Gute Zeiten, schlechte Zeiten

So ein Rückblick ist immer eine knifflige Sache. Man kann sich dabei so wunderbar selbst betrügen. Wir Menschen neigen ja eher dazu, sich die Dinge im Nachgang schön und zurecht zu reden.

Das möchte ich auf keinen Fall tun. Deshalb suche ich jetzt mal mit Anlauf nach Haaren in der Suppe. Doch bevor es soweit ist, möchte ich den Fokus zunächst einmal gen Lauenburg richten und damit dem Rückblick eine schöne Aussicht vorrausschieben: In der Elbestadt hat Bernhard Sdun vom Verein „da capo talento“ nach dem musikalischen Sommerfestival 2019 erstmals ein Winterfestival auf die Beine gestellt. Unter dem Motto „Talente im Flow“ lädt er am 4. und 5. Januar jeweils ab 16 Uhr zum „Norddeutschen Jazzpegel“ in die Maria Magdalenen-Kirche ein.

Bei solch einem kostenlosen Event mit 19 Profi- und Halbprofimusikern gibt es natürlich kein Haar in der Suppe, sondern nur die besten Wünsche, dass das Festival möglichst viele Besucher anzieht. Abgesehen davon kehrt es sich vor der eigenen Haustür ohnehin viel besser. Fangen wir also an. Ich beginne mit der Feststellung, dass die Zeit 2019 eindeutig zu kurz und stets zu knapp war. Das ist ausgesprochen bedauerlich, da manch einer, der sich im Kreis Herzogtum Lauenburg für die Kultur einsetzt oder auch Kultur macht, mehr Zeit und mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

So bleibt einem nichts weiter übrig, als weiterzumachen. Immer weiter – und das Beste aus der Zeit und damit aus der Region herauszuholen und sichtbar zu machen. 2019 bedeutete das: Interviews und Gespräche mit zig Künstlern und Kulturträgern, darunter die Kulturpreisträger Klaus Irmscher und Klaus Rainer Goll. „Überzeugungstäter“ beide, mit denen zu sprechen es eine Freude war.

Besonders beeindruckend war das Interview mit Pastorin Hilke Lage zum Totensonntag. Ebenso der Austausch mit Nachwuchsregisseurin Daniela Victoria Kiesewetter, die im Rahmen des KulturSommers die Operette auf dem Lande „LiebesEiferSucht“ inszenierte. Natürlich gab es auch mal ein Interview, das nicht so „lief“. Weil der Interviewer beispielsweise nicht den allerbesten Tag hatte. Oder weil der Interviewte sich als einsilbig erwies. Doch wie heißt es noch so schön? Ausnahmen bestätigen die Regel.

Freude machte mir auch die Zusammenarbeit mit den vielen engagierten und hilfsbereiten Lauenburgern und den Kollegen von der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Apropos Kollegen: Das Programm der Stiftung schenkte mir auch den einen oder anderen tollen Moment oder kurzweiligen Abend. Zu nennen wäre da beispielsweise der Kulturtalk zum Thema Künstliche Intelligenz mit dem Wissenschaftler Roberto Simanowksi, dem Politiker Konstantin von Notz und dem Computer Bild-Chefredakteur Dirk Kuchel. Extrem spannend war auch der Auftritt von DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann, der über den Zusammenbruch des SED-Regimes vor 30 Jahren sprach.

Ob das im kommenden Jahr noch einmal getoppt werden kann? Wir werden sehen. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen ein frohes neues 2020. Bleiben Sie gesund und lassen Sie es sich gut gehen!

Helge Berlinke