Mal schauen (was passiert)!

Ein hängender im stehenden: Clemens Behrs "Pavillon ohne Dach" ziert die Alte Wache 1. / Foto: Landgraf

Werden die Lauenburger die Premiere bemerken? Künstler Clemens Behr hat für die Stadtgalerie Lauenburg erstmals im öffentlichen Raum an der Alten Wache 1 einen Pavillon im Pavillon installiert …

Ein hängender im stehenden: Clemens Behrs „Pavillon ohne Dach“ ziert die Alte Wache 1. / Foto: Landgraf

Lauenburg – Eigentlich kennt man den freistehenden Pavillon an der Alten Wache 1 als Lauenburger nur vom Vorbeigehen – allenfalls als schnellen Regenunterstand. Die Stelle als solche wie auch das metallische Bauwerk aus den frühen 60er-Jahren mit seinen vier massiven Betonstiefeln ist „ein Nicht-Ort, unbeachtet, ohne echten Sinn“, hat der Künstler beobachtet. Jetzt hat er ins winddurchzogene Zentrum des angerosteten Baus seine Skulptur platziert. Man könnte sagen, sein „Pavillon ohne Dach“ hängt dort ab – als erste Ausstellung der Stadtgalerie Lauenburg im Stadtraum. Bis zum 27. August wird das Kunstwerk am Rande der Fußgängerzone ausharren und mit etwas Glück mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als bisher sein Unterstand.

Die Lattenkonstruktion des Künstlers nimmt die vorhandenen Elemente des Pavillons auf. / Foto: Albrecht

Das fein austarierte Lattengerüst im zeitlosen Stretchfolienanzug passt sich seiner Vorlage an: im jungrentnerlichen Elfenbein-Farbton des Skeletts,  in der symmetrischen achteckigen Dachkonstruktion, in ihrer Zweckfreiheit. Es gibt auch Unterschiede: Der innere wächst aus dem äußeren Pavillion heraus, sein schwarzer Folienmantel ist aus Wegwerfplastik. Gern wählt der Künstler für seine Arbeiten Konstruktionen, die etwas zerstört aussehen. Ein „Moment zwischen Konstruktion und Dekonstruktion“, sagt der Künstler, hebe durch seine Fragilität den künstlerischen Wert des Objekts hervor.

Dabei bleibt er ganz pragmatisch – fast neun Jahre Erfahrung mit Kunst im öffentlichen Raum und Erkundung künstlerischen Grenzlandes machen sich da wohl bemerkbar.  „Ich will hier erspüren, ob mein Pavillon als Skulptur oder als Sperrmüll betrachtet wird“, sagt er und gestattet sich ein leises Grinsen. „Der Müllsack zum Wegwerfen wäre in Form der Folie ja schon vorhanden.“

Eröffnet wurde die Schau am 21. Mai durch Marita Landgraf, die künstlerische Leiterin des Lauenburger Künstlerhauses, unter dessen Ägide die Freiluft-Stadtgalerie steht. Die Kommentare auf der Folie richteten sich an Bewohner und Passanten, erklärte Landgraf. Sie sollten auf diese Weise zur Beschäftigung mit der künstlerischen Arbeit und der Gestaltung des öffentlichen Raumes animiert werden. Der Pavillon – schon in der Antike als Ort der Ruhe oder Stille, als Lusthäuschen oder schöner Aussichtspunkt bekannt –  erhält mit Behrs ortsspezifischem Kunstwerk zumindest vorübergehend wieder eine Funktion. Vielleicht läuft ja ein wenig Feedback beim Künstlerhaus ein, unter dessen Ägide die Freiluft-Stadtgalerie steht.  Grußworte sprach bei der Eröffnung auch Filialleiter Jens Rahn von der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, die das Projekt als Sponsor fördert und es von ihrem Standort an der Alten Wache 3 aus in Sichtweite hat.

Clemens Behr beim „working in progress“ an der Alten Wache 1 / Foto: Albrecht

Marita Landgraf hat den in Berlin lebenden Künstler in die Stadt geholt. Clemens Behr ist 1985 in Koblenz geboren, hat seinen Bachelor-Abschluss als Grafikdesigner in Dortmund gemacht und daneben einen Auslandsaufenthalt an der Kunsthochschule in Barcelona absolviert. Danach studierte er Kunst in Berlin. Seit 2006 stellt der junge Künstler aus, ist von Anfang an international unterwegs. Seine Spezialität sind architektonische Gebilde und räumliche Interaktionen, mit denen er seine Installationen aus Materialien wie Metall, Sperrholz, Pappe, Fliesen oder Fundstücken mit dem jeweilen Ort verbindet.