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„Die Resonanz an Weihnachten motiviert“

Im Organistenhaus gibt es am Montagmorgen frischen Kaffee. Gastgeber Christian Skobowsky hat ihn gekocht. Der gebürtige Potsdamer ist seit mehr als zehn Jahren Kantor der Ratzeburger Domgemeinde. Mit im Büro des Musikers sitzt sein Kollege Thimo Neumann, der dieses Amt seit Juni für die Möllner St. Nicolai-Gemeinde ausübt. Der alte Hase und der Neuling – beide lieben ihren Beruf und freuen sich auf die Weihnachtszeit, wie sich im Interview mit dem Kulturportal herausstellt. Allerdings, räumt Skobowsky ein, hätte er angesichts des zeitlichen Organisierungsaufwands gerne etwas mehr Zeit für die eigentliche Musik.

Kulturportal: Herr Skobowsky, Herr Neumann – was verbinden Sie mit Weihnachten? Lust oder Last?

Christian Skobowsky: Also, wenn Sie darauf hinauswollen, dass man in der Adventszeit mehr zu tun hat, muss ich das verneinen. Als Domkantor hat man immer viel zu tun. Um auf Ihre Frage einzugehen: Bei mir überwiegt die Lust. Weihnachten ist die Resonanz auf die Arbeit am Größten. Das motiviert mich.

Thimo Neumann: Für mich ist es das erste Weihnachten in der St. Nikolai-Gemeinde und somit alles neu. Ich freue mich auf die Zeit. Ich bin gespannt, wie die Chöre mitziehen.

KP: Wie steht es mit der Musikauswahl? Können Sie frei darüber entscheiden?

Skobowsky: Für mich ist es mittlerweile das 11. Weihnachtsfest mit der Dom-Gemeinde und ich kann die Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten. Ich habe beispielsweise Orgelmusik von Olivier Messiaen mit ins Weihnachtsprogramm genommen. Damit macht man sich nicht bei allen beliebt. Aber unser Auftrag ist es, das breite Spektrum der Weihnachtsmusik abzubilden.

Neumann: Wenn ich an Weihnachten Passionsmusik zur Aufführung bringen würde, wäre das natürlich schlecht. Aber solange die Musik in den Rahmen passt, bin auch ich frei bei der Auswahl.

Skobowsky: Mir liegen beispielsweise die Adventslieder am Herzen. Deshalb versuche ich zwischen Weihnachts- und Adventsaufführungen zu differenzieren, was sich nicht immer so leicht umsetzen lässt. So führen wir am 16. und 17. Dezember das komplette Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf. Streng genommen dürfte es nicht vor dem 25. Dezember erklingen.

Neumann: Wir präsentieren am 9. Dezember unter anderem die erste Kantate des Weihnachtsoratoriums. Am dritten Advent steht dann das traditionelle Adventssingen auf dem Programm. Das ist ein richtiges Familienevent.

Skobowsky: Ich bewege mich natürlich vor allem in Genres, die mir gefallen und die ich beherrsche. Ich bin musikalisch in dem zu Hause, was heute als „klassisch“ bezeichnet wird.

KP: Beziehen Sie die Chöre bei der Programmgestaltung mit ein?

Skobowsky: Ich entwickle Ideen und stelle sie dann vor. Meistens werden sie für gut befunden. Dabei gehe ich auch ergebnisoffen an eine Sache heran und reagiere auf die Stimmung. So habe ich beispielsweise mal vorgefühlt, ob das Weihnachtsoratorium von Bach unbedingt jedes Jahr aufgeführt werden muss. Nein, hat mir der Domchor signalisiert. Das gibt mir natürlich mehr Spielraum für andere Werke.

Neumann: Für mein erstes Weihnachten in der St. Nicolai-Gemeinde habe ich mir zunächst einmal angesehen, was für ein Liederrepertoire die Chöre haben und dann für Weihnachten alles ins Blaue geplant. Das ist natürlich risikobehaftet, aber ich hoffe, dass es gutgeht.

Skobowsky: Wir arbeiten mit Laienchören. Das sollte man nie vergessen. Die Vorstellungen, welche ich und die Sänger haben, können sehr unterschiedlich sein. Deshalb sollte man immer behutsam an die Sache herangehen.

