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November 1918 – Geburtsstunde der Demokratie?

Zum 100. Geburtstag der Novemberrevolution zeigt die Otto-von-Bismarck-Stiftung (Friedrichsruh) die Sonderausstellung „Geburtsstunde der deutschen Demokratie – Oktoberreformen und Novembersturz 1918“.

Die Schau verdeutlicht, dass es im Kaiserreich neben den überkommenen obrigkeitsstaatlichen Elementen bereits demokratische Entwicklungen gegeben hat. Sie widmet sich schwerpunktmäßig der vermeintlichen „Revolution von oben“ (Oktoberverfassung von 1918), die das Deutsche Reich in eine parlamentarische Monarchie umformte. Am Ende wirft sie einen Ausblick auf die unmittelbar nachfolgenden dramatischen Ereignisse im Winter 1918/19 bis zur Wahl der Nationalversammlung im Februar 1919 und ordnet diese in den historischen Kontext ein.

Die Sonderausstellung ist vom 16. Oktober bis zum 12. Mai im Bismarck-Museum, Am Museum 2, in Friedrichsruh zu sehen. Das Haus hat von Oktober bis März jeweils zwischen 10 und 16 Uhr und von April bis September jeweils zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.

Weitere Infos unter Tel. 04101-977110 oder per Mail unter info@bismarck-stiftung.de.

Weitere Links zum Thema:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/15/novemberrot/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/15/der-traum-von-freiheit-und-einheit/

 

 

 

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Augen auf beim Bummel – Pop-Up, Baby!

Wehe, man versäumt es, beim Stadtbummel die Augen offen zu halten. Wie leicht kann man da mit jemandem zusammenrasseln oder ins Stolpern geraten oder einfach Dinge übersehen, die scheinbar aus dem Nichts erwachsen sind. So wie die Maea Art Gallery von Floriana M. Ohldag in der Möllner Hauptstraße 57*.

Seit dem 11. August ist die da, aber sie ist da nicht hingekommen, um zu bleiben. Die Maea Art Gallery ist eine Pop-Up-Gallery. Das heißt auf Deutsch: Ein Ort der Kunst, der urplötzlich auftaucht, wieder verschwindet, um an anderer Stelle erneut aufzutauchen.

„Ich möchte mit der Maea Art Gallery ein wenig urbanes Leben in die Kleinstadt bringen“, sagt Ohldag. Viel Zeit, dieses Ansinnen in die Tat umzusetzen, bleibt ihr in der Hauptstraße 57 nicht mehr. Die Uhr tickt. Natürlich. Ist halt Pop-Up, Baby! Ende Oktober muss sie wieder raus sein. Eigentlich schade: Ohldag hat den Raum frisch renoviert. Die Wände leuchten weiß. Es gibt eine Bank und einen Tisch und natürlich Kunst. Kunst an den Wänden, Kunst im Schaufenster. Es ist einladend hier.

Kein Wunder, dass sich die Künstlerin über mangelnden Besuch nicht beklagen muss. Die Leute seien sehr interessiert, meint Ohldag. Viele blieben stehen und suchten dann das Gespräch.

Wer das bislang nicht getan hat, hat jetzt noch bis zum 31. Oktober Gelegenheit dazu und kann zudem Kunst im Klein- und Großformat erwerben. Beispielsweise Fotogramme, Briefpapier und Bilder.

Die Maea Art Gallery hat donnerstags, freitags, sonnabends von 12 bis 14 Uhr sowie nach telefonischer Verabredung geöffnet.
Desweiteren lädt Floriana Ohldag am Freitag, 5. Oktober, und Freitag, 19. Oktober, jeweils von 19 bis 20 Uhr zu zwei Vernissagen ein. Weitere Infos gibt es unter Tel. 0151-70879770 oder per Mail unter pr@maea.gallery.

Sollte jemand den gesamten Oktober verhindert sein, so sei noch mal daran erinnert, dass Maea Art Gallery natürlich jederzeit an einem anderen Ort wieder auftauchen kann. Der Name ist da im übrigen Programm: Maea ist ein Wort der Maori – der Urbewohner Neuseelands – und bedeutet „auftauchen“ oder „in Sicht kommen“.

