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„Die Liebe ist die Antithese zur Optimierung“

Am kommenden Sonntag, 24. Juni, beginnt mit dem Mittsommerfest in Ratzeburg der KulturSommer am Kanal 2018. Das Sommerfestival steht in diesem Jahr unter dem Motto „Am Horizont… die Liebe“. Kulturportal-Herzogtum.de sprach vorab mit Intendant Frank Düwel über dessen Entstehung und welche Bedeutung die Liebe für ihn hat.

Der 55-Jährige wurde kürzlich für seine Arbeit mit dem Theodor-Storm-Preis ausgezeichnet. Düwel ist Regisseur und als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg tätig. Dort widmet er sich der Musiktheater-Regie sowie der Leitung von Projekten.

Kulturportal-Herzogtum.de: Herr Düwel, der KulturSommer am Kanal steht in diesem Jahr unter dem Motto „Am Horizont…die Liebe“. Wollen Sie damit sagen – schließlich handelt es sich beim Horizont ja nur um eine optische Täuschung –, dass Liebe unerreichbar ist?

Frank Düwel: Nein, natürlich nicht. Liebe ist nicht unerreichbar. Aber: Liebesglück ist nicht jeden Tag. Sie ist nicht alltäglich und sie ändert sich. Je nach Lebensabschnitt verbinden Menschen andere Dinge damit. Insofern ist Liebe für mich dynamisch.

KP: Aus Ihrer Antwort höre ich heraus, dass Sie an die Liebe glauben.

Düwel: Ich weiß, dass es sie gibt. Ich habe aber auch erfahren, dass Menschen unter der Liebe unterschiedliche Dinge verstehen. Vor kurzem habe ich mit einem Teenager gesprochen, der darüber irritiert war, dass er in seiner Beziehung nicht immer nur Sex haben will. Ich habe ihm gesagt, dass das Ok ist.

KP: Was versteht Frank Düwel unter der idealen Liebe?

Düwel: Den anderen so zu lieben, wie er ist.

KP: Für den KulturSommer am Kanal haben Sie in diesem Jahr „Die schöne Magelone“ inszeniert. In dem Stück werden die Liebenden voneinander getrennt. Was geschieht mit dieser unerfüllten Liebe?

Düwel: Der junge Peter, den es in die Welt hinaus verschlägt, wo er Abenteuer erlebt, vergewissert sich fern von Magelone seiner Fähigkeit zur Liebe. Mir fällt dazu ein Titel von Rio Reiser ein. Er singt „Halt dich an deiner Liebe fest“. Damit meint er nicht, dass man sich an den anderen festkrallen soll, sondern an seiner Fertigkeit zu lieben. Die Geschichte offenbart aber noch etwas anderes.

KP: Das da wäre?

Düwel: Dass man lernt, zu lieben, und dass man es erträgt, geliebt zu werden. Der allererste Reflex der erwachsenen Liebe ist, dass man sich gar nicht vorstellen kann, geliebt zu werden und wenn man geliebt wird, dass man es aushalten kann.

KP: Peter und Magelone. Ein junges Paar, frisch verknallt und kurz darauf wieder voneinander getrennt. Kann man da überhaupt von Liebe sprechen oder geht es eher um Verliebtheit?

Düwel: Zunächst ist es Verliebtheit. Indem sie sich vermissen, beginnen sie sich zu lieben. Ich würde da aber keine Kategorien aufbauen. Es ist vollkommen Ok, verliebt zu sein – dass eine Person kommt und wieder geht. Mein Freund und ich haben aus der Nähe heraus angefangen, uns zu lieben. Es gibt die unterschiedlichsten Wege. Man muss der Liebe zugestehen, dass sie überraschend sein kann.

KP: Eine überraschende Wendung ist das Umschlagen von Liebe in Hass. Mir fällt dazu der Satz Milan Kunderas ein: Im Reich des totalitären Kitsches herrscht die Diktatur des Herzens.