Neumann: Aber man muss schon auch an die Grenzen gehen. Chöre brauchen die Herausforderung, um über sich hinauswachsen zu können. Wenn sie nur noch leichte Sachen machen, schwindet die Motivation.

Kulturportal: Und was passiert, wenn die Herausforderung zu groß ist?

Skobowsky: Dann gibt es schon mal jemanden, der frustriert ist. Solche Reaktionen sind allerdings die Ausnahme. Im Übrigen gilt für das Gelingen eine klare Regel: Geplante Aufführungen dürfen niemals gegen den Chor gehen.

Neumann: Wenn man immer gegen den Strich bürstet, bildet sich keine Gemeinschaft.

Kulturportal: Sie haben vorhin betont, dass Sie es mit Laienchören zu tun haben. Andererseits staunt das Publikum, was für anspruchsvolle Werke diese Laien auf die Bühne bringen…

Skobowsky: Das ist wirklich erstaunlich. Zumal viele keine Noten vom Blatt lesen können. Trotzdem sind sie in der Lage, ein kompliziertes Werk zu singen.

Kulturportal: Was Zeit und Mühe kostet…

Neumann: Viele fahren direkt von der Arbeit zur Chorprobe.

Skobowsky: Man muss das unterstreichen. Die Leute machen das freiwillig und opfern ihre Freizeit.

Kulturportal: Wie lange dauert es eigentlich, bis beispielsweise so ein komplexes Werk wie das Weihnachtsoratorium sitzt?

Neumann: Wir haben direkt nach den Sommerferien angefangen, das Weihnachtsrepertoire – also auch die erste Kantate des Oratoriums – einzuüben.

Kulturportal: Wie oft proben die Chöre?

Skobowsky: Unsere Chöre treffen sich einmal wöchentlich für zwei Übungsstunden. Manchmal kommen noch Probentage oder ein Chorwochenende hinzu.

Kulturportal: Für das Bach-Oratorium brauchen Sie zusätzlich Instrumentalisten und Gesangssolisten.

Skobowsky: Gut, dass Sie das ansprechen. Zu so einem Auftritt gehört noch weit mehr als die Chorproben. Die Planungen beginnen deshalb anderthalb bis zwei Jahre vorher. Allein die Auswahl der Gesangssolisten nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich wähle immer erst einen Sänger aus und schreibe ihn an. Wenn ich von diesem Kandidaten eine Zusage erhalte, suche ich die anderen aus. Beim Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach sind es vier Solisten – die vier müssen zueinander passen!

Neumann: Ich habe mir eine Liste mit Solisten angelegt, auf die ich zurückgreife. Da stehen Leute drauf, die man schon mal in einem Konzert gehört hat. Welche Sänger man dann auswählt, kommt immer auch auf das Stück an – ob es sich beispielsweise um eine Komposition aus dem Barock oder der Romantik handelt.

Kulturportal: Das klingt anstrengend. Und wie gehen Sie bei der Auswahl der Instrumentalisten vor.

Skobowsky: Das ist etwas einfacher. Da bucht man ein festes Ensemble und legt fest, welche Besetzung man haben will.

Kulturportal: Das Weihnachtsoratorium ist für Sie beide kein musikalisches Neuland. Empfinden Sie das als Vorteil?

Skobowsky: Nein. Wiederaufnahmen sind nicht unbedingt leichter. Schließlich entwickelt man sich musikalisch weiter. Richtig schwierig kann es werden, wenn der Chor die Vorstellungen des Vorgängers noch im Ohr hat.

Neumann: Was bei mir der Fall war…

Skobowsky: Eigentlich sollte man so ein Stück dann möglichst lange liegen lassen.

Neumann: Sie liefern als neuer Dirigent nicht nur eine andere Interpretation, sondern auch eine andere Körpersprache. Es braucht Zeit, bis die Sänger erkennen, was man von ihnen will. Manchmal läuft eine Probe überhaupt nicht. Doch das Bemerkenswerte ist, dass der Chor dann häufig eine Woche später einen Riesenschritt nach vorne macht.