Weitere Infos über Floriana Ohldag und ihre Kunst:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/10805/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/positives-fuer-die-welt/

http://www.maea.gallery

www.facebook.com/maeagallery

*Zwischen Reformhaus Waldorf und Ernsting’s Family

Foto: Ohldag

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Etwas Positives für die Welt erschaffen

„Im Grunde ist alles, was ich schaffe, von dem Wunsch durchdrungen, Positives zu erschaffen“, sagt Floriana M. Ohldag über ihre Kunst. Sie hat sich geschworen, „in einer Welt, in der es so viel Erschreckendes gibt, etwas Gegenteiliges in die Waagschale zu werfen“.

Dabei hat sie sich für das „Wie“ keine Grenzen gesetzt. Ohldag malt und zeichnet, sie arbeitet mit dem Fotoapparat, sie baut Mobiles, schafft Skulpturen und kreiert Trophäen. Die Motive, die sie wählt, verraten eine Liebe zum Detail. Das Kleine, das so gerne übersehen wird, inspiriert sie. Eine Baumrinde etwa, Risse in einem Fundament oder die Blüten einer Pflanze.

Die Liebe zum Detail spiegelt sich bisweilen auch bei der Wahl der Materialien wider. Bei der Gestaltung der EU-Umwelt-Trophäe entschied sie sich für zwei verschiedene Holzfurnierarten. Die Beschriftung wurde in den Steinsockel gelasert, dann mit Champagnerkreide hervorgehoben. Das Ergebnis ist ein filigraner „Umwelt-Oscar“, ein Preis, der ganz nach dem Geschmack von Ohldag ist. Er steht für Nachhaltigkeit („Den Leim kann man sogar essen!“) und verweist damit auf etwas Positives in der Welt.

Während die EU-Umwelt-Trophäe von Kopf bis Fuß „durchdesignt“ ist, erlaubt sich die Künstlerin an anderer Stelle, ihre Kreation mit einer Prise des Zufalls in unerwartete Formen zu gießen. Ohldag fertigt Fotogramme an. Diese Technik stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Bilder, die sie auf diese Weise kreiert, entstehen in der Dunkelkammer. „Bei dieser Arbeit platziere ich Objekte zwischen Beleuchter und Fotopapier“, so die 40-Jährige. „Das ist eine sehr intuitive Arbeit. Das Papier bleibt die ganze Zeit über weiß. Der visuelle Inhalt entsteht dann innerhalb weniger Sekunden Belichtungszeit. Was ich gemacht habe, sehe ich erst beim Entwickeln.“

Es geht aber auch langsamer: „In der Dunkelkammer kann ich diese Sekunden über Stunden hinweg hinauszögern.“ Für sie sei das beinahe so, als gelänge es, die schnelllebige Gegenwart zu entschleunigen. Dementsprechend verwendet sie für diese Kunst das Wortspiel „re-L-accelerate“. Es handelt sich um eine Zusammensetzung der englischen Wörter „relax“, das bedeutet entspannen, und „accelerate“, was mit „beschleunigen“ übersetzt wird.

Infos über Floriana Ohldag und ihre Maea Art Gallery unter

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/10805/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/pop-up-baby/

http://www.kunst.land

http://www.kofloriana.com

Fotogramm: Floriana M. Ohldag

 

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„Brustkrebs – gemeinsam stark“

Für Melina Waliczeks Fotoprojekt trafen sich vor einem Jahr 18 Brustkrebs-Patientinnen für ein Fotoshooting. Ausgewählte Porträts dieser Aktion sind sechs Wochen lang im AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg zu sehen. Die Vernissage im Glasgang des Reha Klinikums beginnt am Donnerstag, 6. September um 18.15 Uhr.

Im Rahmen des ganztägigen Fotoshootings vor rund einem Jahr entstanden nicht nur beeindruckende Frauenporträts. Es veränderte sich auch die Selbstwahrnehmung der Frauen in der Auseinandersetzung mit ihrem Körper und im Erleben dieses außergewöhnlichen Tages, der für die damals 18-jährige Fotografin ebenso unvergessen bleibt.