Düwel: Es gibt tatsächlich etwas Totalitäres im Gefühligen. Wenn jemand sagt, ich fühle etwas und das ist deshalb genauso für dich, wird es gefährlich. Etwas zu fühlen, ist etwas, was man selbst erlebt. Wenn man die Liebe erlebt und sie mit anderen teilen kann, ist das ein Glück.

KP: Kommen wir nochmal auf das Motto des diesjährigen KulturSommers am Kanal zu sprechen. Was war am Anfang – das Motto oder das Programm?

Düwel: Der Titel steht immer schon vor dem Programm fest. Bevor wir im Herbst die ersten Aufrufe für den nächsten KulturSommer starten, überlege ich mir, welche Themen in der Gesellschaft schwingen.

KP: Die Liebe – ketzerisch gesagt – kommt mir da eher nicht in den Sinn.

Düwel: Ich habe festgestellt, dass sich ganz allgemein ein Optimierungskult entwickelt hat. Nach dem Motto: Wenn ich mich gut ernähre, Sport treibe und wenn ich nur raffiniert und klug genug bin, habe ich Erfolg. Die Liebe ist die Antithese zur Optimierung. Die Liebe ist das Lebendige, Nichtkontrollierbare. Die Liebe ist das Medium, mit dem man seine Schwächen versöhnen kann.

KP: „Am Horizont…die Liebe“ – der Titel verweist auch auf die geografische Dimension des KulturSommers am Kanal. Geht es im Programm auch um Heimatliebe?

Düwel: Zunächst einmal ist Heimat für mich nicht auf Geografie beschränkt. Brahms ist für mich auch Heimat. Wenn man Glück hat, ist das, was man als Kind das erste Mal schmeckt, riecht und entdeckt, so schön, dass man es nicht wieder loswird. Sonst gibt es – wie gesagt – Brahms oder Rio Reiser.

KP: Das Festival zeichnet sich auch dadurch aus, dass viele Menschen aus dem Kreis sich an den Veranstaltungen beteiligen können. Haben Sie das Gefühl, dass das diesjährige Motto bei den Akteuren ankommt?

Düwel: Auf jeden Fall. Das Thema Liebe bewegt die Leute. Im produktiven Prozess – etwa bei den Proben – erlebe ich, dass viel darüber gesprochen wird. Das ist großartig.

KP: Herr Düwel, ich danke für das spannende Gespräch.

Mehr zum Start in den KulturSommer am Kanal lesen Sie unter

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/06/18/kultursommer-eroeffnet-in-ratzeburg/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/06/18/kinderchor-trifft-cello/

http://kultursommer-am-kanal.de/startseite/

 

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Stimmungsvoller Auftakt nach taktloser Ouvertüre

Wäre Frank Düwel ein ängstlicher Mann, er würde so etwas wie den KulturSommer am Kanal niemals auf die Beine stellen. Es gibt einfach zu viele Unwägbarkeiten auf dieser Welt. Künstler können beispielsweise an Sommergrippe erkranken oder im Stau stecken bleiben. Und was passiert, bitte sehr, wenn es wie aus Eimern kübelt oder eine Hitzewelle das Land in den Schwitzkasten nimmt?

Zum Glück ist Frank Düwel kein ängstlicher Mensch, weshalb die rund 300 Besucher am vergangenen Sonntag rund um das Gelände des Kreismuseums und des A. Paul Weber-Museums einen stimmungsvollen Auftakt des KulturSommers 2018 erlebten. Trotz einiger vermeintlicher Unwägbarkeiten: Anfangs tröpfelte es ein wenig, weshalb „Vielsaitig“, das Geigenensemble der Kreismusikschule kurz mit dem Gedanken spielte, ins Ratzeburger Kreismuseum umzuziehen. Ja, und dann hallte noch der Donnerschlag vom Sonnabend nach: Ein Freistoßtor in allerletzter Sekunde, das Deutschland bei der Fußball-WM einen Sieg über Schweden bescherte.

