Plötzlich ohne Einnahmen

Plötzlich ist alles futsch. Der Terminkalender, eben noch prall gefüllt, gelöscht. Anna Malten hat das in eine Schockstarre versetzt. Sich daraus zu lösen, hat ein paar Tage gedauert. „Dieses Jahr wäre unser bislang bestes Jahr gewesen“, sagt die Märchenerzählerin und Theatermacherin. Malten lebt mit ihrem Mann Wolf in Siebeneichen. Zusammen betreiben sie das Lübecker Wassertheater.

Die Schockstarre hat sie mittlerweile überwunden. Geholfen habe da die große Solidaritätswelle, die kurz darauf losgebrochen sei, sagt sie. Trost spendet ihr auch das Gefühl, Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu sein. Alle anderen seien ja auch betroffen.

Wegen ihres Berufes wähnt sie sich angesichts Krise sogar ein wenig im Vorteil: „Wir Künstler sind besser dran, weil wir immer auf dem Drahtseil tanzen“, sagt Anna Malten. Man sei Absagen gewohnt, müsse immer überlegen, wie es weitergehe. Die erste Antwort, die die Maltens auf diese Frage gefunden haben, ist die Zwangspause kreativ zu nutzen. Sie arbeiten an einem neuen Stück und sie hoffen dafür auf Fördermittel. Gleichwohl, räumt sie ein, sitze einem „die Angst im Nacken“. Denn – das stellt sie unmissverständlich klar: „Wenn wir keine Fördermittel bekommen, war´s das schon im Sommer.“

Große Sorgen um ihre Existenz macht sich auch Anja Witt (Foto: Asja Caspari). Wie bei den Maltens hat das Virus bei der Künstlerin die Planungen über den Haufen geworfen. Die Malschule? „Musste ich komplett streichen“, sagt die Künstlerin, die in Aumühle ihr Atelier hat. Ausstellungen? Wird es erstmal nicht geben. Die Institute, die Galerien – alles dicht. Eigentlich wäre sie an neun Kunstschauen beteiligt gewesen. Drei Einzelausstellungen hatte sie sich vorgenommen.

Bilder gibt es in Zeiten von Covid 19 nur noch digital zu sehen. Für Anja Witt ist das keine Alternative. „Die Leute müssen vorm Original stehen“, sagt sie. In der Online-Galerie werde nichts gekauft.

Was ihr bleibt, ist die Vermietung von Kunst. Etwa an Kanzleien. Dieses Standbein funktioniert aktuell noch. Sie hoffe, dass die Kunden auch weiterhin ihre Bilder mieten. Damit erziele sie Einnahmen in Höhe von 1.000 Euro. Die Summe deckt ihre Betriebskosten. Für die Sozialabgaben und den Lebensunterhalt reicht es nicht.

Wie die Maltens mit ihrem Theater hofft die Malerin in der Krise auf Finanzhilfen. Vom Landeskulturverband hat sie die Zusage über 500 Euro. Ein Anfang. Um sich auf Dauer zu behaupten, braucht es aber mehr. Anja Witt hofft, dass die vom Staat aufgelegten Förderprogramme auch ihr unter die Arme greifen. Doch sie ist skeptisch. Die vom Bund auf den Weg gebrachte Finanzunterstützung für kleine Betriebe – in ihrem Fall ginge es um eine Summe von 9.000 Euro – gehe beispielsweise an ihr vorbei. „Das Problem mit dem Förderantrag zum Einmalzuschuss ist, dass er sich auf die Betriebskosten bezieht“, sagt die Malerin. In diesem Punkt habe sie aber keinen Liquiditätsengpass. Ihr Problem sei der ausbleibende Gewinn.