Zur Ausstellungseröffnung schildern Melina Waliczek und zwei ihrer damaligen Fotomodels ihre Eindrücke und sprechen darüber, was die Erlebnisse ausgelöst haben. Dr. Jan Schmielau, Chefarzt des AMEOS Reha Klinikums Ratzeburg, und die Psychoonkologin Angelika von Aufseß beschreiben, auf welche Weise eine Rehabilitation Brustkrebspatientinnen bei der Verarbeitung und Bewältigung der Krankheitsfolgen unterstützen kann. Anschließend gibt es noch die Gelegenheit zum Austausch mit der Fotografin und den beiden Teilnehmerinnen.

Foto: AMEOS

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„Ich war vom Sozialismus überzeugt“

Andreas Wagner, Jahrgang 1964, leitet seit 2013 das Grenzhus in Schlagsdorf. Er wuchs in der DDR auf, war Mitglied der SED und leistete drei Jahre Armeedienst. Von 1985 bis 1990 studierte er Geschichte und Marxismus-Leninismus. Als sich der Widerstand gegen das SED-Regime formierte und in Leipzig Ende der 80er Jahre die Montagsdemonstrationen stattfanden, blieb er zunächst auf Distanz. Wagner, Kind einer Arbeiterfamilie, glaubte noch an die DDR. Nach der Wende lernte und forschte er in Rostock und Hamburg.

Im Interview mit Kulturportal-Herzogtum.de spricht er darüber, wie der „alte“ Andreas Wagner den jungen heute sieht und welche Rolle seine Biografie für das Grenzhus spielt.

Kulturportal-Herzogtum.de: Herr Wagner, was haben Sie am 9. November 1989 gemacht?

Andreas Wagner: Das weiß ich nicht mehr.

KP: Das wissen Sie nicht mehr?

Wagner: Die Reisefreiheit war eine schöne Sache, aber mir war es damals wichtiger, wie es mit der DDR weitergeht, wie man einen besseren Sozialismus entwickeln kann.

KP: Was haben Sie in der Zeit gemacht?

Wagner: Ich habe in Leipzig studiert…

KP: …wo im Herbst ´89 die Montagsdemonstrationen gegen die SED stattfanden.

Wagner: Genau. Montags habe ich damals immer in einem auswärtigen Archiv geforscht. Die Vorbereitungen für die Demonstrationen bekam ich auf den Weg zum Bahnhof mit. Am 7. Oktober 1989 musste ich mit ansehen, wie Menschen vor der Nikolaikirche von der Polizei auseinandergetrieben wurden. So eine Gewalt hatte ich bis dahin nicht erlebt. Entsprechend angespannt war die Atmosphäre in der Stadt vor dem Durchbruch am 9. Oktober. Bei der übernächsten Demonstration bin ich dann mitgegangen.

KP: Warum nicht vorher?

Wagner: Ich habe über viele Dinge damals anders gedacht als heute. Ich war von der Idee des Sozialismus überzeugt. Gleichzeitig war mir klar, dass sich etwas in der DDR verändern muss. Aber ich habe das bestehende System nicht in Frage gestellt. Ich hätte damals kritischer auftreten können, als ich es gemacht habe. Das beschämt mich heute.

KP: Worüber denken Sie heute anders?

Wagner: Über vieles. Aber im Rückblick ist mir bewusst, welche geringe Bedeutung damals Begriffe wie Individualität, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit für mein Denken hatten.

KP: Welche Vorstellung hatten Sie vom Sozialismus?

Wagner: Angestoßen durch die Perestroika-Politik von Gorbatschow wuchs meine Hoffnung auf einen dritten Weg, einen demokratischen Sozialismus, in dem Mitbestimmung, Offenheit und Meinungsstreit möglich sind. Doch in der DDR bewegte sich kaum etwas. Es war eine bleierne Zeit. Wirtschaftlich wuchsen die Schwierigkeiten. Die Gebäude zerfielen. Die Atmosphäre war wie verriegelt und zugemauert. Wir stritten um Begriffe, weil wir nicht mehr mit den alten Losungen auf die 1. Mai-Demonstration gehen wollten. Wir merkten gar nicht, wie die Zeit darüber hinwegging.

