Pfiffiger Songschreiber mit Herz

Hamburg, Mölln, München, Zwickau, Flensburg und seit ein paar Jahren wieder Mölln. Klaus Irmscher hat den einen oder anderen Umzug in seinem Leben hinter sich. Er, ein Ur-Möllner, der Kindheit und Jugend in der Stadt verbrachte, weiß, wovon er spricht, wenn er heute sagt, das Lauenburgische sei seine Heimat. Er fühle sich hier verwurzelt, fühle sich hier am Wohlsten. Die Lauenburger mag er wegen ihrer Offenheit und ihrem Elan, Dinge anzupacken.

Wohl auch dank seiner beruflichen Wanderjahre ist ihm diese Liebe zur Heimat so bewusst geworden. Es ist eine Liebe des offenen Ohres und der offenen Türen, eine Liebe, die nicht ausschließt, sondern einschließt und immerzu auf der Suche ist. Da erscheint es nahezu logisch, dass er in einem Nebensatz erklärt, er habe mit Mitte 60 noch angefangen, Persisch zu lernen. Wegen seiner persischen Freunde.

Wie es ist, sich fremd zu fühlen, musste ihm niemand beibringen. Als Spross einer sächsischen Migrantenfamilie wurde dem jungen Irmscher gesagt, dass er um Gottes Willen nicht sächseln solle. „Sonst wäre ich als Flüchtling aufgefallen.“

Die offenen Türen des Klaus Irmscher machen es möglich als Fremder zweieinhalb Stunden in seinem Wohnzimmer in der Hammaburgstraße zu sitzen und mit ihm über seine Lieben und sein Leben zu plaudern. Über seine Verluste und seine Krisen. Denn der Weg, zu dem begabten und einfallsreichen Songschreiber, der er heute ist, war nicht nur rein geografisch weit. Der pfiffige Umgang mit Worten und textlichen Versatzstücken in allen erdenklichen Sprachen brauchte Zeit und auch eine gewisse Frustrationstoleranz.

Als er in den 80er Jahren in eine berufliche Krise geriet und arbeitslos wurde, gesellte sich eine Schaffenskrise dazu. Seine Texte hätten nicht den nötigen Witz und die nötige Tiefe gehabt, um das Publikum zu begeistern, erinnert er sich an diese Zeit. Am Ende habe er sich nicht einmal mehr selbst begeistern können.

Irmscher legte die Gitarre beiseite.

Sein Comeback feierte er 1994. Er besann sich auf Songs wie den „Fusch-Fusch-Man“, ein Lied, das seine Erfahrungen als Arbeitsvermittler aufs Korn nimmt. Auf Lieder, die Geschichten erzählen, ohne den erhobenen Zeigefinger gleich mitzuliefern. Das gefiel ihm und es gefiel dem Publikum. Die Krise war passé. Freude, Kreativität und Motivation waren zurück. Wenn sich all das auch noch mit Können verbindet, strahlt das natürlich zurück. In den 90er Jahren erriet ein kubanischer „Hotelmann“ seine Musikalität. Kurz darauf stand er mit ihm auf der Bühne, um ein bayerisches Volkslied und „Ba-Ba-Banküberfall“ anzustimmen. In den 2000ern tourte er als Mitglied von „Liederjan“ durch Deutschland. 2016 erhielt er schließlich den Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg.