Von Tischbein bis Pedalritter

Olga Papikian und Simon Nadasi geben ein klassisches Konzert. / Foto: Nadasi

Kunst und Kino, Klang und Lesung: Das Mai-Programm im Augustinum Aumühle birgt reizende Überraschungen zur ewachenden Frühlingszeit.

Angela W. Roeders präsentiert ihr Bühnenstück „Mein Herr Käthe“. / Foto: Roeders

Aumühle – Eine Auswahl aus dem kulturellen und künstlerischen Geschehen im Augustinum am Mühlenweg 1 finden Sie hier. Das komplette Monatsprogramm wird auf Wunsch kostenlos zugeschickt. Interessenten wenden sich an Malte Frackmann (Tel. 04104 / 69 10 oder malte.frackmann@augustinum.de).

Wie avisiert, steht das Reformationsjubiläum im Mittelpunkt des ersten Termins am Dienstag, 2. Mai (19 Uhr Theater / Eintritt 6,- Euro). „Mein Herr Käthe“ heißt das Bühnenstück von und mit Angela W. Röders, in dem die Lebensspur Katharinas von Bora nachgezeichnet wird. Die Chorgemeinschaft Ohe serviert am Sonntag, 7. Mai (17 Uhr Theater / Eintritt frei, Spenden willkommen) ihr Frühlingskonzert. Unter der Leitung von Joachim Winkel und von der Wentorfrin Karen Haardt am Flügel begleitet, widmen die Sänger sich dem Frühjahr und Mai, der Vorfreude auf den Sommer, Liebesfreud und Liebesfrust. Sie präsentieren Chorlieder, Madrigale und Terzette von Hassler, Morley, Brahms, Mozart, Distler und anderen Kommponisten. Auch bekannte Volkslieder in alten und neuen Sätzen werden gesungen.

Wilhelm Tischbein in Eutin
Am Montag, 8. Mai (19.30 Uhr Theater / 5,- Euro) kommt Dr. Claudia Czok aus Berlin mit ihrem Kunstvortrag „Goethes Maler: Wilhelm Tischbein in Eutin“. Während das klassizistische Gemälde „Goethe in der Campagna“ weltbekannt ist, blieb dessen Schöpfer, der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), eher im Hintergrund. Seine Karriere begann er als fleißiger Porträtist, ging 1779 für rund 20 Jahre nach Italien und brachte es da bis zum Akademiedirektor. Als „Goethe-Tischbein“ tat er sich 1786 in Rom mit dem Dichterfürsten zusammen. Zuletzt blieb der Künstler als oldenburgischer Hofmaler in Eutin. Tischbeins Atelierhaus mit dem romantischen Gärtchen wurde legendär: Besucher verwickelte der gastfreundliche Mann gern in ellenlange Kunstgespräche. Großartige Tierbilder entstanden hier seit 1808, auch viel Mythologisch-Antikes, außerdem ornamentale Vorlagen für die Eutiner Öfen. Czoks Vortrag erfolgt in Kooperation mit der Volkshochschule Aumühle-Wohltorf.

Ärzte-Clinch auf dem Lande
Nach Frankreich führt die nächste Veranstaltung am Sonntag, 14. Mai 19.30 Uhr Theater / 6,- Euro): Das Cinema Augustinum zeigt in Kooperation mit dem Filmring Reinbek „Der Landarzt von Chaussy“ (2016). Die Hauptrollen in Thomas Liltis Komödie spielen François Cluzet (Ziemlich beste Freunde) und Marianne Denicourt. Der beliebte, seit Jahrzehnten im Dorf praktizierende Landarzt Dr.  Jean-Pierre Werner nimmt sich viel Zeit für seine Patienten und ist immer zur Stellen, wenn jemand ein gesundheitliches Problem hat. Dann wird er selbst krank – und muss eine Vertretung einstellen. Die junge Ärztin Dr. Nathalie Delezia kommt schneller, als Dr. Werner lieb ist. Schnell fühlt er sich in seinem Status von der Neuen bedroht. Der erfahrene Doktor hält sich für unersetzbar und will die selbstbewusste Nathalie partout nicht als seine mögliche Nachfolgerin akzeptieren. So bleibt der neuen Ärztin im Dorf nur, sich die Anerkennung hart zu erarbeiten …

Stephan Schaefer liest literarische Geschichten über das Fahrrad. / Foto: Frauke Ganswind

Literatour auf zwei Rädern
Mit Liebe und Humor hat Stephan Schäfer 200 Jahre Fahrradgeschichte(n) zusammengetragen. In seiner Lesung „Von Drahteseln und Pedalrittern“ am Montag, 15. Mai (17 Uhr Theater / 6,- Euro) stellt er bezaubernde Geschichten über das wohl verbreitetste Fortbewegungsmittel vor. 1817 hatte der badische Forstlehrer Freiherr von Drais in Frankreich seine Laufmaschine als „Vélocipède” patentieren lassen. Seither zeigten sich Autoren der Weltliteratur immer wieder von der „Lust, auf dem eisernen Rosse dahinzujagen“ inspiriert. So erlebte Mark Twain bei seinen ersten Lektionen auf dem Hochrad poetische Aufschwünge und schmerzhafte Abstürze. Der achtjährige Thomas Bernhard erfuhr sich freiheitstrunken das Glück auf seiner ersten Spritztour im Salzburger Land. Egon Erwin Kisch beschrieb die volkstümliche Atmosphäre und „elliptische Tretmühle“ des Berliner Sechstagerennens und Kurt Tucholsky besuchte verwaiste Fahrräder auf einer Kopenhagener Polizeistation. In Flann O’Briens surrealistisch-satirischem Kultbuch „Der dritte Polizist“ nehmen Fahrräder gar immer menschlichere Züge an.

Olga Papikian und Simon Nadasi geben ein klassisches Konzert. / Foto: Nadasi

Aufeinander eingestimmt
Das Musikerehepaar Olga Papikian (Sopran) und Simon Nádasi (Flügel) ist am Montag, 22. Mai (17 Uhr Theater / 8,- Euro) zu Gast. „Vokallyrik trifft Klavierfeuer“ bei ihrem Konzert mit Werken von Maurice Ravel, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und anderen Komponisten.Die Sopranistin und Pianistin Olga Papikian wurde in Moskau geboren, trat bereits im Alter von neun Jahren in ihrer Heimatstadt regelmäßig als Solistin auf. Nach einer Ausbildung an der Gnessin Musikschule für Hochbegabte studierte sie am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau, welches sie mit Auszeichnung abschloss. Simon Nádasi wurde 1978 in Münsterlingen am Bodensee geboren und erlernte mit sieben Jahren die Kunst des Klavier- und Orgelspiels. Er wirkte viele Jahre in namhaften Chören mit, bevor er 1998 sein Musikstudium mit den Fächern Klavier, Orgel und Musikgeschichte im schweizerischen Winterthur begann.