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Nördlich der A24

Kunst- und stilvoll in die dunkle Jahreszeit

Kunst- und stilvoll in die dunkle Jahreszeit geht es am Sonnabend, 20. Oktober, und Sonntag, 21. Oktober, im Viehhaus des ehemaligen Gutshofs Segrahn (Gudow) zu. Ilsabe von Bülow lädt zur 7. Auflage des Herbstmarktes ein. Jeweils von 11 bis 17 Uhr haben Besucherinnen und Besucher Gelegenheit zu bummeln und sich die Arbeiten regionaler und überregionaler Kunsthandwerker und Produzenten anzusehen.

Neben Mode, Wein, Schmuck, Kränzen und Dekorativem für Haus und Garten dürfen sich die Gäste auf Musik und ein kulinarisches Verwöhnprogramm freuen. Auf den Tisch kommen Wildspezialitäten aus den von Bülow´schen Forsten sowie Gebäck und Marmeladen. Außerdem gibt es frischen Kuchen aus der Gutsküche. Für Kreative ist zudem eine Keramikmalecke eingerichtet.

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Ausstellungen

November 1918 – Geburtsstunde der Demokratie?

Zum 100. Geburtstag der Novemberrevolution zeigt die Otto-von-Bismarck-Stiftung (Friedrichsruh) die Sonderausstellung „Geburtsstunde der deutschen Demokratie – Oktoberreformen und Novembersturz 1918“.

Die Schau verdeutlicht, dass es im Kaiserreich neben den überkommenen obrigkeitsstaatlichen Elementen bereits demokratische Entwicklungen gegeben hat. Sie widmet sich schwerpunktmäßig der vermeintlichen „Revolution von oben“ (Oktoberverfassung von 1918), die das Deutsche Reich in eine parlamentarische Monarchie umformte. Am Ende wirft sie einen Ausblick auf die unmittelbar nachfolgenden dramatischen Ereignisse im Winter 1918/19 bis zur Wahl der Nationalversammlung im Februar 1919 und ordnet diese in den historischen Kontext ein.

Die Sonderausstellung ist vom 16. Oktober bis zum 12. Mai im Bismarck-Museum, Am Museum 2, in Friedrichsruh zu sehen. Das Haus hat von Oktober bis März jeweils zwischen 10 und 16 Uhr und von April bis September jeweils zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.

Weitere Infos unter Tel. 04101-977110 oder per Mail unter info@bismarck-stiftung.de.

Weitere Links zum Thema:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/15/novemberrot/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/15/der-traum-von-freiheit-und-einheit/

 

 

 

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Südlich der A24

„Das Image Geesthachts zu verbessern, bleibt unser Ziel“

Renate Lefeldt ist Mitbegründerin und Sprecherin der Gruppe „Geesthachter Kulturvisionen“, deren Ziel der kulturelle Aufbruch Geesthachts ist. Im Januar sprach Kulturportal-Herzogtum.de (KP) erstmals mit ihr über die Ziele der Gruppe. Damals drehte sich vieles um die ungeklärte Zukunft der alten Teppichfabrik, die zum Verkauf stand. Ein Deal schien nicht in Sicht. Mittlerweile ist das Areal verkauft. KP sprach mit ihr darüber und über die aktuelle Lage des Kulturstandortes Geesthacht.

Kulturportal-Herzogtum.de: Frau Lefeldt, das letzte Mal haben wir vor knapp einem Dreivierteljahr über den Kulturstandort Geesthacht und die Ziele Ihrer Gruppe gesprochen. Wie sieht es aus – hat sich seitdem etwas getan?

Renate Lefeldt: Ja, auf jeden Fall. Anfangs haben wir gesagt, dass wir gerne einen Kulturverantwortlichen für Geesthacht hätten. Mit Frank Kaldenbach haben wir das erreicht. Er kümmert sich und ist Ansprechpartner für uns. Bei der Organisation der „Ersten Geesthachter Kulturnacht“ hat Herr Kaldenbach mit der Gruppe fruchtbar zusammengearbeitet.

KP: Das klingt sehr erfreulich. Sind Sie noch an anderer Stelle Ihren Zielen nähergekommen?

Lefeldt: Wir wollten gerne, dass das Kulturbudget der Stadt aufgestockt wird. Auch das ist geschehen.

KP: Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Lefeldt: Was bislang nicht in Arbeit ist, ist ein Kulturkonzept.

