Fest der Kulturen – einfach klasse!

Gemeinschaft, Lebensfreude und Teilnahme, Kunst, Musik und Tanz aus vielerlei Ländern der Erde führte beim „Fest der Kulturen“ im Möllner Stadthauptmannshof rund 200 Menschen aus weitem Umkreis zusammen.

Mölln – Die Kulturbeiräte der gastgebenden Stiftung Herzogtum Lauenburg hatten auf gute Resonanz bei ihrem Begegnungsnachmittag mit Flüchtlingen und Migranten gehofft, die Zahl der Besucher toppte jedoch alle Erwartungen – zeitweise fanden gar nicht alle Platz im großen Saal. Das künstlerische Rahmenprogramm mit Bildern, Objekten und Videos, musikalischen und literarischen Darbietungen gab den heimischen wie den aus der Fremde gekommenen Menschen Gelegenheit, ein Stück ihrer Kultur zu zeigen, die der anderen zu erleben und gemeinsam aktiv zu werden. Daneben blieb ausreichend Raum für persönliche Begegnungen. Viel Herz(blut) war im Spiel bei diesem Fest. Stiftungspräsident Klaus Schlie dankte dafür sowohl den Beiräten als Ideengebern als auch allen Aktiven und unterstützenden Mitwirkenden im Hintergrund.
Sehen öffnet Geist und Herz
Das facettenreiche Programm nahm die Besucher auf und mit. Von Flüchtlingen geschaffene Bilder zierten die großen Wände des Hauses. Khaled Abdulkader (Eritrea), der in Büchen lebt, zeigte im Foyer eine Auswahl seines malerischen und zeichnerischen Schaffens. Aus Ratzeburg kam Ziad Daaboul (Syrien), der dem Auge im Seminarraum großformatige Fotos zum Thema „Hoffnung“ bot. Im Treppenhaus präsentierte die Malerin Bruni Jürss mit Kids aus ihrer Möllner Malwerkstatt bunte selbstgemalte Bilder, die im Rahmen eines Kunstprojekts des Kinderschutzbundes gemeinsam mit Kindern in Kapstadt entstanden sind.
Blickfang im Festsaal war eine beeindruckende Installation, die Schüler des Berufsbildungszentrums (BBZ) Mölln im Rahmen des Projekts DAZ (Deutsch als Zweitsprache) geschaffen hatten. Der in Mölln lebenden Maler Ebrahim Shargi (Iran) steuerte ein Gemälde bei. Videokunst im Glaspalast zeigte, dass Botschaften auch ohne Sprachkenntnisse verstanden werden. Die Musikclips von Hosny Ibrahim, Sami Soufan und Sami Chnikr verbanden erschütternde Bilder aus Syrien mit arabischem Hiphop – das ging selbst ohne Textverstehen unter die Haut.
Kommunikation in vielen Sprachen
Ein gefragter Anlaufpunkt für die Kinder war im Foyer die kleine Stockpresse von Stefan Kruse vom Kunst-Beirat, bei dem die Kids bunte Druckgrafiken selbst herstellen und mitnehmen durften. Nebenan lud Thorsten Börnsen, neuer Leiter des Zentrums für Niederdeutsch, mit einem Glücksrad und Büchern zur ersten Bekanntschaft mit Plattdeutsch ein. Weit fortgeschrittene Kenntnisse in dieser Sprache bewies die junge Türkin Fatma Nur Topaloglu aus Lauenburg, die in Begleitung ihrer Lehrerin Ingrid Bindzus (Niederdeutsch-Beirat) mit einer kleinen Plattdeutsch-Lesung zahlreiche Zuhörer in Erstaunen versetzte.
Überhaupt waren viele Sprachen zu hören an diesem Nachmittag. Bei der Verständigung ging Probieren über Studieren – manchmal half Englisch, gelegentlich halfen respektvolle Gesten – oder die Kinder, die sich Deutsch schon besser ausdrücken konnten. Im und um das Herrenhaus im sonnenbestrahlten Stadthauptmannshof tummelten sich Menschen allen Alterns und vielerlei Herkunft. Gern und gut genutzt war auch das „Café“ in der erstmals geöffneten ehemaligen Hausmeisterwohnung, wo die Besucher sich ausruhen und stärken konnten. Die dort gereichten Kuchen und orientalische Gerichte zum Probieren waren ein kulinarischer Beitrag zum Fest der Kulturen.
Die Musik verbindet immer
Als bester Dolmetscher überhaupt erwies sich die Musik – ganz im Sinne von Moderator Jörg Geschke (Stiftungsvorstand). „Das Wertvollste einer Kultur sind immer die Dinge, die wir mit anderen teilen können“, sagte er – und zu teilen gab es unendlich viel, wie die herzliche Annahme aller Darbietungen durch das Publikum belegte. Das begann schon bei der „Willkommensband“ um Michael Jessen (Gitarre) und Matthias Lage (Harfe), die erst seit einigen Monaten in lockerer Besetzung gemeinsam musiziert und beim Fest der Kulturen ihre öffentliche Premiere feierte. Lianna Khatchatryan und Sami Chnikr sangen in Armenisch, Englisch und Deutsch. Tara betörte mit iranischem Gesang und Tanz, ihr Landsmann Mahmoud Mohammadinik brillierte auf der Setar, begleitet von Gitarre (Conny) und Bass.
Hamit Cebeci von der Möllner Moscheegemeinde zog die Zuhörer mit Gesang und Saz weiter hinein in die orientalische Musik, vereinte beim Duett mit Mahmoud türkische und iranische Freude am Klang. Mit Mozart und Schubert legte der Möllner Pianist, Klavierlehrer und Chorbegleiter Uwe Rasmussen am Flügel für die Besucher klassisch-abendländische Musik zur Verkostung aus. Avag und Naira Khachatryan aus Lauenburg stellten Kompositionen und Volksmusik aus ihrer armenischen Heimat vor – ein wundervoll melodischer, zugleich fremd und vertraut klingender Dialog zwischen der oboenähnlichen Duduk und dem Klavier.
Miteinander geht alles
Der große gemeinschaftliche Drum Circle mit Helga Riehl und Peter Kaiser (Lübeck) brachte das ganze Haus zum Vibrieren. Bei vorgegebenem Grundtakt ließen alle ihren Gefühlen auf Trommeln und Schlagwerken freien Lauf, nur mit Gesten wurden Tempo und Dynamik angeregt – ein tolles Erlebnis, das starke Emotionen kanalisierte und dem sich weder die ganz Kleinen noch die Älteren entziehen mochten.
Zum gegensätzlichen Highlight geriet der musikalisch-poetisch-tänzerische Teil des DAZ-Projekts aus dem Berufsbildungszentrum. Eingestimmt von persischem Gesang und Tanz (Tara und Mahmoud) hüllten die Musiker um Stephan Wollweber die Menschen im Saal ein in fast sakrale orientalische Klänge von Setar, Gitarre, Bass und Kotamo – ein Saiteninstrument, das die Instrumente Koto (japanische Zither), Tambura (indische Laute) und Monochord vereint. Mit nur leichter Drift ins Abendländische eröffneten sie den Raum für Francois Villons Ballade „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ – umwerfend rezitiert und angesungen durch Jörn Bansemer vom Theater im Stall, während Tara ihn umtanzte. Das so zusammenzuführen, war ein Geniestreich! Schöner und deutlicher hätte man kaum offenbar machen können, was wirklich zählt: dass es für Kultur und Kunst keinerlei Grenzen gibt, dass sie vermeintliche Gegensätze aufheben und den Weg zueinander immer finden.