KP: Und dann kam die Wende und schließlich das Ende der DDR. Sie waren ausgebildeter Lehrer für Marxismus-Leninismus.

Wagner: Letztendlich war es ein Geschichtsstudium und mich lockte die Forschung. Trotz mancher Einschränkungen haben wir das Handwerkszeug eines Historikers gelernt. Davon zehre ich heute noch. Das Studium hat mir inhaltlich und fachlich viel gegeben. Wir hatten Lehrer, die auch international mitreden konnten.

KP: Trotzdem stelle ich es mir schwierig vor, sich unter diesen Vorzeichen in der sich mit einem Schlag ändernden Forschungslandschaft zu behaupten. Es gab doch bestimmt Vorbehalte.

Wagner: Vorbehalte spielten weniger eine Rolle. Für junge Leute boten sich viele neue Chancen, zum Beispiel durch Sprachkurse, Studienaufenthalte im Ausland und die neuen Forschungsfreiheiten. Schwieriger wurde es nur, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen und nach der Ausbildung einen bezahlten Job zu finden. Vorbehalte habe ich kaum gespürt, am Anfang gab es sogar ein großes Interesse an den DDR-Lebenserfahrungen. Für viele Bundesdeutsche war es ein fremdes Land. Ich habe überwiegend einen respektvollen Umgang kennengelernt. In Hamburg wollte mein betreuender Professor wissen, was ich an der Leipziger Uni gelernt hatte, das war wichtiger als meine DDR-Prägungen.

KP: Heute sind Sie promovierter Historiker und seit 2013 Projektleiter im Grenzhus. Welche Rolle spielen Ihre persönlichen DDR-Erfahrungen in der Arbeit?

Wagner: Die spielen eher eine untergeordnete Rolle. Die museale Arbeit orientiert sich an wissenschaftlichen Kriterien. Unsere Erkenntnisse müssen belegbar, überprüfbar und in historische Zusammenhänge eingebettet sein. Wir wollen zu einem (selbst-)kritischen Nachdenken über Geschichte und Gegenwart beitragen. Im Unterschied zur DDR-Erinnerungspolitik geht es uns nicht um Bekenntnisse zu politischen Vorgaben, sondern um Fragen an die Geschichte. Wir wollen zeigen, welche Konsequenzen das Handeln von Menschen hatte, damit wir zukünftig sensibel dafür sind.

KP: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Grenzhus?

Wagner: Ausgangspunkt unserer Erinnerungsarbeit sind die Opfer des DDR-Grenzregimes. Wir erzählen diese Schicksale, damit sich solche Menschenrechtsverletzungen nicht wiederholen. Gleichzeitig fragen wir nach den Funktionsmechanismen des Systems. Dabei geht es um Zwang und Angst, aber auch Identifikation und Mitmachen und um die vielen Zwischenstufen, die das Leben in einer Diktatur ausmachen. Und wir wollen dazu beitragen, Trennendes zu überwinden. Die ideologische Konfrontation im Kalten Krieg sowie der Umbau Ostdeutschlands haben Gräben hinterlassen. So wollen wir auch einen Beitrag zur Überwindung von Mauern in den Köpfen leisten, gerade an der ehemaligen Trennlinie zwischen Ost und West.

KP: Und erreichen Sie die Menschen? Gibt es Rückmeldungen

Wagner: Viele sagen uns, dass wir so weitermachen sollen. Einige melden sich im Nachhinein und sagen: „Das habe ich damals gar nicht so gesehen.“

KP: Herr Wagner, ich danke Ihnen für das spannende Gespräch.