KP: Ein wichtiges Anliegen Ihrer Gruppe war auch, das brachliegende Gelände der alten Teppichfabrik für Kunst und Kultur zu nutzen. Mittlerweile hat der Möllner Unternehmer Kurt-Peter Gaedeke das Areal und die darauf befindlichen Gebäude gekauft. Wie bewerten Sie den Deal?

Lefeldt: Wenn er das, was er plant, realisiert, ist das ein Glücksfall für Geesthacht. Das sind Dimensionen, die die Stadt gar nicht hätte wuppen können.

KP: Befürchten Sie nicht, dass Kunst und Kultur zu kurz kommen könnten?

Lefeldt: Das muss man abwarten. Klar ist schon jetzt, dass ein Gebäude zum Veranstaltungsort umgebaut werden soll. Herr Gaedeke plant dort unter anderem für SHMF-Veranstaltungen*.

KP: Wenn ich mich recht erinnere, wollten Sie Museen und Künstler in dem Areal eine Heimat geben.

Lefeldt: Unsere Wünsche melden wir beim Bürgermeister an, damit er das weiterverhandelt. Mir schweben schon noch ein oder zwei kleinere Gebäude für die Kultur vor.

KP: Kommen wir zum Schluss noch mal auf die Geesthachter Kulturvisionen zu sprechen. Wie hat sich die Gruppe entwickelt?

Lefeldt: Leider nicht so gut, wie ich es mir gewünscht hatte. Der Kreis der Mitstreiter, die kommen, wird kleiner. Ich hatte gehofft, dass sich mehr Vertreter aus den Schulen und Kirchen und auch die Geesthachter Künstler beteiligen. Da läuft aber nicht viel. Auch hatte ich mir gewünscht, dass ein paar Politiker Interesse zeigen. Schließlich wollen wir ja etwas für Geesthacht bewirken. Im Moment strebe ich an, unsere Gruppe im Bildungsausschuss vorzustellen.

KP: Wenn ich mich recht erinnere, plante Ihre Gruppe sogar eine Imagekampagne für die Stadt. Was ist daraus geworden?

Lefeldt: Die Imagekampagne liegt zur Zeit auf Eis, weil der Initiator sich ganz zurückgezogen gezogen hat und weil die Planung der Kulturnacht Priorität hatte. Aber das Image der Stadt Geesthacht zu verbessern, bleibt eines unserer Ziele.

KP: Frau Lefeldt, vielen Dank für das Gespräch!

*Schleswig-Holstein Musik Festival

Weitere Infos zur Teppichfabrik, den Geesthachter Kulturvisionen sowie über kommende Veranstaltungen in der Stadt:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/08/die-zukunft-nimmt-form-an/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/08/new-york-london-moskau-geesthacht/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/01/30/die-teppichfabrik-ist-vergangenheit-und-zukunft/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/01/04/kulturaufbruch-fuer-die-wachsende-stadt/

 

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Südlich der A24

Die Zukunft nimmt Form an

Ende Januar hatte Kulturportal-Herzogtum.de noch mit „Kein Deal in Sicht“ getitelt. So schien es zumindest: Das Gelände, auf dem die Norddeutsche Teppichfabrik steht, schien ein Ladenhüter zu sein. Die Stadt Geesthacht hatte für das 22 Hektar große Grundstück samt der darauf befindlichen Gebäude 800.000 Euro geboten. Insolvenzverwalter Udo Müller (Hannover) lehnte ab und zauberte Ende April mit Kurt-Peter Gaedeke einen Investor aus dem Hut.

Der Möllner Unternehmer will 150 Millionen Euro in das Gelände stecken. 700 Wohnungen sollen entstehen, Platz für Betriebe geschaffen werden. Gaedeke verfolgt für das Areal einen „Drittel-Plan“: Ein Drittel Gewerbe, ein Drittel für den Wohnungsbau und ein Drittel Natur.

Der Investor hat der Stadt bereits ein Modell seiner Pläne vorgestellt und ist damit auf ein wohlwollendes Stadtoberhaupt gestoßen: Er sei ganz zufrieden mit dem, was Herr Gaedeke vorgestellt habe, so Bürgermeister Olaf Schulze. Kein Wunder – Schulze hatte vorab einen „Drittel-Plan“ angemahnt.

