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Aus der Stiftung Nördlich der A24

Endlich wieder Kunst & Kultur!

Nach Abschluss des KulturSommers am Kanal startet die Stiftung Herzogtum Lauenburg ins zweite Veranstaltungshalbjahr. Endlich – nach den Lockerungen der Corona-Vorschriften – können wieder Konzerte, wissenschaftliche Vorträge und Veranstaltungen im Bereich Natur/Umwelt im gesamten Kreis angeboten werden. Allerdings legt die Stiftung das Halbjahresprogramm nur in digitaler Form vor, um auf mögliche Änderungen der Bestimmungen jederzeit reagieren zu können.

Alle Interessierten finden eine PDF-Datei des gesamten Programms auf der Internetseite der Stiftung www.stiftung-herzogtum.de. Darüber hinaus wird an öffentlichen Stellen monatlich ein aktualisiertes Faltblatt ausgelegt.

Mit zwei Ausstellungen widmet sich die Stiftung zwei Möllner Künstlern: Die Herbstschau steht ganz im Zeichen des 80. Geburtstages des Bildhauers Hans-Werner Könecke. Seine Skulpturen aus Bronze und Holz sind in Norddeutschland im öffentlichen Raum zu finden. Dem Künstler gelingt es, in seinen Arbeiten den jeweiligen Ort des Schaffens mit dem künstlerischen Gehalt zu verknüpfen. Die Vernissage der Herbstschau steht am 6. September um 11.30 Uhr im Möllner Stadthauptmannshof auf dem Programm.

Die Ausstellung im Möllner Museum zeigt Skizzen von den Afrika-Reisen des Bildhauers Karlheinz Goedtke. Die bisher nicht veröffentlichten Zeichnungen stellen Tierbilder, Landschaften und Straßenszenen aus ostafrikanischen Ländern dar. Die Vernissage ist am 28. August um 19 Uhr.

Traditionell finden im Herbst auf der Streuobstwiese in Einhaus bei Ratzeburg der Pflaumen- und der Apfeltag statt. Der für den 22. August angekündigte Pflaumentag fällt leider kuirzfristig aus; der Apfeltag findet am 26. September statt.  Beide Veranstaltungen sind Festtage für die Freunde alter Obstsorten.

Der wissenschaftliche Bereich behandelt schwertpunktmäßig das Herzogtum Lauenburg. Der Möllner Stadtarchivar Christian Lopau widmet sich bei seinem Tagesseminar am 22. August geschichtlichen und kulturellen Aspekten der Stadt Mölln. Vorträge gibt es unter anderem zu Ergebnissen archäologischer Ausgrabungen in Artlenburg (Dr. Frank Andraschko am 22. September) und zur Geschichte Ritzeraus (Prof. Dr. Joachim Reichstein am 27. Oktober).

Musikalisch werden unterschiedliche Wege eingeschlagen: Das Rotenbek Trio ist am 7. November mit klassischer Gitarrenmusik am Start. Zu hören sind Kompositionen von Vivaldi und Piazzolla sowie von zeitgenössischen Komponisten wie Pujol, Leisner und Kindle. Die bereits im Kreis bekannte SingAlong-Band gestaltet am 29. Novemer einen adventlich-musikalischen Mitmachabend mit vielen Stimmen. Zum Jahresausklang zeigt die männliche A-Cappella-Gruppe „The Longest Johns“ aus Bristol am 5. Dezember, dass Shantys nicht verstaubt und langweilig sind, sondern jung und hip sein können.

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Aus der Stiftung

Den Klöstern der Region auf der Spur

Wissenswertes über die Klöster im Kreis Herzogtum Lauenburg erfahren Historiker und Geschichtsinteressierte am Sonnabend, 5. September, im Möllner Stadthauptmannshof. Dort laden Forscher aus Schleswig-Holstein zu einem Tagesseminar inklusive Busexkursion. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr.

Im letzten Jahr ist das Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg erschienen. Darin werden auch aktuelle Forschungsergebnisse zu den Klöstern und Stiften auf dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Lauenburg (heute Kreis Herzogtum Lauenburg) dargelegt. Das regionalgeschichtliche Seminar, das unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel) steht, widmet sich dieser Thematik.

