„Wollen der Live-Band-Kultur eine Bühne geben“

Florian Klein und Max Lachetta sind Mitglieder des Jugendbeirates der Stiftung Herzogtum Lauenburg – der Kultur-Community. Das Gremium organisiert ehrenamtlich Konzerte, Poetry Slams und Lesungen für junge Leute. Ein seit 2016 wiederkehrender Höhepunkt im Veranstaltungskalender ist das Pegasus-Open-Air-Festival. Ein musikalisches Ereignis, bei dem mehrere Bands live unter freiem Himmel auftreten. Die dritte Auflage steht am 12. Mai auf dem Programm. Erstmals findet das Festival in unmittelbarer Nachbarschaft zur Möllner Jugendherberge, Am Ziegelsee 1, statt (Mehr zum Umzug unter https://kulturportal-herzogtum.de/2018/04/06/pegasus-open-air-festival-zieht-um/). Das Kulturportal sprach mit Florian und Max über ihre Motivation, Live-Musik im Jahr 2018 und den Arbeitsaufwand für ein Open-Air-Festival.

Kulturportal: Florian – Max – in diesem Jahr veranstaltet die Kultur-Community zum dritten Mal das Pegasus-Open-Air-Festival. Eine Veranstaltung, die alles andere als eine Kleinigkeit ist. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr euch an so eine große Sache gewagt habt?

Florian Klein: Die Idee ist 2014 gereift, als wir die Kultur-Community gegründet haben. Als wir unsere Arbeit begannen, war die Frage: Was machen wir mit den Fördergeldern für Jugendkultur, die uns von der Stiftung Herzogtum Lauenburg zur Verfügung gestellt werden? Ein Mitglied der Community schlug vor, ein „Wacken“ in Mölln zu veranstalten. Zunächst wurde das verworfen. Wir wollten erst einmal darüber nachdenken, was Jugendkultur überhaupt für uns ist. Am Ende war es der Wunsch von vielen, ein Festival auf die Beine zu stellen.

KP: Pegasus-Open-Air-Festival. Ein ungewöhnlicher Name…

Florian: Name und Logo sind eine Hommage an das Kreiswappenpferd. Bei uns spannt der Pegasus die Flügel, um durchzustarten. Das Festival hat fliegen gelernt. Wir geben junger Musik die Chance, sich zu verbreiten.

KP: Stichwort Musik. Habt ihr euch so etwas wie Leitlinien gegeben, wie euer Festival aussehen soll?

Max Lachetta: Wir wollen die Jugendkultur beziehungsweise die jungen Musiker im Kreis fördern. Deshalb ist ein Großteil der Bands, die bei uns am Start sind, immer aus der Region.

Florian: Live-Musik wird ja gerne für tot erklärt. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dieser Art von Kultur eine Bühne zu geben. Zwar gibt es in Schleswig-Holstein und Umgebung einige große Festivals, aber der Kreis Herzogtum Lauenburg ist da eher ein weißer Fleck. Wir wollen aber auch ein politisches Statement geben – für Demokratie und gegen jede Form von Radikalismus.

Max: Bei uns ist jeder willkommen. Auch ältere Musikliebhaber. Ich betone das, weil wir festgestellt haben, dass das Format auch Familien und Junggebliebene anspricht.

Florian: Man merkt, dass Live-Formate wie Festivals oder Club-Konzerte weniger geworden sind.

Max: Auf den Kreis bezogen ist da kaum noch etwas. Ab und an gibt es in kleinerem Rahmen Konzerte.

KP: Das klingt dramatisch.

Florian: Früher waren bei der Rocknight im Jugendzentrum Taktlos in Mölln bis zu 300 Leute dabei. Da ist man aus dem Kreis hingepilgert. Heute ist man froh, wenn 30 Besucher kommen. Es gibt auch weniger Bands als früher.

Max: Damals haben auch andere Jugendzentren Rock-Night-Formate angeboten. Das Korona in Schwarzenbek macht jetzt stattdessen Sofaabende. Die Ausgehkultur hat sich in den letzten Jahren geändert. Diejenigen, die früher zu den Rock-Nights gegangen sind, leben heute in der Großstadt. Die jüngere Generation ist nicht so sehr auf Live-Musik aus und fährt lieber in den Club.