Bevor die Bagger anrücken, muss allerdings noch einiges an Hausaufgaben erledigt werden. Unter anderem fehlt es an einem Bebauungsplan. Derzeit ist die Fläche noch als Industriegebiet ausgewiesen. Unternehmer Gaedeke rechnet nicht vor Ende 2020 mit dem ersten Spatenstich.

Die Norddeutsche Teppichfabrik wurde 1951 von dem aus der DDR stammenden Teppichfabrikanten Hubertus Rösel gegründet und war zeitweilig Geesthachts größter Arbeitgeber. Die Produktion erfolgte in den Räumlichkeiten der ehemaligen Düneberger Pulverfabrik. Ob zumindest Teile der Fabrik unter Denkmalschutz stehen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Weitere Infos über die Teppichfabrik und die Ziele der Geesthachter Kulturvisionen sowie eine Auswahl kultureller Veranstaltungen in Geesthacht:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/08/das-image-geesthachts-zu-verbessern-bleibt-unser-ziel/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/08/new-york-london-moskau-geesthacht/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/01/30/die-teppichfabrik-ist-vergangenheit-und-zukunft/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/01/04/kulturaufbruch-fuer-die-wachsende-stadt/

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Nördlich der A24

Auf der Achterbahnfahrt des Lebens

Belgien, die USA, Spanien, Ost- und Süddeutschland, Neuseeland – die gebürtige Möllnerin Floriana M. Ohldag ist in ihrem Leben ordentlich herumgekommen. 2015 kehrte sie nach Jahren in der Fremde mit ihrem heute dreijährigen Sohn in die Heimat zurück. Im Interview mit Kulturportal-Herzogtum.de spricht die 40-Jährige über ihren langen Weg zur Kunst, das Auf und Ab im Leben und die große Herausforderung, als Künstlerin Fuß zu fassen.

Kulturportal-Herzogtum.de: Frau Ohldag, von dem Lyriker Georg Trakl stammt der Satz „Nur wer dem Glück entsagt, dem wird Erkenntnis“. Was halten Sie von dieser Aussage?

Floriana Meike Ohldag: Wenn ich das höre, ist mein erster Gedanke: Wie schrecklich muss es sein, die Hoffnung auf Glück aufzugeben. Der zweite Gedanke ist, dass ich den Satz so verstehe, dass man durch Erfahrungswelten Erkenntnisse sammelt- und wenn einem alles in den Schoß gelegt wurde, bleibt vieles versagt. Man verpasst die Achterbahnfahrt des Lebens, die einem Kraft und Stärke gibt.

KP: Als Künstlerin oder Künstler ist diese Achterbahnfahrt wahrscheinlich automatisch eingepreist.

Ohldag: Tatsächlich habe ich mir erst mit 35 Jahren zugestanden, freie Künstlerin zu sein.

KP: Das war vor knapp fünf Jahren. Warum hat das so lange gedauert?

Ohldag: Künstlerin war ich schon von Geburt an. Nur wurde es mir nicht zugestanden, Künstlerin zu sein. Die Familienstimmen, die ich in mir trug, sagten mir: Kunst ist brotlos. Ich musste Erfahrungsmomente sammeln und mich emanzipieren, um sagen zu können: Ich traue mich gegen all diese Stimmen zu agieren.

KP: In dem Wort ‚Erfahrungsmomente‘ klingt ihre persönliche Achterbahnfahrt an.

Ohldag: Als 19-Jährige hatte ich bei den Till Eulenspiegel-Festspielen ehrenamtlich die Regieassistenz gemacht. Das war 1997. Das Stück hieß „Der Stein des Anstoßes“ – und war für mich der Anstoß, in die Kreativbranche zu gehen. Aber hier ging es um das Handwerk hinter der Bühne – nicht eindeutig um Kunst.

KP: Was wollten Sie machen?

Ohldag: Ich wollte Regisseurin werden. Leider fehlte mir hierfür in Deutschland das Abitur. Ich hatte eine Studienplatz-Zusage in Amerika, und ich besitze einen vollwertigen American-Highschool-Abschluss – doch fehlte letztendlich das Geld.

KP: Das nennt man wohl eine fatale Lage. Was taten Sie?