Skobowsky: Nach zehn Jahren habe ich natürlich großes Vertrauen in meine Chöre. Selbst wenn ich bei der vorletzten Probe merke, dass es knapp wird, kann ich mich auf sie verlassen.

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Seit wann feiern wir Christi Geburt?

Im Zuge der großen Ausstellung „und legte ihn in eine Krippe“, die derzeit im Möllner Stadthauptmannshof zu sehen ist, setzt sich Organisator und Leihgeber Lothar Obst in Vorträgen mit den verschiedensten Aspekten des Weihnachtsfestes auseinander. Am Donnerstag, 21. Dezember, widmet er sich der Frage, seit wann die Christenheit Weihnachten feiert. Zudem stellt er unter dem Motto „Wenn Zeitzeugen reden könnten“ Gedankenspiele an, indem er sich in die Rolle von König Herodes, des Herbergswirtes und des Hirtenjungen hineinversetzt. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr. Im Anschluss führt Obst seine Gäste durch die Krippenausstellung.

Das Weihnachtsfest gehört zu den jüngsten Festen der Kirche. Von der Ur-Christenheit wurde es überhaupt nicht gefeiert, Geburtsdatum und Geburtsjahr Christi waren nicht wichtig und schlichtweg nicht bekannt. Als Erste begannen christliche Gemeinden in Kleinasien und Ägypten das Epiphanias-Fest zu feiern, das Fest der Erscheinung Christi am 6. Januar. Die abendländische, europäische Kirche kam zu einer anderen Deutung: Ausgehend vom spätrömischen Kalender, dem Fest des syrischen Sonnengottes „Naturalis Solis Invicti“, und beeinflusst durch die persische Mithra-Religion, die von römischen Legionären ins Reich gebracht worden war, hatte die Datierung der Geburt Christi vor allem religionspolitische Gründe, indem die früheren volkstümlichen, heidnischen Licht- und Winterfeste vom Christentum aufgefangen und umgewandelt wurden.

Auch die Kalenderreformen hat das Weihnachtsfest jahrhundertelang beeinflusst. Lange Zeit bildete es den Jahresanfang. Erst Papst Innozenz XII. legte 1691 den Neujahrstag auf den 1. Januar, und im Heiligen Reich Deutscher Nation dauerte es sogar bis 1776, ehe durch ein kaiserliches Dekret von Maria-Theresia und ihrem Sohn Josef II. der 1. Januar allgemein als Jahresbeginn vorgeschrieben wird. Es ist das gleiche Jahr, in dem Thomas Jefferson die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verfasst.

In seinem Vortrag erklärt Lothar Obst auch die Entstehung der jüdischen Woche, die zunächst römischen und dann germanischen Namen der Wochentage, das auf dem Sonnenkalender beruhende römische Jahr, den mondabhängigen Ostertermin sowie die sich daran ausrichtenden beweglichen Feste des Kirchenjahres, eine fast 2.000 Jahre alte kalendarische Ordnung von Festen und Werktagen, von Arbeitszeit und Freizeit.

 

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Auftritt der Nachwuchskönner

Vorhang auf für die Nachwuchskönner: Die Kreismusikschule Herzogtum Lauenburg lädt am Sonntag, 19. November, zum Festkonzert im Rahmen des Musikschulwettbewerbs in die Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule (Ratzeburg) ein. Los geht es um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Musikschulwettbewerbs gestalten ein virtuoses, überaus anspruchsvolles und abwechslungsreiches Musikprogramm. Musicalmelodien und Kompositionen aus dem Jazz und der Rockmusik und ständig wechselnden Besetzungen werden die jungen Talente im Alter zwischen sechs und 18 Jahren, darunter auch zahlreiche Preisträger des Wettbewerbs Jugend musiziert, ihre großen Begabungen öffentlich unter Beweis stellen. Eröffnet wird die Festveranstaltung vom Kreispräsidenten Meinhard Füllner.

Ein Grußwort erfolgt durch den Bürgermeister der Stadt Ratzeburg, Rainer Voß. Im Verlauf der nunmehr 23. Festveranstaltung werden besonders begabte Schülerinnen und Schüler für ihre musikalische Jahresarbeit ausgezeichnet.

