Kohlrabi kann Kunst sein

Kohlrabi kann auch Kunst sein – sofern er aus der Hand von Rolf Kuhlmann stammt. Für seine Zeichnungen hat der Kölner Maler tief ins Lehrbuch der Natur geschaut. Wer sich davon überzeugen will, kann dies derzeit in der Schaalsee Galerie tun. Dort werden noch bis zum 26. November die jüngsten malerischen Studien des Künstlers gezeigt.

Die detailreichen Bildkompositionen Kuhlmanns mit Wald- und Gartenmotiven, einzelnen Pflanzen-, Obst- und Gemüsedarstellungen sollten ursprünglich als Vorlagen für spätere großformatige Kompositionen in Öl dienen. Was als in Aquarell- und Gouachetechnik gehaltene Vorstudie begann, gewann eine Eigendynamik in der Suche nach dem Wesen der dargestellten Sujets, die in eigenständigen, kleinen Arbeiten mündete. Dabei folgte Kuhlmann dem Vorbild der Künstlerin Maria Sybille Merian, deren Radierungen aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Rolf Kuhlmann, Absolvent der Kunstakademie Karlsruhe, nähert sich Gewürzpflanzen wie Borretsch, Beifuß, Salbei und Lorbeer, Früchten wie Erdbeeren, Brombeeren, Äpfeln und Quitten, Gemüse wie Karotten, Grünkohl, Kohlrabi, Lauch und Erbsen, aber auch Blumen wie Krokus und Rhododendron auf seine spezifische Weise, die den dargestellten Motiven neues Leben einhaucht.  Seine luftigen Studien werden zu quirlig-lebendigen, geheimnisvollen kleinen Bildern, die auf dem Hintergrund noch die Pinselführung des Kölner Malers sichtbar lassen, die letztlich auch den entscheidenden Unterschied zu den berühmten Radierungen Maria Sybille Merians – seines Vorbildes – ausmacht.

Wo Maria Sybille Merian akribisch mit der Radiernadel an der naturnahen Blumen- und Pflanzendarstellung arbeitet, ist er frei vom absolut-realistischen Darstellungszwang. Rolf Kuhlmann operiert aus einer gesellschaftlichen Situation heraus, in der die realistische Abbildung längst an Fotografie und digitale Medien abgetreten wurde. Insofern nimmt seine naturalistische Darstellung einen anderen Stellenwert an: Sie dient vor allem der Unterstützung surrealer Motive seiner phantasmagorischen Triptychen und lässt Raum für einen expressiven Gestus, der die Lebendigkeit der abgebildeten Naturgegenstände betont.

Die Schaalsee Galerie, Hauptstraße 44, in Dargow ist sonnabends und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.