Ohldag: Ich nahm mir die Gelben Seiten von Hamburg vor und begann, alle Filmproduktionen abzuklappern. Ich fing bei A an. Bei G bekam ich eine Filmproduktionsassistenz. Eigentlich wollte ich nur ein Praktikum machen. Über diesen Quereinstieg landete ich dann beim Filmschnitt. In dem Job arbeitete ich 80 Stunden, von denen ich nur 40 bezahlt bekam. Ich kündigte schließlich und wanderte nach Teneriffa aus.

KP: Was wollten Sie in Teneriffa?

Ohldag: Ich wollte Spanisch lernen, um später in Barcelona wieder in den Filmschnitt einzusteigen.

KP: Und waren Sie erfolgreich?

Ohldag: Im Spanischen ja, mit dem Barcelona-Plan nein. Denn meine Mutter kam mich besuchen und überredete mich, wieder nach Deutschland zu kommen. Zu Hause hieß es dann: Mach mal was Ordentliches. Also fing ich mit 24 in Baden-Württemberg eine Lehre als Tierarzthelferin an.

KP: Verglichen mit der Filmbranche war die Kunst da aber ganz schön weit weg…

Ohldag: Die Ausbildung brach ich ein Jahr später ab, als meine Mutter plötzlich verstarb. Ihr Tod bedeutete eine Zäsur in meinem Leben, wir waren uns sehr nahe. Zwei Wochen danach bestand ich die Aufnahmeprüfung fürs Hansa-Kolleg*. Um nicht in meiner Trauer unterzugehen, büffelte ich wie verrückt für das Abitur. Mein Vater drängte mich, Anwältin oder Ärztin zu werden. Ich wollte aber Möbeldesign studieren. Weil es das Fach nicht gab, studierte ich schließlich im Erzgebirge Angewandte Kunst, Fachbereich Holzgestaltung…

KP: Das hört sich ziemlich funktionell an…

Ohldag: Ja, es geht da um klassisches Design. Ich habe denn auch schnell gemerkt, dass ich bei den Dozenten nicht gut gelitten war. Ich war zu freigeistig und künstlerisch. Ich hätte eigentlich erkennen müssen, dass es besser gewesen wäre, Bildende Kunst zu studieren.

KP: Das Studium haben Sie doch aber beendet – oder?

Ohldag: Ja. Das Studium fing ich mit 28 an, fertig war ich mit 31.

KP: Wie ging es weiter?

Ohldag: Im ersten Jahr nach dem Studium habe ich mich auf das studierte Produktdesign konzentriert. Ich suchte nach einer Festanstellung, landete aber immer wieder bei Projekten. 80-Stunden-Wochen waren wieder die Regel. Parallel wurde ich vom Jobcenter gefördert. Ich lebte auf sehr kleinem Fuße. Es gelang mir aber in dieser Zeit Ausstell-Chancen auf Möbelmessen in Mailand, New York, Los Angeles und Frankfurt zu ergattern. Eines Tages rief dann eine Berliner Firma an und fragte, ob ich Interesse hätte, an einer Ausschreibung teilzunehmen. Es ging um die Trophäe für den wichtigsten Umweltpreis der EU. Man sollte dafür Materialideen und Konzeptüberlegungen einreichen. Ich habe stattdessen kleine Modelle gebaut, Konzepte und Fotostrecken geschickt.

KP: Und waren Sie erfolgreich?

Ohldag: Ja, ich gewann die Ausschreibung. Das war gut fürs Prestige und hat mir Folgeaufträge beschert. Wegen der EU-Umwelt-Trophäe war ich nun öfter in Brüssel. 2014 hatte ich dort bei der EU-Kommission meine erste Solo-Ausstellung. Eine weitere folgte im Ausschuss der Regionen. Da dachte ich schon, jetzt geht’s steil aufwärts. Doch dann wurde ich überraschend schwanger.

KP: Daraufhin entschlossen Sie sich, nach Mölln zurückzukehren.

Ohldag: Nicht sofort. Ich zog zunächst zum Vater meines Sohnes nach Belgien. Doch es funktionierte nicht mit uns. Die Idee, nach Mölln zurückzukehren, kam von einer Freundin. Sie sagte zu mir, gerade als Alleinerziehende gibt Dir Deine Heimat Wurzeln und Stärke. Die Wege sind Dir vertraut und dein Kind wächst hier in wunderbarer Natur auf.

KP: Bereuen Sie mittlerweile, dass Sie ihrem Rat gefolgt sind? Da gibt es doch diesen Postkartenspruch: Nichts macht dich so fertig, wie die Heimatstadt…

Ohldag: Auf keinen Fall. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe mir ein komplett neues Netzwerk aufgebaut. Unabhängig von der Familie. Doch die Kombi aus alleinerziehend, ohne Familie und freiberuflich ist hardcore.

