Zeitreise ins alte Lauenburgische

St.Nicolai von N, um 1870

Eine Reise in die zeitliche Ferne unternimmt am Dienstag, 12. Mai, Christian Lopau im Möllner Stadthauptmannshof. Der Archivar wagt sich zusammen mit dem englischen Sprachlehrer James Edward Marston auf die Straßen Lauenburgs. Marston, der von 1771 bis 1855 lebte, pilgerte im frühen 19. Jahrhundert von Hamburg aus ins Lauenburgische.

Für Marston ist es eine Weltreise. So wie es für den Menschen der Gegenwart ein unendlich weiter Weg ist, zu verstehen, dass Reisen im frühen 19. Jahrhundert bedutete auf Flugzeuge, Züge, Busse, Autos und Fahrräder verzichten zu müssen. Es gab sie halt noch nicht oder – im Falle der Züge – nur in sehr begrenztem Maße. 

Marston geht zu Fuß. Von Hamburg aus marschiert er eines Tages direkt nach Mölln. Nach seiner Einschätzung legt er dafür 6,5 Meilen zurück. Das klingt ziemlich unwahrscheinlich, als wäre die Entfernung zwischen den beiden Städten im Laufe der Jahre größer geworden. Allerdings gab es für die Meile im 19. Jahrhundert zunächst kein klares Maß. Sie konnte zwischen anderthalb und elf Kilometern lang sein.

Es ist also anzunehmen, dass der gute Herr Marston angemessen erschöpft war, als er die Stadt Mölln erreichte, aber diese Müdigkeit wurde durch das Panorama, das sich ihm bot, verdrängt: „Wenige Orte hatten unsere Erwartungen stärker erregt als Mölln und seine Lage, und sehr wenige ähnliche Ansichten, haben allen unseren Forderungen so vollkommen und so genügend entsprochen, als diese“, schreibt er. „Hier hat der Landschaftsmaler keine Auszierungen nöthig, er braucht nur der Natur genau zu folgen, in Verbindung mit dem was die Kunst und der Fleiß der Menschen zufällig hinzugefügt haben, um ein Gebilde zu liefern, das einem jeden, beim ersten Blicke, gefallen muss.“

In seinem Vortrag folgt Lopau dem englischen Sprachlehrer und Autor. Er erklärt dem Publikum, was hinter dessen Beobachtungen steckt und ergänzt das Panorama mit Bezügen zur Gegenwart, das Marston im „Wegeweiser für Fußreisende in der Umgebung von Hamburg“ schriftlich festgehalten hat.

Das Werk ist eine von mehreren Quellen, die der Archivar für seinen Vortrag „Zu Besuch im Herzogtum. Historische Reiseberichte“ heranzieht, der zur von der Stiftung Herzogtum Lauenburg initiierten Reihe „In weiter Ferne – ganz nah!“ gehört.

„Zu Besuch im Herzogtum. Historische Reiseberichte“, 12. Mai, Stadthauptmannshof, Hauptstraße 150, Mölln, 19.30 Uhr, freier Eintritt