Die Kreismusikschule unterrichtet zurzeit 1.500 Schülerinnen und Schüler in allen Teilen des Kreises. Neben der Hauptaufgabe, kreisweit einer musikalischen Breitenförderung für Kinder und Jugendliche nachzukommen, ist es auch Aufgabe der Kreismusikschule, eine flächendeckende Begabtenfindung und Begabtenförderung zu betreiben. So konnten in den letzten 20 Jahren über 750 Schülerinnen und Schüler eine leistungsgerechte Förderung durch private Spenden erhalten. Insbesondere diese Schülerinnen und Schüler pflegen und fördern das Kulturgut Musik durch zahlreiche öffentliche Auftritte im Jahr. Infos über kreisweite Unterrichtsangebote der Kreismusikschule unter Tel. 04541-888332.

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Thimo Neumann gibt den Ton an

Seit Anfang Juni ist Thimo Neumann der Mann, der in der Kirchengemeinde St. Nicolai den Ton angibt. Sechs Chöre leitet der Kirchenmusiker – zwei Kindergruppen, einen Gospelchor, die Schola, die Kantorei und ein Ensemble, das sich der Gregorianik verschrieben hat. Und er ist der Mann an der Orgel.

Zuvor ging er in Wohldorf, einer Gemeinde in Hamburg-Ohlstedt, seinem Beruf nach. Mölln kannte er bis dato nur vom Namen. Die neue Arbeitsstelle war für ihn somit ein Sprung ins Ungewisse. Bereut hat er ihn nicht. Längst hat er herausgefunden, dass es sich mit seinen Chören gut arbeiten lässt, dass er in Mölln etwas bewegen kann. „Alle Chöre haben eine Perspektive“, sagt er.

Die Melodie des Zufalls, der er sich mit seinem Dienstantritt unterworfen hat, entpuppt sich somit in der Praxis als eine stimmige Komposition. Das gilt nicht nur für die Chöre. Auch sonst fühlt er sich in seiner neuen Gemeinde gut aufgehoben. „Hier herrscht eine offene und nette Atmosphäre. Die Menschen sind sehr kommunikativ“, meint Neumann. Die Zusammenarbeit klappe gut – ob mit den Sängerinnen und Sängern, den fünf Pastoren oder den Kollegen im Kirchenbüro.

Kummer bereitet dem 30-Jährigen allein der Zustand der historischen Orgel in der St. Nicolai-Kirche. Das Instrument, das im frühen 15. Jahrhundert erbaut wurde, leidet an Altersschwäche. „Die Pfeifen sind bröckelig“, sagt Neumann. Die Technik falle zusehends aus. Immerhin – so viel steht fest, die Restaurierung des Kulturdenkmals ist lediglich eine Frage der Zeit. Der Orgelbauverein habe bereits 1 Million Euro an Spenden gesammelt. Um das Vorhaben in die Tat umzusetzen, brauche es allerdings 1,7 Millionen Euro.

Die Altersschwäche der Orgel hat Neumann allerdings davon abgehalten, sich in die musikalische Arbeit zu stürzen. Für Weihnachten arbeitet er mit jedem seiner sechs Chöre an einem großen Auftritt. Die Kantorei etwa wird die Mendelssohnsche Reformationssymphonie, romantische Werke von Schubert und das Weihnachtsoratorium singen, und der Gospelchor widmet sich einem Mix aus Filmmusik, Popsongs und geistigen Liedern.

Damit die Ensembles zu Klangkörpern verschmelzen und die Auftritte zu Erfolgen werden können, wird kräftig geübt. All das kostet natürlich Zeit. Neumann muss jetzt in einem anderen Rhythmus musizieren als zu Hamburger Zeiten, als er den Taktstock noch in Teilzeit schwang. In Mölln umfasst seine Klaviatur offiziell 40 Stunden und jetzt – während seiner Einarbeitungszeit – sogar noch „wesentlich mehr“. Allein achteinhalb Stunden pro Woche probt Neumann mit den Chören. Hinzu kommt die Vorbereitung der Übungsstunden, seine Auftritte in den Gottesdiensten und, und, und.