Eine ziemlich unpassende, ja taktlose Ouvertüre für das große Mittsommerfest, zu dem Frank Düwel mit seinem Team geladen hatte. „Ich hoffe, die Schweden schicken jetzt kein schlechtes Wetter zu uns herüber“, setzte Klaus Schlie (Foto) auf skandinavisches Fairplay und verkündete als Präsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg die offizielle Eröffnung des KulturSommers.

Frank Düwel hielt sich nicht weiter mit den vermeintlichen Unwägbarkeiten auf. Er lobte die „tolle Arbeit“, die Karin Kaminski als Leiterin des Ensembles „Vielsaitig“ leiste. Grundsätzlich zeigte sich der Intendant erfreut darüber, auf welch unkomplizierte Art und Weise solche Events im Rahmen des Festivals zustande kommen würden. „Das“, so Frank Düwel, „ist der KulturSommer am Kanal, wenn alle etwas machen, statt erst einmal einen Verein zu gründen.“

Der weitere Verlauf des Eröffnungstages ließ sich als Beleg dieser These lesen. Im Garten des Kreismuseums übten sich Männer, Frauen und Kinder im schwedischen Mittsommertanz. Mit wiegenden Schritten gingen sie aufeinander zu, trennten sich, standen Spalier, um dann wieder von vorne zu beginnen. Den Rhythmus für die Festgesellschaft gaben Mechthild von Frielingsdorf, Angelika von Erhard, Regina Thomsen, Margareta Schirmacher, Lorenz Stellmacher, Ronald Feldner, Uwe Thomsen und Günter Klose vor. Dabei bedienten sie sich nordischer Kompositionen, die sie mit Geigen, Nyckelharpa und Akkordeon zum Besten gaben. Wer dem Tanz nichts abgewinnen konnte, spazierte umher oder besorgte sich Kaffee und Kuchen im A. Paul Weber-Museum.

Stärkung war durchaus angebracht. Denn zum White Dinner und den Konzerten, die am Abend im Ratzeburger Dom auf dem Programm standen, war es noch ein paar Stunden hin. Auch Frank Düwel genehmigte sich einen Kaffee und ließ den gelungenen Start erst einmal sacken. Dabei durfte er sich über das Lob von Meinhard Füllner freuen: „Sie geben dem KulturSommer immer wieder ein anderes Gesicht“, hatte der Kreispräsident bei seiner Rede betont und hinzugefügt: „Ich bewundere das.“

Mehr zum KulturSommer:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/06/25/der-kultursommer-nimmt-fahrt-auf/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/06/25/die-liebe-ist-die-antithese-zur-optimierung/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/06/25/der-kultursommer-befluegelt-die-menschen/

 

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„Wer nominiert wird, kann stolz sein“

„In diesem Jahr beteiligen sich 1.100 Menschen aktiv am KulturSommer“, sagt Wolfgang Engelmann, Vizepräsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Was das mit dem Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg zu tun hat? Ganz einfach: Es zeigt, dass es in der Region einen riesigen Pool an Männern und Frauen gibt, die sich den Künsten widmen und von denen der eine oder andere womöglich als Kandidat in Frage kommt. Zumal der Kulturbegriff für die Preisvergabe sehr weit gefasst ist.

„Das ist eine Stärke des Preises“ sagt Engelmann. Die Zahl derer, die theoretisch in Frage kommen, sei groß und reiche von der Einzelperson bis hin zur Institution. Deshalb habe, wer nominiert wird, schon allen Grund stolz zu sein, so Engelmann, der erstmals in der Jury sitzt, die über die Preisevergabe entscheidet. „Am Ende“, fügt er hinzu, „kann schließlich nur einer gewinnen.“

Die Bedeutung des Kulturpreises der Stiftung Herzogtum Lauenburg gehe allerdings weit über die bloße Auszeichnung eines Kandidaten hinaus. Grundsätzlich stünden die Bereiche Kunst und Kultur immer ein wenig im Abseits. Deshalb seien das Verfahren und die Preisvergabe auch ein Akt der Anerkennung und Würdigung künstlerischer Arbeit in der Region.