Florian: Vor ein paar Jahren gab es in der Region auch mehr Diskotheken. Heute ist es nur noch eine. Mit dem Pegasus-Open-Air-Festival stemmen wir uns gegen den Trend. Wir wollen zeigen: Hier ist was los. Auch abseits der Clubs und der großen Festivals kann es gute Live-Musik geben.

KP: So ein Festival zu organisieren, stelle ich mir alles andere als einfach vor. Insbesondere wenn man keinerlei Erfahrung mit solchen Veranstaltungen hat. Wie war das bei euch? Musstet ihr viel Lehrgeld zahlen?

Max: Beim ersten Mal herrschte nach drei Stunden Lebensmittelknappheit, weil alles, was wir an Verpflegung angeboten hatten, ausverkauft war.

Florian: Die Absperrung des Backstage-Bereichs war verbesserungswürdig.

Max: Das war ein kleiner Zaun, über den man klettern konnte.

Florian: Ein weiteres Problem waren die vielen Fremdgetränke. Heute haben unsere Ordner da einen Blick drauf. Ansonsten lief alles. Auch mit den Bands.

Max: Die Resonanz war gut – bei den Musikern und den Zuschauern. Das war Motivation für uns, weiter zu machen.

Florian: Wir waren wirklich überrascht, wie stark das Format angenommen wurde. Bei schönstem Wetter hatten sich 1.000 Leute im Möllner Kurpark versammelt.

KP: Wie viel Arbeit steckt ihr in die Organisation?

Florian: Erst einmal muss man sagen, dass wir das Glück haben, auf viele freiwillige Helfer bauen zu können. Die Stadtjugendpflege und Streetwork Mölln etwa stehen uns mit Rat, Tat und Geräten zur Seite. Zum Beispiel, wenn wir ein Auto brauchen, um die Technik zur Bühne zu bringen.

KP: Dennoch dürfte der Aufwand für euch groß genug sein – oder?

Florian: Pro Person kann man mit 200 Vorbereitungsstunden rechnen. Und je näher das Festival rückt, desto stressiger wird es.

Max: Ich habe mich in diesem Jahr zum Beispiel um die Angebote für die Bühne gekümmert. Auf dem Gelände an der Jugendherberge, wo das Pegasus-Festival in diesem Jahr erstmals stattfindet, gibt es ja – anders als im Kurpark – keine festverankerte Bühne. Das hat unheimlich viel Zeit in Anspruch genommen. Man kann nie richtig abschalten, weil einem ständig neue Ideen kommen. Täglich schreibt man zwei bis drei Mails.

Florian: Seit letztem Jahr machen wir auch ein Wochenendtreffen. Wir sitzen dann von Sonnabendmittag bis Sonntagabend zusammen und planen.

Max: Außerdem haben wir andere Jugendorganisationen wie den Jugendbeirat Mölln miteingespannt. Anregungen von außen kann man immer gut gebrauchen.

Florian: Zumal wir wegen des neuen Veranstaltungsgeländes vieles neu planen mussten. Max hat die Bühne gerade erwähnt. Ein anderes Thema sind die sanitären Anlagen.

KP: Kommen wir auf das Wesentliche des Festivals – die Musik – zu sprechen. Auf welche Bands dürfen sich die Pegasus-Besucher freuen?

Max: Unser absoluter Headliner ist „Fuck Art, let´s Dance!“. Eine Indie-Pop-Band, die überregional bekannt ist. Viele von uns haben sie schon auf anderen Festivals gesehen. Insgesamt sind acht Bands dabei, die Hälfte davon kommt aus der Region.

KP: Welche Musikstile sind neben Indie-Pop noch vertreten?

Max: Eine Metalband ist dabei.

Florian: Pop, Punk, Rock. Wir haben uns auf keine Richtung festgelegt. Die Bands verzichten übrigens auf einen Großteil der Gagen. Deshalb können wir das Pegasus-Open-Air-Festival auch umsonst und draußen anbieten.

KP: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg am 12. Mai!

Foto: kulturportal-herzogtum.de