Im Einzelnen sprechen nach einer allgemeinen Einführung Günther Bock (Großhansdorf) zu St. Georg in Ratzeburg, Prof. Dr. Heinrich Dormeier (Kiel) zur Birgittenniederlassung Marienwohlde, Prof. Dr. Joachim Reichstein (Fahrdorf) zum Hospital des Heilig Geist-Ordens in Kuddewörde und Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel) zum Ratzeburger Dom(stift). An eine Mittagspause schließt sich eine Busexkursion an (Rückkehr ca. 18 Uhr).

Eine Kooperation zwischen der Stiftung Herzogtum Lauenburg und der Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt Schleswig-Holstein der CAU zu Kiel. Es wird um Anmeldung bis zum 14. August gebeten unter Tel. 04542-87000 oder info@stiftung-herzogtum.de. Die Teilnahmegebühr beträgt 39 Euro.

Tagesseminar über Klöster, 5. September, Stiftung Herzogtum Lauenburg, Stadthauptmannshof, Hauptstraße 150, Mölln, 9 Uhr

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Aus der Stiftung

Wochenend-Exkursion ans Wattenmeer

Wer sich schon immer mal vorgenommen hatte, an der Wattenmeerküste Vögel zu beobachten, sollte am Wochenende 12. und 13. September 2020 (Sa./So.) an der Exkursion der Stiftung Herzogtum Lauenburg mit Thomas Neumann (WWF Deutschland) und Klaus Günther (Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer) teilnehmen (Bus ab Mölln).

Die Teilnehmer werden unter der Leitung des Ornithologen Günther zuerst im Bereich der Eidermündung Vögel beobachten. Bei schlechterem Wetter ist eine Besichtigung des Nationalpark-Informationszentrums Multimar möglich. Im Anschluss an die Mittagspause begibt sich die Gruppe auf eine Wanderung durch Salzwiesen zum Leuchtturm Westerhever, um Vögel im Watt zu beobachten. Nach einer Übernachtung im Hotel wird die Vogelbeobachtung im Beltringharder Koog während der Hochwasserphase fortgesetzt. Danach führt eine Wanderung zur Hamburger Hallig. Nach einer Mittagspause fährt der Bus zurück nach Mölln.

Der Teilnahmebetrag (155 Euro pro Person im Doppelzimmer und 170 Euro im Einzelzimmer) umfasst Busfahrt, Hotelübernachtung mit Frühstück sowie Imbisse. Das Abendessen im Hotel ist exklusive. Wanderstrecken können auch individuell und je nach Möglichkeiten kürzer gestaltet werden. Bei den Busparkplätzen werden Imbiss und Sitzmöglichkeiten sowie öffentliche Toiletten vorhanden sein. Coronabedingte Änderungen des Programmablaufs sind möglich.

Anmeldungen werden bis zum 29. Juli 2020 unter Tel. 04542 / 870 00 oder info@stiftung-herzogtum.de entgegengenommen.

Foto: Günther

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Aus der Stiftung

Läuft bei uns!

Alles muss raus hieß es Ende vergangener Woche für die Mitarbeiter der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Mit dem Pkw waren sie an zig Orten im Kreis unterwegs, um die Plakate für den KulturSommer am Kanal anzubringen und den neuen Flyer „In den Wolken“ zu verteilen. In diesem finden Interessierte die Wichtigsten Infos rund um das Festival.

Unter anderem erfahren die Leserinnen und Leser, an welchen Orten es in der Region Kunst am Wegesrand zu entdecken gibt. Außerdem werden die Soundwalks für experimentelle Klangspaziergänge vorgestellt und auf welche Musiker sich das Publikum 2020 freuen darf.

Überdies weist der Flyer noch mal ausdrücklich darauf hin, dass Kultursommer-am-Kanal.de in diesem Jahr zur digitalen Bühne wird. Also: Alle reinklicken da!

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Aus der Stiftung

Kandidatinnen gesucht!

Es ist ja keinesfalls so, dass es das in der Geschichte der Stiftung Herzogtum Lauenburg nicht gegeben hätte – Frauen, die für ihre künstlerische Arbeit mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wurden. Allerdings liegt die letzte Auszeichnung einer Künstlerin schon ein paar Jahre zurück. 1982 war das. Frauke Wehberg erhielt die Medaille. Die in Hamfelde lebende bildende Künstlerin hat beispielsweise die Skulptur des Amsus Bremer (Foto: sh-kunst.de/Jan Petersen) gefertigt, die in Kiel zu sehen ist. Weitere öffentlich sichtbare Werke sind der Zeitungsjunge (Kiel), die Stutentrine (Rendsburg) oder die Gänsemarkt (Neumünster).

