„Es war einmal ein Wassertropfen“

Wolf und Anna pusten die Lampen im Schützenhaus aus. Es wird dunkel im Raum und nahezu mucksmäuschenstill. Neugierig blicken die Jungen und Mädchen, die es sich auf Matten und Stühlen bequem gemacht haben, auf das leuchtende Aquarium. Im Hintergrund spielt Musik.  

Das Wassertheater Lübeck gibt an diesem Morgen zwei Gastspiele in Müssen. Das Publikum sind die Klassen 1 bis 4 und einige Lehrerinnen*. Wolf und Anna Malten spielen „H2Upps“, eine Geschichte über die Bedeutung und Wandelbarkeit des Wassers.

„Es war einmal ein Wassertropfen, der lebte in einem Wasserkocher“, eröffnet Anna Malten die Geschichte, die sie mit ihrem Partner und Ehemann erzählen will. „Kinder können auch mit Socken reden“, hat sie eben noch – unmittelbar vor der Aufführung – gesagt. Tatsächlich sind die Kinder ganz Ohr, was dieser Tropfen Anna zu sagen hat. Es irritiert sie auch nicht, dass der Tropfen im Laufe des Stücks Gestalt annimmt und sich in eine blaue Puppe verwandelt. Mit dem Augenblick, in dem das Spiel beginnt, sind sie abgetaucht und folgen der Story, mit der die Maltens immer mal wieder auf Tour sind.

Das Wasser kocht jetzt, der Tropfen verdampft und steigt in den Himmel auf, um wenig später durch ein krachendes Gewitter im Aquarium zu landen. Es blitzt und donnert auf der provisorischen Bühne. Der Aggregatzustand kann dem „Upps“ nichts anhaben. „Upps-Dampfwolken und Gewitter-Uppsis stürzen ins Meer“, erzählt Anna Malten.

Ganz anders sieht es aus, als plötzlich der Mensch ins Spiel kommt. Eine finstere Gestalt, ein mieser Kerl, der nichts anderes im Sinn hat, als das Wasser mit seinem Dreck zu versauen. Anna und Wolf sind in ihrem Element. Es läuft – und zwar von Anfang an. Sogar beim Tüttellüüt – der Moment, in dem der Wassertropfen ein Gesicht bekommt – sind sie synchron. Eben noch – bei der ersten Aufführung – war Anna Malten zu schnell. Ihr Mann hat das kritisiert: „Wenn du das Tüttellütt** machst, muss das schon übereinstimmen, mit dem, was ich mache. Gerade, Punkt, Kurve!“

So eine Kritik, sagt Anna Malten später, sei für sie „völlig unproblematisch“. Empfindsamkeiten kann und will sie sich nicht erlauben. Es gehe um das gemeinsame Werk und das müsse so gut wie möglich werden.

Das Abenteuer von Upps und den anderen Uppsis steuert jetzt auf sein dramatisches Ende zu. Anna Malten steht hinter dem Aquarium, wo plötzlich Müll und Fischgerippe herumschwimmen. „Böse Menschen können Upps verändern“, sagt sie und fordert, dass man sich immer um das Upps kümmern muss. „Man darf nicht aufgeben!“

Der für die ungewisse Zukunft gesetzte Imperativ funktioniert schon mal auf der Bühne: Das Aquarium ist am Ende vom Dreck befreit. Das Licht geht an. Die Musik endet. Die Kinder tauchen auf. Schüler und Lehrer applaudieren.

*Möglich gemacht hat die beiden Aufführungen der Blunck-Fonds der Stiftung Herzogtum Lauenburg.

**Das Foto stammt von einer Aufführung in Breitenfelde im Frühjahr 2018. In Müssen konnte während der Aufführung nicht fotografiert werden.