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Storm-Preis für Frank Düwel

Tolle Auszeichnung für Frank Düwel: Die Theodor-Storm-Gesellschaft verleiht dem Intendanten des KulturSommers am Kanal den Theodor-Storm-Preis 2018. Ihm sei es mit seinen Storm-Theater-Projekten gelungen, „das Werk des Schriftstellers auf eine anspruchsvolle und zugleich frische Weise neu zu interpretieren“, heißt es in der Begründung.

Düwel hatte anlässlich des 100. Geburtstages des Schriftstellers 2017 das Stück „STORM – das Meer – die Geister – DU“ mit zwei Laiendarstellergruppen in Hamburg und Husum aufgeführt. Weiter zurück liegt eine dreiteilige Schimmelreiter-Inszenierung (2013 bis 2015). Aktuell arbeitet er an der Aufführung von „John Riew“.

„Frank Düwel hat sich diese Auszeichnung verdient. Seine Storm-Inszenierung war ein außerordentlich wichtiger Beitrag im Jubiläumsjahr“, begrüßte Klaus Schlie, Präsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg, die Entscheidung. Er sehe darin auch eine Adelung des KulturSommers am Kanal. Immerhin habe die Uraufführung von „STORM – das Meer – die Geister – DU“ im Rahmen des Festivals standgefunden, was dessen hohe künstlerische Bedeutung unterstreiche.

Glückwünsche kamen auch von Andrea Funk, Geschäftsführerin der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Sie lobte seine Kreativität, die sich Jahr um Jahr in den Veranstaltungen zum KulturSommer widerspiegele. Das kreisweite Festival findet unter dem Dach der Stiftung Herzogtum Lauenburg statt.

Der Theodor-Storm-Preis wird alle vier Jahre von der Stadt Husum vergeben. Er ist mit 8.200 Euro dotiert. 2014 war die Auszeichnung an den FAZ-Journalisten und Autor Tilman Spreckelsen gegangen.

 

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Ein Highlight jagt das nächste

Die Stiftung Herzogtum Lauenburg hat ihr Programm für das erste Halbjahr 2018 vorgelegt. In dem fünfzigseitigen Heft finden sich Konzerte, wissenschaftliche Vorträge, Ausstellungen und Plattdüütsches. Insgesamt sind es 39 Veranstaltungen, die von Januar bis Juni im Kreisgebiet anstehen. Für den Großteil konnte die Stiftung Kooperationspartner wie den Folkclub Herzogtum Lauenburg und den Förderverein Möllner Folkfeste gewinnen. Diese beiden sind zusammen auch für das erste Highlight im neuen Jahr verantwortlich – den Auftritt von Terje Isungset und Maria Skranes im Möllner Stadthauptmannshof. Der Norweger Isungset macht Musik auf Eisinstrumenten. Landsfrau Skranes begleitet ihn mit ihrem Gesang.

Höhepunkte dürften auch die wiederkehrenden Veranstaltungen sein. An erster Stelle sei hier der KulturSommer am Kanal genannt, der vom 24. Juni bis 23. Juli unter dem Titel „Am Horizont… die Liebe“ auf dem Programm steht. Hinzu kommen beliebte Events wie das Pegasus-Open-Air und das Autorentreffen Niederdeutsch im Mai oder das Frühjahrskonzert des LandesJugendOrchesters im April. Darüber hinaus geht die „Kultur auf Dorf-Tour“ in die nächste Runde. Überdies gibt es eine Frühjahrausstellung der Fotofreunde Schwarzenbek sowie diverse Vorträge der Lauenburgischen Akademie.

Die Reihe „Die Akademie geht aufs Land“ bietet die Möglichkeit, historische Besonderheiten direkt vor Ort den Einwohnern nahezubringen. Interessierte wenden sich an die Geschäftsstelle der Stiftung, erreichbar unter Tel. 04542/87000 oder per Mail unter info@stiftung-herzogtum.de.

Das Programm des ersten Halbjahrs ist ab sofort im Stadthauptmannshof Mölln, in den Tourist-Informationen des Kreises sowie bei den Kooperationspartnern erhältlich.