Immerhin drei weibliche Vorgängerinnen hat Frauke Wehberg. 1981 wurde die Heimatdichterin Hilde Fürstenberg zusammen mit Ernst Behrends ausgezeichnet. 1980 erhielt die Schriftstellerin Ingeborg Engelhardt den Preis, 1979 die Kunstmalerin Ilse Harms-Lipski. Das war es dann aber auch mit der weiblichen Herrlichkeit. Christel Happach-Kasan, die dem Vorstand der Stiftung Herzogtum Lauenburg angehört, wünscht sich, dass endlich mal wieder eine Frau an die Reihe kommen möge. Frauen erbringen im Kreis Herzogtum Lauenburg als Kulturschaffende wie auch als Organisatorinnen herausragende kulturelle Arbeit, so ihr Credo.

Dem ist nicht zu widersprechen und nichts hinzuzufügen: Deshalb: Frauen vor! Bewerbt euch um den Kulturpreis 2020! Und an die Männerwelt (und Frauenwelt) da draußen, wenn ihr eine potentielle Kandidatin kennt, lasst es uns wissen.

Vorschläge nimmt die Stiftung Herzogtum Lauenburg auf dem herkömmlichen Postweg (Anschrift: Hauptstraße 150, 23789 Mölln) oder per Mail unter info@stiftung-herzogtum.de entgegen. Wichtige Kriterien ist neben der ästhetischen Arbeit und die Verankerung des Künstlers beziehungsweise der Künstlerin in der Region. Darüber hinaus gehen das gesellschaftliche Engagement und die kulturpolitische Relevanz in die Bewertung mit ein.

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Aus der Stiftung

Von Karl Lorenz bis Ebrahim Sharghi

Das erste Mal – die Premiere – das war 1978. Mit Karl Lorenz nahm der damalige Möllner Kirchenmusikdirektor den Kulturpreis in Empfang. Rund ein Jahr nach ihrer Gründung hatte die Stiftung Herzogtum Lauenburg die Auszeichnung für Kulturschaffende oder auch für Menschen und Institutionen, die sich um die Kultur verdient machen, aus der Taufe gehoben.

42 Jahre später kann man mit Fug und Recht sagen, dass der Kulturpreis mittlerweile selbst den Status einer Institution hat. 25 Gewinner gab es seither. Zuletzt fiel die Wahl der Jury auf den Möllner Künstler Ebrahim Sharghi (Foto). Das war 2018. Zwei Jahre zuvor ging die Auszeichnung an den Liedermacher Klaus Irmscher. 2014 war es der Filmclub Burgtheater Ratzeburg, der die Nase vorn hatte.

Diese kurze Auflistung der letzten drei Gewinner zeigt, wie unterschiedlich deren Arbeit und Wirken sind. Entscheidend sind letztendlich ihr Engagement und das, was sie damit erreichen. Strukturen, die es beispielsweise Nachwuchskünstlern ermöglichen, schöne Bilder zu malen oder zu präsentieren, sind für die Jury per se nicht minder wichtig als die schönen Bilder selbst.

Eine Übersicht der Kulturpreisträger finden Sie hier.

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Aus der Stiftung

Frank Düwels & Farina Klose drehen Dogma 95-Film

Normalerweise rückt die Kunst beim KulturSommer am Kanal erst mit der Eröffnung des Festivals in den Fokus. 2020 ist sie allerdings wesentlich früher dran. Das liegt daran, dass diejenigen, die sonst den roten Teppich für andere ausrollen oder ihnen eine Bühne geben, plötzlich gezwungen sind, ihr eigenes Stück zu spielen. Es heißt „Covid-19“ und ist ein echter Straßenfeger. In den Hauptrollen: KulturSommer-am-Kanal-Intendant Frank Düwel und Managerin Farina Klose.

Beide bewegen sich, als wären sie einem dänischen Dogma 95-Film entsprungen. Die Kulisse ist das heimische Wohnzimmer, es gibt keine Requisiten, sondern nur notwendige Arbeitswerkzeuge wie das Smartphone oder den Computer. Es erklingt keine eingespielte Filmmusik. Stattdessen bimmeln die Telefone und es wird kommuniziert, improvisiert, gerätselt, mit rohen Eiern jongliert. Was darf ich sagen? Was darf ich nicht sagen? Was kann ich machen? Was kann ich nicht machen? Wer sagt das? Wo steht das geschrieben?