Doch Neumann lässt keinen Zweifel, dass er diese Anstrengungen gesucht hat. Er macht jetzt das, was er schon immer machen wollte. Bereits als Jugendlicher habe er mit Begeisterung Kirchenorgel gespielt – wie auch seine beiden Brüder. Wenn bei einem Pastor einer umliegenden Kirchengemeinde ein Organist ausgefallen sei, erinnert er sich, habe bei den Neumanns das Telefon geklingelt. Der Schritt zum Kirchenmusikstudium sei von da nicht wirklich weit gewesen. Neumann wählte die Orgel als Hauptfach. Sein Zweitfach war das Dirigieren – auch das keine Überraschung in der Rückschau. Schließlich war seine Mutter Chorleiterin.

In Mölln ist Neumann nun am Ziel angelangt. Er räumt aber ein, dass es keineswegs sicher war, dass er es jemals erreichen würde. „In Deutschland gibt es nur 250 solcher Stellen, wie ich sie hier habe. Darauf kommen 350 Studenten.“

Der junge Kirchenmusiker hat also gleich in mehrerlei Hinsicht das große Los gezogen: jobtechnisch, musikalisch, menschlich und gemeindlich. Allerdings bleibt selbst (s)ein Traumberuf nicht ganz ohne Misstöne. „Es gibt schon mal Streit“, sagt er. Auf der jüngsten Chorfreizeit beispielsweise waren Sänger und Chorleiter sich uneins, wie viel Zeit in die eigentliche Chorarbeit gesteckt werden soll. Auch in diesem Fall gab Neumann den Takt vor. Am Ende mussten die Sänger länger üben, als sie gedacht hatten. (kp/Foto: kulturportal-herzogtum.de)

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Ein starkes Stück!

Fünf für „Das beste Stück“: Die Organisatoren um Andrea Funk (rechts), Geschäftsführerin der Stiftung Herzogtum Lauenburg, freuen sich auf die Entdeckungstour durch die Museumswelt der Kreise Herzog Lauenburg und Stormarn. Foto: kulturportal-herzogtum.de

Das ist ein starkes Stück – der Kulturknotenpunkt Mölln, die Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein, der Kreis Stormarn und die Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH laden am Sonntag, 15. Oktober, zur Entdeckungstour durch die Museumswelt Stormarns und des Kreises Herzogtum Lauenburg ein. Dafür machen sich vier Busse auf den Weg. Jeder folgt einer eigenen Route und steuert jeweils vier Museen an. Die 16 Häuser präsentieren dabei alle ein Highlight aus ihrer Sammlung: „Das starke Stück“.

Tour 1 startet in Ratzeburg, Demolierung. Erstes Ziel ist das Grenzhus Schlagsdorf. Weiter führt der Weg über das Museum Vergessene Arbeit in Steinhorst und den Ausstellungsort „Von Hus un Hoff“ in Linau nach Grönwohld in die Drahtmühle.

Tour 2 macht sich vom Mühlenplatz in Mölln auf den Weg. Erste Station ist die Naturparkscheune Hollenbek. Von dort geht es zum Amtsrichterhaus in Schwarzenbek. Station Nummer 3 ist das Elbschifffahrtsmuseum Lauenburg. Zum Abschluss hält der Bus am Museum Geesthacht, wo sich der Förderkreis Industriemuseum vorstellt.

Tour 3 beginnt in Geesthacht. Die Teilnehmer treffen sich in der Bergedorfer Straße 28 am GeesthachtMuseum. Im Anschluss steuert der Bus den Lokschuppen Aumühle an. Weiter geht es zur Glinder Kupfermühle, ehe der Bus zum Schluss am Zugpferdemuseum in Lütau Station macht.

Tour 4 startet in der Hamburger Straße 3 im Museum Bargteheide. Weitere Ziele sind das Museum Rade am Schloss Reinbek, das Bismarck-Museum in Friedrichsruh und das Stormarnsche Dorfmuseum in Hoisdorf.

Die Touren dauern rund sieben Stunden. Die vier Busse fahren alle um 10 Uhr ab. An „Bord“ gibt es kostenlose Getränke und Snacks. Gegen 12 Uhr ist eine Mittagspause vorgesehen. Die Teilnehmer können dann auf eigene Kosten in einem Restaurant essen.