Infos zur neuen Dauer- und einer weiteren Ausstellung im Grenzhus:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/20/multimediale-grenzgeschichten-fuer-die-naechste-generation/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/20/heimat-ich-bin-ein-mensch-2/

 

 

 

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Ausstellungen

Multimediale Grenzgeschichte(n) für die nächste Generation

Seit Anfang August ist der Umbau im Grenzhus Schlagsdorf abgeschlossen. Die Besucher dürfte es freuen: Sie bekommen eine moderne und höchsten Ansprüchen genügende Ausstellung zu Gesicht. Dabei punktet sie sowohl optisch als auch inhaltlich. Medienstationen mit Filmen sowie Schautafeln mit aussagekräftigen Bildern und Texten sind übersichtlich miteinander verzahnt. Diverse Zeitzeugen kommen zu Wort, es gibt Exponate und bewegte Bilder von der Grenzöffnung in Mustin.

„Ausgangspunkt für die Neugestaltung war uns die Frage“, sagt Grenzhus-Leiter Andreas Wagner, „wie führen wir die nächsten Generationen an das Thema heran? Wir müssen uns ja darauf einstellen, dass dann Leute kommen, die keine eigenen Erfahrungen mit der deutsch-deutschen Geschichte gemacht haben.“ Deshalb enthalte die Schau einen Prolog, der in diesen Teil der deutschen Vergangenheit einführt, und einen Epilog, der das Geschehene noch mal Revue passieren lässt und sich fragend der Gegenwart nähert: Welche Rolle spielen Grenzen in unserem heutigen Leben? „Bis 2013 war die politische Botschaft schließlich ein grenzenloses Europa“, erinnert Wagner. Dieser Blick auf Grenzen habe sich mittlerweile geändert. Plötzlich hätten Grenzen eine Schutzfunktion.

Doch bevor der Besucher in den Dialog mit dem Epilog tritt, durchläuft er die Ausstellungsräume, die inhaltlich in fünf verschiedene Schwerpunkte aufgeteilt sind. Darunter befindet sich auch das Thema „Natur und Grenze“. Die Einbettung der Natur in die Grenzgeschichte sei neu, so Wagner. Sichtbares Zeugnis sei das im Grenzgebiet entstandene „Grüne Band“.

Die weiteren Schwerpunkte, die dem Besucher chronologisch vermittelt werden, sind das Alltagsleben im Grenzraum, Grenze und Machtsicherung, die Durchlässigkeit und die Grenzöffnung.

Insgesamt mehr als eine Million Euro wurden in die Neugestaltung investiert. Unterschiedliche Fördergeber haben sich an der Finanzierung beteiligt: der Bund, das Land Mecklenburg-Vorpommern, die Europäische Union sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Darüber hinaus haben Netzwerkpartner, Leihgeber und Archive zum Gelingen beigetragen.

Die Ausstellung, die den Titel „Eingrenzen und Ausgrenzen. Die Geschichte der innerdeutschen Grenze zwischen Ostsee und Elbe“ trägt, ist montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 16.30 Uhr sowie sonnabends und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr zugänglich. Weitere Infos gibt es unter www.grenzhus.de.

Foto: Grenzhus

Grenzhus-Leiter Andreas Wagner im Interview und Infos zu einer laufenden Ausstellung:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/20/ich-war-vom-sozialismus-ueberzeugt/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/20/heimat-ich-bin-ein-mensch-2/

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„Sehe mir immer alle Ausstellungen an“

So etwas wie das Sommerloch kennt Susanne Raben-Johns nicht. Im Büro der Standesbeamtin für das Amt Lauenburgische Seen (Ratzeburg) geht es zu wie im Taubenschlag. Kollegen und Kunden geben sich die Klinke in die Hand. Dementsprechend startet das vereinbarte Interview für Kulturportal-Herzogtum.de mit Verspätung. Raben-Johns hat die 15. Auflage von „Dörfer zeigen Kunst“ organisiert, die am 28. Juli beginnt. Im Interview erzählt sie von den Anfängen der Veranstaltung und ihrer Arbeit für die große Kunstschau, die in diesem Jahr in 20 Gemeinden zu sehen ist.

Kulturportal-Herzogtum.de: Frau Raben-Johns, wie kam es eigentlich zu Ihrem Engagement bei „Dörfer zeigen Kunst“?

