Kreisarchiv dokumentiert Corona-Krise

Wie kommt der Kreis Herzogtum Lauenburg durch die Corona-Krise? Die endgültige Antwort auf diese Frage ist noch nicht gefallen und wird es wohl auch nicht so schnell. Gleichwohl bemüht sich das Kreisarchiv die Auswirkungen von Covid-19 in der Region zu dokumentieren. Neben den Unterlagen der Kreisverwaltung, die im Laufe der kommenden Jahre übernommen werden, soll sich auch die Sicht der Bürger auf diese Zeit wiederspiegeln. Unterlagen wie Plakate, Fotos und schriftliche Dokumente, die vielleicht auf den ersten Blick nicht wichtig erscheinen, könnten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine große Bedeutung erhalten.

Dr. Anke Mührenberg, Leiterin des Kreisarchivs, ruft deshalb die Einwohner auf, diese Dinge nicht gleich in den Müll zu werfen, sondern mit ihr in Kontakt zu treten, um zu überprüfen, ob vielleicht etwas in die Plakat- oder zeitgeschichtliche Sammlung des Kreisarchivs übernommen werden kann. Dabei kann es sich um eine Notiz am Fenster, das Schnittmuster für eine Atemmaske, Fotos oder die vielen Aufrufe zur Nachbarschaftshilfe handeln.

„Denn, was weg ist, ist weg und damit unwiederbringlich verloren“, so Dr. Anke Mührenberg. „Heute haben wir aufgrund der jeweiligen Archivgesetze die Chance, die aktuelle Pandemie besser zu dokumentieren als es in der Vergangenheit jemals möglich gewesen ist“. Dass dies aber auch früher schon versucht wurde, zeigen Akten des Kreisarchivs aus dem Bestand der Ritter- und Landschaft, in denen es in erster Linie natürlich um die Bekämpfung von Pest und Ruhr, aber auch damals unerklärliche Krankheiten geht.

Die Obrigkeit war deswegen um Vorsorge bemüht, wie der Aufruf von König Georg I. von Großbritannien, damals auch Herrscher über das Herzogtum Lauenburg, aus dem Jahr 1723 zeigt. In diesem im Original im Kreisarchiv aufbewahrten Dokument ruft er zur Vermeidung ansteckender Krankheiten auf. So heißt es: „Solchemnach ist Unser Wille und Befehl, dass die Prediger, Schultzen, Aeltesten und Vorsteher jeder Gemeinde und Dorffschafft schuldig und gehalten seyn sollen, so bald in ihren Gemeinen und Dorffschafften sich mehrere Krankheiten und Sterben äussern als gemeiniglich zu geschehen pfleget, solches sofort der Obrigkeit des Ortes zu melden“. Diese soll dann eine Untersuchung in die Wege leiten und die nötigen Medikamente beschaffen, aber auch für „die Verpflegung der Kranken gebührend Vorsorge“ tragen, um eine mögliche Verbreitung zu vermeiden. Kosten dafür übernahm laut Georg I. die Gemeinde bzw. das jeweilige Amt oder Gericht, eine Krankenversicherung gab es damals bekanntermaßen noch nicht.“

Das Kreisarchiv Herzogtum Lauenburg hat seine Türen seit kurzem wieder geöffnet. Ein Besuch ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Interessierte melden sich unter Tel. 04541-888247 oder per Mail unter dr.muehrenberg@kreis-rz.de.