Anmeldungen nimmt der Kulturknotenpunkt Mölln, c/o Stiftung Herzogtum Lauenburg, bis zum 8. Oktober unter Tel. 04542-87000 oder per Mail unter info@stiftung-herzogtum.de entgegen. Weitere Informationen gibt es unter www.16museen.de.

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Theater im Domhof

Die berühmten Bretter, die die Welt bedeuten – sie liegen ab dem 15. August auf dem Ratzeburger Domhof aus: Das Ensemble „Theater im Stall“ bittet unter freiem Himmel zur Premiere von „Wie im Himmel“. Es ist der Startschuss für die 4. Auflage des Ratzeburger Open Air-Theaters.

Das Stück erzählt die Geschichte des erfolgreichen Dirigenten Daniel Daréus. Gleichzeitig bietet es Einblicke in die Lebenswelten einer kleinen Dorfgemeinde, in die der Musiker nach Jahren in der Fremde zurückkehrt. Um die Story auf die Bühne zu bringen, musste es Regisseurin Maren Lubenow komplett umschreiben. Als Grundlage nutzte sie das Filmscript. Neben den Regieanweisungen für die Theateraufführung stammt auch der Großteil der Dialoge aus ihrer Feder. „Dafür habe ich die Nächte in den Osterferien durchgearbeitet“, sagt die Regisseurin, die für die Theater im Stall-Aufführung „Ganz oder gar nicht“ schon einmal ein Filmscript bühnentauglich gemacht hat.

Ihre Fassung von „Wie im Himmel“ setzt im Vergleich zum Kinohit inhaltlich einen weiteren Akzent: Die einzelnen Dorfbewohner haben bei ihr mehr Gewicht, das Beziehungsgeflecht innerhalb des Ortes wird stärker in den Mittelpunkt gerückt. Um die Geschichte umzusetzen, braucht es 21 Schauspieler und jede Menge harter Arbeit: „Wir haben in den letzten Wochen rund 17 Stunden im Schnitt geprobt“, sagt Lubenow.

Am Dienstag, 15. August, um 20.30 Uhr geht es nun los. Mit auf der Bühne steht dann Angela Bertram, die für Theater im Stall auch schon Regie geführt hat. Sie freut sich auf die Premiere und die folgenden Aufführungen des Stücks – wegen der „besonderen Atmosphäre“ auf dem Ratzeburger Domhof.

Besonders ist auch das Schauspiel unter freiem Himmel: „Man muss anders agieren“, sagt Bertram. „Größer spielen, um die Zuschauer weiter weg zu erreichen.“ Zudem müssen die Schauspieler eine gewisse Wetterfestigkeit an den Tag legen. „Wir spielen auch bei Nieselregen“, erzählt sie – wie etwa beim ersten Open Air, als das Ensemble „Hexenjagd“ von Arthur Miller aufführte. Trotz des schlechten Wetters damals könne sie sich nicht daran erinnern, dass hinterher jemand krank geworden sei.

Gleichwohl hofft sie wie alle anderen Beteiligten auf gutes Wetter. Nach der Premiere sind bis zum 27. August noch zehn weiter Aufführungen geplant. Die Vorstellungen am 18., 19. und 26. August sind bereits ausverkauft. Tickets gibt es noch für den 16., 17., 20., 23., 24, 25. und 27. August. Karten können unter http://www.theater-im-stall.de/index.php/karten.html vorbestellt oder direkt an der Abendkasse erworben werden. Die vorbestellten Tickets liegen am Tag der Aufführung ab 19.30 Uhr an der Abendkasse bereit.

Dirigent Daniel Daréus bittet zur Chorprobe.       Foto: Theater im Stall

 

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Trauer um Mario Schäfer

Verstorben: Mario Schäfer.
Foto: Gerkens-Harmann

Seit 1994 verkörperte er die traditionelle Möllner Symbolfigur Till Eulenspiegel. Völlig unerwartet starb der Wahl-Möllner Mario Schäfer mit 52 Jahren.