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Besuch vom Maueröffner

Harald Jäger ist der Mann, der die Mauer öffnete. Foto: Andreas Schoelzel

Viele Deutsche, die den 9. November 1989 erlebt haben, wissen heute noch, wo sie an diesem Tag waren und was sie damals taten. Einer, der es auf jeden Fall weiß und es niemals vergessen wird, ist Harald Jäger. Der ehemalige Grenzbeamte der untergegangenen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) tat an diesem Tag Dienst am Grenzübergang Bornholmer Straße. Zum Tag der Deutschen Einheit – am 3. Oktober um 15 Uhr – spricht er im Möllner Stadthauptmannshof über seine Erlebnisse.

Der Grenzübergang Bornholmer Straße befindet sich an der ehemaligen Berliner Zonengrenze. Jäger war dort am 9. November 1989 Diensthabender Chef. Als er seinen Dienst antrat, wusste er noch nicht, dass ein gewisser Herr Schabowski einen Beschluss der SED-Spitze fehlinterpretierte und dafür sorgte, dass in weniger als einer Stunde sich tausende auf den Weg machten, um die Grenze nach Westen zu überqueren.

Jäger wurde zum Maueröffner und veränderte so den Lauf der deutschen Geschichte für immer. Über seinen Grenzübergang gelangten in nicht einmal einer Stunde geschätzt an die 20.000 Menschen in die Bundesrepublik. Er gehört zu den wenigen noch lebenden Akteuren des 9. November, die auf das Geschehen aktiv Einfluss nahmen.

Bevor Jäger zu Wort kommt zeichnet Lothar Obst (Mölln) zur Einführung das damalige Geschehen mit Hilfe von Zeitdokumenten nach. An die atemberaubende Biographie eines Schicksalstages der deutschen Geschichte schließt sich dann ein Interview mit Jäger und eine Diskussion an.

Die Veranstaltung gehört in die von der Lauenburgischen Akademie organisierten Reihe „Zeitzeugen der deutschen Geschichte“.

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Kulturknotenpunkt unterstützt Museen

Basisorientiert und unkompliziert, so soll das Netzwerktreffen für Museen in der Region sein. Referentin Dagmar Rösner stellte das Programm jetzt vor.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Um die kleineren und mittleren Museen zu unterstützen, gründet das Projekt „Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein“ gemeinsam mit den fünf Kulturknotenpunkten im Land regionale Museumsnetzwerke. Den Auftakt macht der Kulturknotenpunkt Herzogtum Lauenburg / Stormarn mit einem Netzwerktreffen am 26. September im Stadthauptmannshof in Mölln.
„Wir freuen über den Start dieses Projektes bei uns im Stadthauptmannshof“, sagte Geschäftsführerin Andrea Funk von der gastgebenden Stiftung Herzogtum Lauenburg bei der umfassenden Programmvorstellung. „Wir werden bei unserem ersten Treffen das Thema „Vermittlung“ umfassend beleuchten“, informierte Referentin und Projektleiterin Dagmar Rösner. Sie arbeitet in der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein. Neben der klassischen Museumspädagogik, die sich an Kinder und Jugendliche wendet, steht der Begriff Vermittlung auch für ein neues Feld: Menschen, die an Demenz leiden, können sich gerade in Museen mit einer heimatkundlichen oder landwirtschaftlichen Ausrichtung gut an Vergangenes erinnern. „Gerade für diese Zielgruppe, entwickeln wir für die Museen Hilfsmittel“, so die Kunsthistorikern, die zuvor in Eckernförde im Museum auch als Kuratorin tätig war.
Merle Lungfiel, Geschäftsführerin des für die Kulturknotenpunkte landesweit koordinierend tätigen Landeskulturverbands Schleswig-Holstein e.V. betonte in Mölln: „Wir begrüßen die Kooperation zwischen dem Projekt „Museumsberatung und -zertifizierung“ und den Kulturknotenpunkten sehr – so wird ihre Position als kulturelle Kompetenzzentren in den einzelnen Regionen weiter gestärkt.“

