Nuklearschiff „Otto Hahn“

Die Pariser Verträge erlaubten es der Bundesrepublik, sich ab 1955 an der internationalen „Atomforschung“ für friedliche Zwecke zu beteiligen.

Über die „Otto Hahn“ begibt sich der Wissenschaftler Karl W. Böddeker in die Tiefen der jüngeren Technikgeschichte. Der emeritierte Professor der Technischen Universität Hamburg-Harburg spricht am Freitag, 1. September, im Kommunikationszentrum des Kernkraftwerkes Krümmel über Deutschlands einziges atomgetriebenes Forschungs- und Handelsschiff. Der Titel seines Vortrags lautet „Das Kernenergieschiff Otto Hahn – Über den Umgang mit Fortschritt“. Vortragsbeginn ist um 19 Uhr. Veranstalter ist der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht.

Die Pariser Verträge erlaubten es der verhältnismäßig jungen Bundesrepublik ab 1955 an der internationalen „Atomforschung“ für friedliche Zwecke teilzunehmen. Für die Entwicklung der NS (Nuclear Ship) Otto Hahn gab es schnell einen politischen und finanziellen Konsens. In der Folge wurde die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt (GKSS) gegründet, ein Gelände im Bereich der ehemaligen Krümmeler Sprengstofffabrik aufgekauft und der Grundstein für ein Zentrum mit zahlreichen neuen Versuchseinrichtungen gelegt, die zunächst mit dem neuen Schiffstyp und seinem Nuklearantrieb beschäftigt waren.

„Wesentliche Merkmale unseres Fortschrittsbegriffes und der aktuellen Fortschrittskritik sollen anhand einer Objektbiographie des  Schiffes beleuchtet werden“, so Referent Böddeker. Er selbst hat mehrfach Forschungsreisen auf der Otto Hahn mitgemacht und Experimente zur Meerwasserentsalzung geleitet.

Von 1969 bis 1989 befuhr das Nuklearschiff Otto Hahn störungsfrei die Weltmeere mit dem Wappen der Stadt Geesthacht am Bug. Es ist heute in der Parkanlage gegenüber dem Geesthachter Freibad aufgestellt.

„Der Krümmel hat – seit Alfred Nobels Begründung einer Nitroglyzerinproduktion –  mit dem Forschungszentrum, dem heutigen Helmholtz-Zentrum Geesthacht, eine interessante und wechselvolle Geschichte, zu der auch das Kapitel GKSS und NS Otto Hahn gehören“, sagt Ulrike Neidhöfer, Vorsitzende des Förderkreises Industriemuseum Geesthacht.

Seit 1998 setzt sich der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht für die Aufarbeitung, Vermittlung und Darstellung der einzigartigen Industrie- und Technikgeschichte der Stadt Geesthacht ein, die ohne Alfred Nobels Fabrikgründung 1865 und ohne die Nähe zu der Hafenstadt Hamburg nicht denkbar wäre.

Anmeldungen für den Vortrag werden unter Tel. 04152-88 77 840 oder per Mail unter industriemuseumgeesthacht@gmx.de entgegengenommen.