Mölln – Freundlich, selbstbewusst und in seiner stets zugewandten Art, hatte Mario Schäfer über 20 Jahre die Figur des Narren in Mölln verkörpert. Im traditionellen Kostüm, mit Glocken-Kappe und Stock war er in der Stadt bei den unzähligen offiziellen Veranstaltungen unterwegs. Doch auch als ernsthafter Schauspieler bei der Amateurtheater-Gruppe „Eulenspiegelaien“ hatte er seine großen Rollen und agierte außerdem sehr erfolgreich bei  Aufführungen der „Eulenspiegel-Festspiele“, zuletzt 2015, mit. Er war einfach der überall sehr beliebte Schalk Till Eulenspiegel seit fast einem Vierteljahrhundert und weit über die Grenzen des Heimatkreises bekannt. Mario Schäfer, der aus Thüringen in den Norden zog, als er die offizielle Anstellung zum „Eulenspiegel“ erhielt, war seither bei der Kurverwaltung der Stadt Mölln beschäftigt.

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Fest der Kulturen – einfach klasse!

Gemeinschaft, Lebensfreude und Teilnahme, Kunst, Musik und Tanz aus vielerlei Ländern der Erde führte beim „Fest der Kulturen“ im Möllner Stadthauptmannshof rund 200 Menschen aus weitem Umkreis zusammen.