Dagmar Rösner schilderte die Situation im Lande so: “In Schleswig-Holstein gibt es 232 Museen, 110 von ihnen zählen zu den Volkskunde- und Heimatmuseen. Diese Museen bilden das kulturelle Gedächtnis der Regionen, sind im ländlichen Raum wichtige Veranstaltungsorte für Volkshochschulen, Künstler, Schriftsteller und Musiker und für viele Grundschüler sind sie das erste Museumserlebnis ihres Lebens. Umso wichtiger ist es, dass diese Museen zukunftsfähig aufgestellt sind. Eine ansprechende Ausstellungsgestaltung und eine qualitätsvolle Vermittlungsarbeit sind unerlässlich, um die Besucher von heute und morgen für die Museen zu begeistern. Oft mangelt es diesen Häusern jedoch an personellen und finanziellen Ressourcen – 51 % der schleswig-holsteinischen Museen werden rein ehrenamtlich geführt, viele Stadtmuseen sind lediglich mit einer Museumsleitung mit einer halben bis ganzen Stelle besetzt.“
In den 2015 vom Kulturministerium initiierten Kulturknotenpunkten sieht Dagmar Rösner, eine vollkommen neue Chance, diese Museen zu unterstützen: „In unserem Flächenland leisten die Kulturknotenpunkte genau das, was der Kultur im ländlichen Raum immer gefehlt hat: Mit ihnen wurde endlich eine kulturelle Infrastruktur geschaffen, die auch Kultureinrichtungen in den entlegensten Gebieten Schleswig-Holsteins erreicht. In den regionalen Museumsnetzwerken werden wir die Museen zwei Mal im Jahr in die Kulturknotenpunkte einladen, um in einem unkomplizierten Veranstaltungsformat ganz konkrete Kontakte untereinander und zu freien Mitarbeitern herzustellen.“
Beim ersten Treffen im Kulturknotenpunkt Herzogtum Lauenburg / Stormarn geht es zunächst um eine Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse, im zweiten Schritt sollen dann ganz konkrete Kontakte zwischen freien Museumspädagogen und den Museen hergestellt werden. Rösner: „Wir freuen uns, wenn sich auch freie Museumspädagogen oder an einer Vermittlungsarbeit im Museum Interessierte zum Netzwerktreffen am 26. September anmelden“.

In den regionalen Museumsnetzwerken können sich von nun an die Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter einer Region regelmäßig austauschen und Synergieeffekte nutzen. Jedes Treffen wird sich einem speziellen, museumsrelevanten Thema widmen: Neben der „Vermittlung“ wird es u.a. um „Barrierefreiheit“, „Gesellschaftliche Teilhabe im Museum“, „Kulturtourismus“, „Servicequalität“, „Kultursponsoring“ und „Präventive Konservierung“ gehen. Das Projekt „Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein“ ist in der Trägerschaft des Museumsverbands Schleswig-Holstein und Hamburg e.V., des Nordkollegs Rendsburg und des Landesverbands der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e.V. Das Projekt wird zu 80 % vom Kulturministerium finanziert und durch die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein gefördert. „Es ist uns wichtig“, so Dagmar Rösner, „dass wir nicht nur die Museen unterstützen, die sich einer Zertifizierung stellen. So bieten wir jedes Jahr ein Fortbildungsprogramm zu den von ICOM (International council of museums) definierten Standards für Museen an, an dem alle Museen in ganz Schleswig-Holstein teilnehmen können; unabhängig von einer Zertifizierung.“

Regionales Netzwerktreffen im Kulturknotenpunkt Herzogtum Lauenburg / Stormarn ist am Montag, 26. September 2016, 15:00 – ca. 17:00 Uhr Im Stadthauptmannshof, Hauptstraße 150, 23879 Mölln
Anmeldung noch bis zum 21.9.2016 unter: info@stiftung-herzogtum.de oder 04542 – 87000.