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Thema der Woche

Gesucht: Ordnung im Dasein

Worüber junge Menschen im Jahr 2021 schreiben

So ein bisschen erinnert das Leben in diesen Tagen an das Rennen zwischen Hase und Igel: Wohin man auch läuft, das Virus ist immer schon da. Und wenn es auch nicht an jeder Tür persönlich anklopft, hält es zweifellos unsere Lebenswelt besetzt. Die allgegenwärtigen Masken, das Desinfizieren der Hände, die Impfzentren, die Tests, die Hilferufe aus der Intensivmedizin, die Sondersendungen und zahllosen Corona-Statistiken zeugen davon.

Manch eine Künstlerin und manch ein Künstler haben sich seit Ausbruch der Pandemie kreativ daran abgearbeitet. Musiker haben ganze Corona-Alben aufgenommen, Schriftsteller ihrer trostlosen Dauerexistenz in den heimischen vier Wänden eine neue Alltagspoesie abgetrotzt.

Da erscheint es umso erstaunlicher, dass das Virus und die damit verbundenen gesellschaftlichen Verwerfungen unter den 121 Beiträgen für „Wanted: Junge Autor*inn*en“ so gut wie keine Rolle spielen. Wenn überhaupt, dann taucht das Thema als Randnotiz auf – als wäre es den Jugendlichen peinlich über das, was gerade los ist, noch viele und große Worte zu verlieren. Einzig eine Autorin hat es ohne Wenn und Aber in den Mittelpunkt gerückt, indem es dem „Homeschooling“ ein paar poetische Zeilen gewidmet hat. Das war´s.

Stattdessen flüchten, ja stürzen sich viele Nachwuchsschriftstellerinnen und -schriftsteller in wilde Abenteuer, in denen Blumenhexen, Einhörner, Wiesentrolle, Zombies, Elfen, Klassendrachen, sprechende Notizbücher ihr Unwesen treiben. Und dann ist da noch eine große Gruppe, die es nicht so mit Geschichten hat, sondern eher Gedanken nachhängt und versucht so ein wenig Ordnung ins Dasein zu bekommen. Womöglich bilden diese literarischen Miniaturen die Straßenkreuzung, an denen die verschiedenen Corona-Läufe abzweigen. Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass man sich als Jugendliche(r) gerade auf den Weg gemacht hat, dass man noch nicht fest verortet ist in der Welt und sich deshalb wesentlichen Fragen zuwendet, dass man sich traut zu fragen – was Menschen der Erwachsenwelt sich in ihrer normalerweise durchgetakteten Alltagswelt längst abgewöhnt oder einfach vergessen haben.

Die literarischen Reflexionen der Jugend drehen sich um den Tod, um Ängste, um Liebe, um Weihnachten, um das Menschsein an sich, um den Rassismus und um Träume, die man hat. Hinzu kommen literarische Selbstbespiegelungen rund um die eigene Lebenssituation. Bin ich zu dick? Bin ich hübsch? Warum habe ich es so schwer, Freunde zu finden? Warum werde ich nicht geliebt? Jugend auf der Suche nach sich selbst. Das ist sie schon immer gewesen. Da ist 2021 nicht anders als 2020. Und auch 2022 wird das nicht anders sein.

Die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg ist Premiumpartner der Stiftung Herzogtum Lauenburg.