Den Weg der Besinnung beschritten

Antje Ladiges-Specht hat den Weg der Besinnung eingeschlagen. Als Zen-Buddhistin hat sie damit schon vor Jahren begonnen. Damit ist sie wahrscheinlich vielen Besuchern weit voraus, die sich an diesem Abend bei ihr in Klein Zecher versammelt haben. Das Publikum wartet im Garten und in der Alten Schule auf Peter Köhlers (E-Cello & Gitarre) und Benjamin Lütkes (Percussion) Auftritt. Das Duo will den Bilderzyklus, den Antje Ladiges-Specht im Rahmen des KulturSommers am Kanal vorgestellt hat, musikalisch reflektieren. Der Titel: „Weg der Besinnung“.  

Die beiden Musiker machen es sich zwischen ihrem gewaltigen Equipment bequem. Benjamin Lütke checkt noch mal die Technik. Peter Köhler greift zum E-Cello. Links von ihm hockt Gianluca Ravior, der für die Internet-Übertragung des Konzertes zuständig ist.

Die musikalischen Spiegelungen beginnen mit dem Bild „Vertraut werden mit sich selbst“. Ein goldener Kreis, in dem ein Schatten hereinreicht. Die Selbsterkenntnis, dass das eigene Ich nicht nur Gold ist, das glänzt. Benjamin Lütke macht sie tastend hör- und spürbar. Er kratzt, klopft und schabt über eine weiße Fläche. Die daraus entstehenden Geräusche werden über einen Verstärker in den Raum übertragen. Peter Köhler entlockt seinem E-Cello sphärische Klänge. Langgezogene Töne stoßen das Tor auf in größere Dimensionen.

Es ist eine wunderbare Vorlage, um den Bewusstseinsstrom zu verlangsamen und ihn am Ende womöglich preisgeben zu können. Die Musik als meditative Gehhilfe. Der Raum der Alten Schule, die Bilder und das Licht tun ihr Übriges. Wenn das Vertrautwerden mit sich selbst gelingen kann, dann auf jeden Fall hier und jetzt an diesem Ort.

Die Musiker zumindest sind ganz bei sich. Benjamin Lütke arbeitet bisweilen mit dem ganzen Körper. Das große Equipment, das Peter Köhler und er mitgebracht haben, will gebraucht werden. „Die Annäherung“ – Motiv Nummer 2 – startet mit einigen Disharmonien. Das Bild zeigt ein paar dünne goldene Streifen, umgeben von schwarzer Fläche.

Kein Grund dunkle Gedanken zu entwickeln: Als das Stück endet, brandet zum zweiten Mal Beifall auf. Das Duo ist jetzt richtig in Fahrt. Sie streben auf den „Lebensweg“ zu: Geburt, Jugend – die Entwicklung unseres Seins. Goldene und dunkle Streifen lassen den musikalischen (Im-)-Puls steigen. Dramen spielen sich ab. Peter Köhlers Gitarre klingt angekratzt. Wie ein harter Gegenstand, der über den Asphalt gezogen wird. Die Percussion-Trommel fügt schabende Töne hinzu. Wer sind wir? Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Aus den wilden Geräuschen wird ein tropfender Rhythmus. Die Musiker steuern über „Die Besinnung“ – Bild Nr. 4 – auf das Finale „Auf der großen Erde gehen“ zu.

Das Duo hat sich der Herausforderung der Künstlerin erfolgreich gestellt. Das Publikum klatscht Beifall. Der erste Schritt auf dem „Weg zur Besinnung“ ist gemacht.