungseröffnung
und Einführung in die Ausstellung mit Pröpstin Frauke Eiben und Dr. Stephan Linck, Evangelische Akademie der Nordkirche

Freitag, 17. und Samstag, 18. Februar, jeweils 10:00 – 16:00 Uhr. Erzählcafe – mit Mitgliedern der Telefonseelsorge im Refektorium des Doms. Sonntag, 19. Februar, 10:15 Uhr. »… verstockt eure Herzen nicht« Gottesdienst anlässlich der Ausstellung mit Domprobst Gert-Axel Reuß. Sonntag, 26. Februar, 10:15 Uhr.»… du hast mich erlöst«. Gottesdienst anlässlich der Ausstellung mit Pastorin Maike Bendig, Referentin der Pröpstin. Dienstag, 28. Februar, 19:00 Uhr. Vom Heldendenkmal zum Mahnmal. Vortrag zum Ratzeburger lokalen Fenster
von Stadtarchivar Christian Lopau im Ratssaal des Doms. Mittwoch, 8. März, 19:30 Uhr. »Unter dem Sand«. Gemeinsamer Filmabend in Kooperation mit dem Filmclub, Moderation: Mirko Klein. Petri-Forum. Donnerstag, 9. März,  19:00 Uhr. Wohin steuert unsere Demokratie?
Diskussion in Schwarzenbek in Kooperation mit der Lauenburg Stiftung. Auf dem Podium: Bischöfin der Nordkirche Kirsten Fehrs, Bischof em. Dr. Hans-Jochen Jaschke, Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, Andreas Molau, Ex-Chefideologe der NPD, Aussteiger. Moderation: Stefan Schölermann (NDR). Im Rathaus Schwarzenbek, Festsaal, Ritter-Wulf-Platz 1.

Führungen für Schulklassen, Konfirmandengruppen und Interessierte nach Vereinbarung. Weitere Informationen gibt es bei Pastorin Maike Bendig, Telefon 04541-8893 26, mbendig@kirche-ll.de.