Mölln – Die Kulturbeiräte der gastgebenden Stiftung Herzogtum Lauenburg hatten auf gute Resonanz bei ihrem Begegnungsnachmittag mit Flüchtlingen und Migranten gehofft, die Zahl der Besucher toppte jedoch alle Erwartungen – zeitweise fanden gar nicht alle Platz im großen Saal. Das künstlerische Rahmenprogramm mit Bildern, Objekten und Videos, musikalischen und literarischen Darbietungen gab den heimischen wie den aus der Fremde gekommenen Menschen Gelegenheit, ein Stück ihrer Kultur zu zeigen, die der anderen zu erleben und gemeinsam aktiv zu werden. Daneben blieb ausreichend Raum für persönliche Begegnungen. Viel Herz(blut) war im Spiel bei diesem Fest. Stiftungspräsident Klaus Schlie dankte dafür sowohl den Beiräten als Ideengebern als auch allen Aktiven und unterstützenden Mitwirkenden im Hintergrund.
Sehen öffnet Geist und Herz
Das facettenreiche Programm nahm die Besucher auf und mit. Von Flüchtlingen geschaffene Bilder zierten die großen Wände des Hauses. Khaled Abdulkader (Eritrea), der in Büchen lebt, zeigte im Foyer eine Auswahl seines malerischen und zeichnerischen Schaffens. Aus Ratzeburg kam Ziad Daaboul (Syrien), der dem Auge im Seminarraum großformatige Fotos zum Thema „Hoffnung“ bot. Im Treppenhaus präsentierte die Malerin Bruni Jürss mit Kids aus ihrer Möllner Malwerkstatt bunte selbstgemalte Bilder, die im Rahmen eines Kunstprojekts des Kinderschutzbundes gemeinsam mit Kindern in Kapstadt entstanden sind.
Blickfang im Festsaal war eine beeindruckende Installation, die Schüler des Berufsbildungszentrums (BBZ) Mölln im Rahmen des Projekts DAZ (Deutsch als Zweitsprache) geschaffen hatten. Der in Mölln lebenden Maler Ebrahim Shargi (Iran) steuerte ein Gemälde bei. Videokunst im Glaspalast zeigte, dass Botschaften auch ohne Sprachkenntnisse verstanden werden. Die Musikclips von Hosny Ibrahim, Sami Soufan und Sami Chnikr verbanden erschütternde Bilder aus Syrien mit arabischem Hiphop – das ging selbst ohne Textverstehen unter die Haut.
Kommunikation in vielen Sprachen
Ein gefragter Anlaufpunkt für die Kinder war im Foyer die kleine Stockpresse von Stefan Kruse vom Kunst-Beirat, bei dem die Kids bunte Druckgrafiken selbst herstellen und mitnehmen durften. Nebenan lud Thorsten Börnsen, neuer Leiter des Zentrums für Niederdeutsch, mit einem Glücksrad und Büchern zur ersten Bekanntschaft mit Plattdeutsch ein. Weit fortgeschrittene Kenntnisse in dieser Sprache bewies die junge Türkin Fatma Nur Topaloglu aus Lauenburg, die in Begleitung ihrer Lehrerin Ingrid Bindzus (Niederdeutsch-Beirat) mit einer kleinen Plattdeutsch-Lesung zahlreiche Zuhörer in Erstaunen versetzte.
Überhaupt waren viele Sprachen zu hören an diesem Nachmittag. Bei der Verständigung ging Probieren über Studieren – manchmal half Englisch, gelegentlich halfen respektvolle Gesten – oder die Kinder, die sich Deutsch schon besser ausdrücken konnten. Im und um das Herrenhaus im sonnenbestrahlten Stadthauptmannshof tummelten sich Menschen allen Alterns und vielerlei Herkunft. Gern und gut genutzt war auch das „Café“ in der erstmals geöffneten ehemaligen Hausmeisterwohnung, wo die Besucher sich ausruhen und stärken konnten. Die dort gereichten Kuchen und orientalische Gerichte zum Probieren waren ein kulinarischer Beitrag zum Fest der Kulturen.
Die Musik verbindet immer
Als bester Dolmetscher überhaupt erwies sich die Musik – ganz im Sinne von Moderator Jörg Geschke (Stiftungsvorstand). „Das Wertvollste einer Kultur sind immer die Dinge, die wir mit anderen teilen können“, sagte er – und zu teilen gab es unendlich viel, wie die herzliche Annahme aller Darbietungen durch das Publikum belegte. Das begann schon bei der „Willkommensband“ um Michael Jessen (Gitarre) und Matthias Lage (Harfe), die erst seit einigen Monaten in lockerer Besetzung gemeinsam musiziert und beim Fest der Kulturen ihre öffentliche Premiere feierte. Lianna Khatchatryan und Sami Chnikr sangen in Armenisch, Englisch und Deutsch. Tara betörte mit iranischem Gesang und Tanz, ihr Landsmann Mahmoud Mohammadinik brillierte auf der Setar, begleitet von Gitarre (Conny) und Bass.
Hamit Cebeci von der Möllner Moscheegemeinde zog die Zuhörer mit Gesang und Saz weiter hinein in die orientalische Musik, vereinte beim Duett mit Mahmoud türkische und iranische Freude am Klang. Mit Mozart und Schubert legte der Möllner Pianist, Klavierlehrer und Chorbegleiter Uwe Rasmussen am Flügel für die Besucher klassisch-abendländische Musik zur Verkostung aus. Avag und Naira Khachatryan aus Lauenburg stellten Kompositionen und Volksmusik aus ihrer armenischen Heimat vor – ein wundervoll melodischer, zugleich fremd und vertraut klingender Dialog zwischen der oboenähnlichen Duduk und dem Klavier.
Miteinander geht alles
Der große gemeinschaftliche Drum Circle mit Helga Riehl und Peter Kaiser (Lübeck) brachte das ganze Haus zum Vibrieren. Bei vorgegebenem Grundtakt ließen alle ihren Gefühlen auf Trommeln und Schlagwerken freien Lauf, nur mit Gesten wurden Tempo und Dynamik angeregt – ein tolles Erlebnis, das starke Emotionen kanalisierte und dem sich weder die ganz Kleinen noch die Älteren entziehen mochten.
Zum gegensätzlichen Highlight geriet der musikalisch-poetisch-tänzerische Teil des DAZ-Projekts aus dem Berufsbildungszentrum. Eingestimmt von persischem Gesang und Tanz (Tara und Mahmoud) hüllten die Musiker um Stephan Wollweber die Menschen im Saal ein in fast sakrale orientalische Klänge von Setar, Gitarre, Bass und Kotamo – ein Saiteninstrument, das die Instrumente Koto (japanische Zither), Tambura (indische Laute) und Monochord vereint. Mit nur leichter Drift ins Abendländische eröffneten sie den Raum für Francois Villons Ballade „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ – umwerfend rezitiert und angesungen durch Jörn Bansemer vom Theater im Stall, während Tara ihn umtanzte. Das so zusammenzuführen, war ein Geniestreich! Schöner und deutlicher hätte man kaum offenbar machen können, was wirklich zählt: dass es für Kultur und Kunst keinerlei Grenzen gibt, dass sie vermeintliche Gegensätze aufheben und den Weg zueinander immer finden.