Die beiden Helden sind ausgezogen beziehungsweise zu Hause geblieben, um etwas Unmögliches zu machen – einen realistischen KulturSommer am Kanal zu veranstalten. Der findet jetzt – na, wo wohl? – „In den Wolken“ statt. Zum Teil auch mal da drunter. Manchmal vielleicht aber auch nicht. Die Halbwertzeiten von Gewissheiten schrumpfen in diesen Zeiten schon mal auf ein paar Tage zusammen. Sicher ist immerhin: Wer jetzt ein Kultur-Großereignis durchplant, muss mit beiden Beinen fest in den Wolken stehen.

Für zwei Macher wie Frank Düwel und Farina Klose ist das kein Problem. Und ganz nebenbei arbeiten sie die Kriterien ihres eigenen Dogma 95-Films ab. Sie agieren im Hier und Jetzt und kommen ohne zeitliche oder lokale Verfremdung aus. Dass sie weder Waffengewalt noch Morde zeigen, muss an dieser Stelle nicht weiter betont werden.

Helge Berlinke

https://kulturportal-herzogtum.de/2020/04/21/podcast-kultursommer-am-kanal-frank-duewel-moelln/
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Aus der Stiftung Ausstellungen

„Vier Frauen – vier Perspektiven“ im Film

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Stell dir vor, es ist Ausstellung und keiner sieht hin. Das möchte die Stiftung Herzogtum Lauenburg für die Kunstschau „Vier Frauen – vier Perspektiven“ unbedingt vermeiden. Zu gehaltvoll, zu wertvoll und zu abwechslungsreich sind die Werke, die Birke Kästner, Ute Wilke, Marianne Schäfer und Anke Meixner den Kunstfreunden im Stadthauptmannshof (Mölln) zeigen wollten. Deshalb gibt es jetzt einen kleinen Film mit erklärenden Worten von Kuratorin Antje Ladiges-Specht, die dem Wesentlichen dieser versammelten Kunst nachspürt.

[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_video link=“https://www.youtube.com/watch?v=iagQBDqVH94″][/vc_column][/vc_row]

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Aus der Stiftung Ausstellungen

Vier Frauen – vier Meinungen

Anke Meixner…

…über die brach liegende Ausstellung: „Das ist natürlich enttäuschend, dass sie niemand sehen kann. Aber ich bin dankbar für die schöne Eröffnung – auch für den Zuspruch, den wir bekommen haben. Mit einer Freundin bin ich in der Woche danach noch mal durch die Ausstellung gegangen. Das sind so schöne Räume und die Räume und die Dinge – gerade auch die Arbeiten von Birke Kästner und mir – passen so gut zusammen.“

…über ihren Umgang mit der Kontaktsperre: „Einerseits habe ich die Ruhe genutzt und mich in meiner Papierwerkstatt vergraben. Andererseits sind die Existenzängste da. Wenn man nichts zeigt, kauft auch niemand was.“

Ute Wilke…

…über die brach liegende Ausstellung: „Das ist schon schade. Es steckt ja viel Herzblut drin. Ich hatte unmittelbar vor der Vernissage noch drei Arbeiten fertiggemacht. Auf der anderen Seite habe ich vor diesem Virus aber auch Respekt. Ich gehöre ja auch mit zur älteren Generation. Ich denke, die Entscheidung seitens der Regierung ist richtig, dass man Versammlungen meidet. Ich sehe mich da als eine von vielen, die ein Opfer bringen muss.“

…über ihren Umgang mit der Kontaktsperre: „Zum einen beobachte ich das Weltgeschehen, die Natur – die ganzen Zusammenhänge. Die Situation ist ja auch ein Spiegel dessen, wie wir mit der Natur umgehen, wie wir beispielsweise Tiere essen. Ansonsten bin ich im Moment nur im Garten. Wenn ich den so weit habe, gehe ich wieder ins Atelier.“

Birke Kästner…

…über die brach liegende Ausstellung: „Man ist total traurig, weil es so eine wunderschöne Ausstellung ist, weil so viel Mühe und Arbeit dahintersteckt. Die Situation ist wirklich schwer aushaltbar. Ich hatte gehofft, dass man sich die Ausstellung weiterhin ansehen kann. So viele Menschen würden ohnehin nicht auf einmal hineingehen.“

