Mit Pragmatismus gegen die Angst vor Buchstaben

Wie bereite ich eine Lesestunde vor? Wie schaffe ich es Spaß am Lesen zu entwickeln? Wer der Dozentin Barbara Sanders-Mowka bei der Lesepaten-Ausbildung im Stadthauptmannshof folgt, merkt: Hier kommt jemand ohne Umschweife zum Punkt. Die acht Kandidaten, die sich allesamt am Pestalozzi Förderzentrum Ratzeburg engagieren, bekommen auf Einladung der Stiftung Herzogtum Lauenburg und des Deutschen Kinderschutzbundes ein paar Regeln, Tipps und Erfahrungen der Ausbilderin an die Hand.

Der Pragmatismus mag auch den überschaubaren Ausbildungsstunden – sechs sind es an der Zahl – geschuldet sein, die den Kandidaten zur Verfügung stehen. Andererseits weiß die Förderschullehrerin Sanders-Mowka aus eigener Erfahrung, worauf es ankommt, wenn Menschen Schwierigkeiten haben, fließend Buchstaben aneinanderzureihen. Wenn jemand sich nur schwer konzentrieren kann oder eine Angst vor dem Misserfolg entwickelt hat, braucht es keine große Theorie, sondern den Weg der kleinen Schritte. Ein Brettspiel beispielsweise kann ein Mittel sein, um in die Welt der Worte vorzudringen.

Auch die Darbietung eines Textes – die klassische Arbeitsgrundlage also – ist für die Dozentin von Bedeutung. „Sie arbeiten mit einem Buch?“ fragt Sanders-Mowka einen der angehenden Lesepaten. „Nehmen Sie lieber eine Fotokopie. Dann kann man besser mit dem Text arbeiten.“

Wie wichtig dieser niedrigschwellige und pragmatische Ansatz ist, spiegelt sich in einigen Rückmeldungen der angehenden Lesepaten wider. Einer von ihnen kümmert sich gleich um zwei Jugendliche, einen 14-jährigen Deutschen und einen 15-jährigen Migranten. Mit Aktivitäten sei es bei beiden im Moment schwierig. Der 14-Jährige kämpfe mit diversen Schwierigkeiten. Er lese nicht vor der Klasse, habe Probleme mit der Konzentration. Der 15-Jährige wiederum hadere mit der für ihn fremden Sprache. Doch da seien auch Hoffnungsschimmer: Der ältere Jugendliche gebe sich beispielsweise große Mühe Inhalte wiederzugeben und der 14-Jährige habe letztens nach drei vergeblichen Anläufen das Wort „Frühstückstisch“ richtig geschrieben.