Susanne Raben-Johns: Da muss ich ein wenig ausholen: Vor 15 Jahren gab es bei uns in der Verwaltung die Dorfentwicklungsplanung. Im Zuge dessen wurden Radwege und Reetdachhäuser saniert und es entstanden in den Gemeinden Dorfkaffees und Direktvermarkterläden. Martin Fischer, damals Amtsvorsteher, stellte daraufhin die Frage, wie wir das mit Leben füllen können. Er wollte, dass auch andere das erleben.

KP: Und die Antwort lautete „Dörfer zeigen Kunst“?

Raben-Johns: Zunächst einmal luden wir Menschen ein, von denen wir wussten, dass es Kunstschaffende sind. Außerdem mussten die Gemeinden sich bereit erklären, die Dorfgemeinschaftshäuser zur Verfügung zu stellen. Beim ersten Mal – das war 2005 anlässlich des 850. Geburtstages des Bistums Ratzeburg – hieß die Veranstaltung dann zunächst „Mit Kunst durch die Natur“.

KP: Ich komme noch mal zu meiner Eingangsfrage zurück. Wie kam es dazu, dass Ihnen die Organisation angetragen wurde?

Raben-Johns: Wie es bei Gesprächsrunden manchmal ist – es wurde mit dem Finger auf mich gezeigt. Ich war damals Protokollführerin des Förderprogramms.

KP: Hatten Sie denn überhaupt einen Bezug zur Kunst?

Raben-Johns: Ich wurde dank meiner Patentante, die Kunst unterrichtet, schon als Kind an sie herangeführt. Das heißt aber nicht, dass ich im Urlaub sofort in jedes Kunsthaus renne. Prinzipiell würde ich mir gerne mehr anschauen, aber privat fehlt mir oft die Zeit dafür.

KP: Bei „Dörfer zeigen Kunst“ gibt es in diesem Jahr Bilderschauen in 20 Gemeinden. Haben Sie sich schon überlegt, welche Sie besuchen werden?

Raben-Johns: Bisher habe ich es immer geschafft, mir alle Ausstellungen anzusehen. Mir macht das einfach Freude. Ich plane die Besuche immer mit der Karte. Drei oder vier Orte an einem Tag kann man gut schaffen. Zudem laden die Gemeinden ja zu einer Vielzahl besonderer Veranstaltungen ein.

KP: Wenn Sie zurückblicken, wie sehen Sie die Entwicklung der Veranstaltung seit 2005? Würden Sie sagen, dass das Interesse größer geworden ist?

Raben-Johns: Ja. Die Besucherzahlen sind mit jedem Jahr gestiegen. Es sind in jedem Jahr neue Künstler vertreten. Die Medien – sogar NDR Kultur – berichten darüber, dass man mittlerweile erstaunt ist, wenn man auf Menschen trifft, die noch nichts von „Dörfer zeigen Kunst“ gehört haben.

KP: Das klingt ausgesprochen positiv. Planen Sie als Organisatorin, künftig noch mehr Gemeinden einzubinden oder ist mit 20 das Ende der Fahnenstange erreicht?

Raben-Johns: Zunächst einmal würde ich mich selbst nicht als Organisatorin bezeichnen. Bei mir laufen lediglich die Fäden zusammen. Für vier Wochen sind 20 – wenn die Ausstellungen immer nur an den Wochenenden öffnen – eine gute Zahl. Damit gibt man jedem die Möglichkeit, sich alle Orte anzuschauen.

KP: Sie sagten gerade, Sie seien nicht die Organisatorin der Veranstaltung, sondern diejenige, bei der die Fäden zusammenlaufen. Wie darf sich der Laie die Organisation dieser großen Veranstaltung denn vorstellen?

Raben-Johns: Viele Dinge haben sich mittlerweile eingespielt und haben sich dadurch vereinfacht. Im Oktober oder spätestens November frage ich bei den Gemeinden an, ob sie im Jahr darauf dabei sein wollen. Im Januar laden wir dann alle Gemeinden und Künstler zu einem Rückblick und Ausblick ein. Die Planungen für die Ausstellungen finden dann jeweils vor Ort statt. Ich kümmere mich um die Ankündigung im Reisebegleiter des KulturSommers am Kanal, die Erstellung des Flyers und die Aktualisierung der Internetseite. Das alles funktioniert aber nur, weil wir wirklich eine Gemeinschaft sind und jeder seine Punkte erfüllt.