…über ihren Umgang mit der Kontaktsperre: „Das fällt mir nicht so schwer. Es ist ja fast ein natürlicher Zustand als Künstler, dass man sich seinen Rückzugsraum schafft. Da ändert sich nicht viel, weil jetzt der Alltag fehlt. Der Stillstand macht auf jeden Fall etwas mit einem. Für die künstlerische Arbeit ist er eher befruchtend – ein Geschenk.“

Marianne Schäfer…

…über die brach liegende Ausstellung: „Ich bin schon etwas deprimiert. Das ist eine so gelungene Ausstellung – und eine sehr frauliche, wie ich finde. Man fragt sich jetzt, wie soll es weitergehen. Aber das gilt ja für viele Kulturschaffende, egal aus welcher Richtung.“

…über ihren Umgang mit der Kontaktsperre: „Momentan mache ich keine Kunst. Das blockiert mich total. Es ist ja nicht nur diese Ausstellung. Man weiß auch nicht, was mit dem Kultursommer ist. Da findet bei uns ja auch immer eine Ausstellung statt. Dafür habe ich schon eine Idee. Die Hälfte davon habe ich gefertigt, die andere Hälfte liegt brach. Mir fehlt da einfach der Mut.“

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Aus der Stiftung

Das Privileg des Schreibers

Dass man ein privilegierter Mensch ist, begreift man gemeinhin erst dann, wenn die Privilegien plötzlich verschwunden sind. Die schönen Seiten des Lebens verwandeln sich allzu schnell in Selbstverständlichkeiten und manchmal werden sie uns gar lästig. Essen gehen – Schon wieder? Das nächste Feuerwehrfest? Keine Lust. Ein Klassikkonzert – morgen? Nein, danke.

Zugegeben. Die Privilegien haben in einer Gesellschaft wie der unseren durchaus das Zeug, einen Menschen in den Overkill zu zwingen. Doch von 100 auf 0 zu kommen, wie es Covid-19 gerade auferlegt, ist auch kein Vergnügen.

Nun habe ich das Glück in diesen Tagen, wo uns die Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten wie Sand durch die Finger gleiten, ein Privileg zu besitzen. Ich habe den Zugang zur Ausstellung „Vier Frauen – vier Perspektiven“. Der Schlüssel für das Herrenhaus der Stiftung Herzogtum Lauenburg half mir nicht nur bei der Arbeit am Thema der Woche, er gab mir auch die Chance für ein beständiges Stelldichein mit der Kunst.

So wandelte ich vergangene Woche unter Skulpturen, Bildern und Gefäßen. Ich filmte und fotografierte. Ich arbeitete. Sicher. Und doch fing die Kunst mich ein. Ute Wilkes Kolkrabe, der bunte Hahn, die vielen Vogelaugen, die Blicke, die einem nachsehen. Marianne Schäfers Wasservögel mit den langen Schnäbeln, wiedergegeben mit klaren Linien und Formen. Ein Fest der Harmonie aus porigem Holz. Ein paar Meter weiter dann ihre unruhigen Zwitterwesen. Halb Vogel, halb Mensch. All das wirkt in mir nach, ist mittlerweile so vertraut, dass die Objekte sich inzwischen anfühlen wie gute, alte Bekannte.

Nicht anders erging es mir mit den Werken von Birke Kästner und Anke Meixner, die im Foyer und im Seminarraum des Herrenhauses ihre Kunst ausgestellt haben. Meixners handgeschöpftes japanisches Papier, das zum symbolischen Grab für die Insektenwelt geworden ist, lässt sich nicht so ohne Weiteres beiseiteschieben. Einmal in meinem Sinn und Verstand ist es gekommen, um zu bleiben. Die Wesen, die nach uns sind, sagt die Künstlerin, sollen sich erinnern!

Ähnlich weit von der zeitlichen Dimension scheint auch Kästners Blick zu gehen. Ihre Keramikkunst gibt einem das Gefühl per Zeitmaschine in der Antike gelandet zu sein…

Ich weiß. Es ist nur ein Gefühl. Entstanden aus einem Privileg, während draußen Covid-19 sein Unwesen treibt.

Helge Berlinke