„Wir befinden uns im Zeitalter der Fake-News“

„Lesen ist eine der Grundkompetenzen, die wir brauchen, um die Welt zu verstehen“, sagt Patricia Fasheh. Selbst in der Mathematik benötige man diese Fähigkeit. Ohne Textverständnis könne man die gestellten Aufgaben nicht lösen.

Fasheh leitet die Stadtbücherei Schwarzenbek. Eine von vielen landauf, landab, die von jeher dafür zuständig sind, das Lesen zu fördern. In der Vergangenheit meinte das vor allem: Bücher und Zeitungen in Papierform unter die Leute zu bringen. Spätestens mit der Erfindung des Smartphones und des E-Readers hat sich das geändert: Lesen können die Menschen heute nahezu immer und überall „digital“. Bildschirm und Display machen dem Papier – ja, was eigentlich – Konkurrenz? Auf das klassische Geschäftsmodell der Verlage bezogen, stimmt das wahrscheinlich. Aber wie stellt sich dieses Verhältnis für eine Büchereileiterin dar?

Wenn man Fasheh zuhört, ist es ziemlich entspannt. Was nicht verwundern mag, da die Stadtbücherei Schwarzenbek als öffentliche Bibliothek keine Gewinnerwartung erfüllen muss. „Vom Roman bis zum Kinderbuch ist bei uns alles auch über eine digitale Plattform erhältlich“, so Fasheh. Darüber hinaus biete ihr Haus E-Learning-Kurse für Otto Normalverbraucher, Spielenachmittage, Kreativtreffen für Erwachsene und vieles mehr. Zwar sei die Leseförderung nach wie vor Schwerpunkt, aber die Bibliothek habe sich darüber hinaus zu einem Aufenthaltsort entwickelt.

Wie aber steht es angesichts dieser Vielfalt und der Möglichkeit, sich digital über Spiele, Filme und vieles mehr zu amüsieren, um die Leselust der Besucher? Vom Umfang her hat Fasheh da keine große Veränderung festgestellt. Bei den Kindern werde eher mehr als weniger gelesen, sagt sie. Erwachsene würden heute häufiger zu Ratgebern greifen. Hoch im Kurs stünden nach wie vor aktuelle Informationen und Belletristik.

Und doch gibt es da eine Sache – ein Problem, das der Büchereileiterin unter den Nägeln brennt. „Wir befinden uns im Zeitalter der Fake-News“, stellt Fasheh fest. Und diese seien eine Gefahr für die Demokratie, weshalb ihr Haus Schulungen zu diesem Thema anbietet.

Mit dieser Auffassung ist sie nicht (mehr) allein. Das Thema „Fake-News“ steht in der Politik und in den Medien längst ganz oben auf der Agenda. Hier zeigt sich exemplarisch das Problem der schier unerschöpflichen Informationsmöglichkeiten im Netz. Richtiges, Halbgares, Halbwahres und Törichtes liegen im Internet oft nur einen Klick voneinander entfernt, Experten und Dilettanten ringen um Aufmerksamkeit und Deutungshoheit. Ungeachtet dieser Erkenntnis ist es schlicht unmöglich, sämtliche kursierende Thesen und Fakten offiziell checken zu lassen und allen zugänglich zu machen. In Sachen Fake News muss der User schon selbst aktiv werden.

Hilfreich kann es da durchaus sein, auf die Arbeit des Qualitätsjournalismus zurückzugreifen. Klar, auch Redakteuren und Reportern sollte man nicht alles so ohne Weiteres abkaufen. Nur gehört es zu deren Berufsanforderungen, professionell und sauber zu recherchieren.

Oder man folgt dem Rat von Büchereileiterin Fasheh: „Wenn ich mich wirklich mit einem Thema auseinandersetzen will, muss ich ein Buch in die Hand nehmen.“

https://kulturportal-herzogtum.de/2019/10/28/digital-analog-lesen-richtig-lesen/