KP: Frau Raben-Johns, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zur Veranstaltung:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/07/23/jetzt-gehts-los/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/07/23/mit-dem-rad-auf-kunstkurs/

https://www.doerfer-zeigen-kunst.de/index.php/startseite.html

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„Heimat – Ich bin ein Mensch“

Das Grenzhus Schlagsdorf zeigt vom 27. Juli bis 16. September im Garten die Freilichtausstellung „Heimat – Ich bin ein Mensch. Leben in Mecklenburg-Vorpommern“. Aus dem Foto- und Interviewprojekt von Manuela Koska wurden für die Ausstellung in Schlagsdorf 24 Portraits von Menschen mit verschiedenen Nationalitäten, Ursprüngen und Wurzeln ausgewählt. Die Portraits zeigen Einwohner aus Mecklenburg-Vorpommern mit ihren Vorstellungen über Heimat, Identität, Verwurzelung, Sehnsüchten, aber auch Enttäuschungen und Hoffnungen.

Oft zufällig traf Manuela Koska auf die Menschen, die sie dann vor ihre Kamera holte und mit denen sie zugleich Interviews führte. Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause sind. Wobei sie sich nicht nur auf „Ur-Einwohner“ beschränkte, sondern auch auf jene, die von irgendwoher kamen und blieben, mit ihren Kulturen, Weltanschauungen, Lebensweisen und Besonderheiten. Sie alle hat sie portraitiert: die „Zuwanderer“, die „Ausländer“ und “Einheimischen“. Eine Art Bestandsaufnahme, ohne Wertung, ohne Bewertung. Einige sind ausgezogen in die Welt. Alle sind hängengeblieben in Mecklenburg-Vorpommern. Freiwillig. Unfreiwillig. Der Liebe wegen. Des Krieges wegen. Was ist Heimat für sie? Das Kunstprojekt zeigt ganz viele Antworten.

Zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung am Freitag, 27. Juli, erwartet die Besucher ein Rahmenprogramm mit Musik und Vorträgen. Zur Begrüßung spricht um 17 Uhr Martin Klähn. Prof. Dr. Matthias Pfüller befragt zudem László Sólya zum Thema Heimat.

Weitere Infos unter Tel.: 038875/ 20326 oder per Mail unter aw@grenzhus.de.

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„Wundersame Begegnungen“

Müll zu Kunst – das wäre ein passendes Arbeitsmotto für Margaret Odefey-Tanck. Schließlich nutzt die Künstlerin für ihre Werke konsequent Abfall wie geschreddertes Papier, Taschentücher und benutzte Teebeutel. Wie das dann aussieht, können Besucher des Augustinums Aumühle von Montag, 18. Juni, an in Augenschein nehmen. Die Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Wundersame Begegnungen“ beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Bildfläche der Bilder von Odefey-Tanck ist wie eine Bühne: In ihren Arbeiten trifft der Tiger aus einem persischen Teppich auf einen Vogel aus einer koptischen Textilarbeit. Unterschiedliche Gestalten, Vögel und Pflanzen aus verschiedensten Lebensbereichen betreten die Spielfläche ihrer Werke und erzählen eine neue Geschichte, die sowohl lustig als auch nachdenklich-philosophisch sein kann.

Die Arbeiten leben von der Lust am technischen Experiment, von der unterschiedlichen Anmutung verschiedener Materialien. Durch Komposition, collageartige Techniken, Zeichnung und Malerei kommen die Einzelteile zu einem harmonischen Ganzen zusammen; dieser Prozess wird unterstützt durch gestickte oder genähte Linien, die die Bildfläche um eine haptische, d.h. greifbare, Dimension bereichern.

Ihre Motive findet Margaret Odefey-Tanck überall, etwa in der Natur, in Museen oder, inspiriert von Werkzeugen und Objekten, in ihrer Werkstatt. Das daraus entstehende Zusammenspiel folgt einer eigenen Dynamik, die Motive erlangen in diesem Kosmos eine neue Bedeutung, die sich rational nur schwer oder auch gar nicht erfassen lässt. Manches bleibt für den Betrachter vielleicht für immer ein Rätsel. Das muss er aushalten. Es gibt Bildelemente, die sich ihm erschließen. Und es gibt im besten Falle Geheimnisvolles, Heiteres, Beruhigendes, aber auch Beängstigendes, das den Betrachter berührt, ihn erinnert, ohne eindeutig rückführbar zu sein.

 

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Die Motive sind frei

Das Wetter war ziemlicher Mist. Tobias Duwe sagt es nicht so, aber – wer zwischen den Zeilen lesen kann, weiß Bescheid. Im Frühsommer war der Künstler mit seinen Kollegen – den Norddeutschen Realisten – im Kreis unterwegs, um zu malen.

Das ist ihr Ding: Rausgehen, dem Gegenstand, der Natur, der Stadt – was auch immer – ins Auge schauen. Wenn´s plattert, kann das ganz schön hart sein. Doch Pardon wird nicht gegeben. „Wir wollen uns mit den Dingen, denen wir begegnen, auseinandersetzen. Wir wollen sie erleben und wollen bei unserer Kunst ein hohes Maß an Authentizität erreichen“, sagt Duwe.

Dabei sind die Motive frei für die Norddeutschen Realisten. „Es gibt keine gedankliche Schere“, stellt Duwe klar. „Das Empfinden entzündet sich an einer bestimmten Stelle.“ Und dann gibt es kein Vorbeikommen mehr. Wie im Falle des Silos im Möllner Hafen, den er und auch die Kollegen Till Warwas und Meike Lipp in den Fokus genommen haben. „Ich bin wegen der starken geometrischen Formen und der starken Grafik daran hängengeblieben“, sagt Duwe.

Er hat sich dem großen, hellen Gebäude von hinten angenähert. Der Blick ist nicht frei. Karge Bäume und Zweige drängen sich ins Bild. Vor dem aufschießenden Turm trotzen noch andere Industriegebäude dem Wind. Backsteinhäuser und große zylinderförmige Speicherbehälter. „Für mich hat das Szenario etwas Industrielles, aber auch etwas Romantisches“, meint der Maler.

Natürlich haben die Künstler noch mehr Dinge mit Händen, Fingern und Pinsel in Angriff genommen. Das alte Mölln zum Beispiel. Ratzeburg. Klar. „Das kannte kaum einer von den Kollegen – das war ein echtes Highlight.“ Und selbstverständlich haben sich die Maler der Lauenburgischen Landschaft gewidmet. Eine herrliche Landschaft sei das, schwärmt Duwe, die je weiter man in den Osten komme, noch imposanter werde.

Dass die norddeutschen Realisten trotz des „durchwachsenen Wetters“ – so die höfliche Umschreibung des Malers für das „Schietwetter“ – zum Teil einen Tag länger blieben als geplant, hatte auch mit der Gastfreundschaft der Lauenburger zu tun. So hatten die Maler etwa Zutritt zum Möllner Freibad, obwohl die Saison dort noch gar nicht eröffnet war. Ein besonderes Lob geht in diesem Punkt an Augustin Noffke: „Der hat sich für uns ordentlich ins Zeug gelegt. Zum Beispiel hat er dafür gesorgt, dass wir ins Naturschutzgebiet vorgelassen wurden.“

Die Bilder der Norddeutschen Realisten sind noch bis zum 3. September im Möllner Museum und in der Galerie AC Noffke zu sehen. Die Galerie am Domhof 41 in Ratzeburg hat sonnabends und sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet, das Möllner Museum montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr. Mehr Infos unter kulturportal-herzogtum.de/2017/07/07/hartgesottene-realisten.

Am Silo im Möllner Hafen entzündete sich Tobias Duwes Blick. Foto: Kulturportal