KP: Da bleibt wahrscheinlich nicht allzu viel Zeit für die Kunst…

Ohldag: Das Problem war die letzten drei Jahre eher der Schlafmangel. Ohne Schlaf bekommt man nichts auf die Reihe. Und doch hat sich einiges getan, seit ich in Mölln bin. In der Kulturwerkstatt der Lebenshilfe habe ich ein Atelier bezogen und mit der Leiterin Almut Grätsch arbeite ich gerade Workshop-Konzepte für Menschen mit und ohne Behinderungen aus. Mein Wunsch ist es, mir über diese sozialen kulturellen Tätigkeiten ein regionales Standbein zu erschaffen.

KP: Das ist aber noch nicht alles. In der Möllner Hauptstraße haben Sie im August eine Galerie eröffnet.

Ohldag: Die Maea Art Gallery – ein Pilotprojekt, eine Wandergalerie. Sie ist eine Art lebendes Schaufenster, um den Leerstand zu verschönern, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, um die Stadtkultur zu beleben. #kunstvollstattleerstand

KP: Frau Ohldag, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg.

*Staatliche Schule in Hamburg, an der junge Menschen ihr Abitur oder die Fachhochschulreife nachholen können.

Infos zur Maea Art Gallery und zur Kunst Floriana Ohldags:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/pop-up-baby/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/positives-fuer-die-welt/

http://www.kunst.land

http://www.kofloriana.com

 

 

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Ausstellungen

Augen auf beim Bummel – Pop-Up, Baby!

Wehe, man versäumt es, beim Stadtbummel die Augen offen zu halten. Wie leicht kann man da mit jemandem zusammenrasseln oder ins Stolpern geraten oder einfach Dinge übersehen, die scheinbar aus dem Nichts erwachsen sind. So wie die Maea Art Gallery von Floriana M. Ohldag in der Möllner Hauptstraße 57*.

Seit dem 11. August ist die da, aber sie ist da nicht hingekommen, um zu bleiben. Die Maea Art Gallery ist eine Pop-Up-Gallery. Das heißt auf Deutsch: Ein Ort der Kunst, der urplötzlich auftaucht, wieder verschwindet, um an anderer Stelle erneut aufzutauchen.

„Ich möchte mit der Maea Art Gallery ein wenig urbanes Leben in die Kleinstadt bringen“, sagt Ohldag. Viel Zeit, dieses Ansinnen in die Tat umzusetzen, bleibt ihr in der Hauptstraße 57 nicht mehr. Die Uhr tickt. Natürlich. Ist halt Pop-Up, Baby! Ende Oktober muss sie wieder raus sein. Eigentlich schade: Ohldag hat den Raum frisch renoviert. Die Wände leuchten weiß. Es gibt eine Bank und einen Tisch und natürlich Kunst. Kunst an den Wänden, Kunst im Schaufenster. Es ist einladend hier.

Kein Wunder, dass sich die Künstlerin über mangelnden Besuch nicht beklagen muss. Die Leute seien sehr interessiert, meint Ohldag. Viele blieben stehen und suchten dann das Gespräch.

Wer das bislang nicht getan hat, hat jetzt noch bis zum 31. Oktober Gelegenheit dazu und kann zudem Kunst im Klein- und Großformat erwerben. Beispielsweise Fotogramme, Briefpapier und Bilder.

Die Maea Art Gallery hat donnerstags, freitags, sonnabends von 12 bis 14 Uhr sowie nach telefonischer Verabredung geöffnet.
Desweiteren lädt Floriana Ohldag am Freitag, 5. Oktober, und Freitag, 19. Oktober, jeweils von 19 bis 20 Uhr zu zwei Vernissagen ein. Weitere Infos gibt es unter Tel. 0151-70879770 oder per Mail unter pr@maea.gallery.

Sollte jemand den gesamten Oktober verhindert sein, so sei noch mal daran erinnert, dass Maea Art Gallery natürlich jederzeit an einem anderen Ort wieder auftauchen kann. Der Name ist da im übrigen Programm: Maea ist ein Wort der Maori – der Urbewohner Neuseelands – und bedeutet „auftauchen“ oder „in Sicht kommen“.

Weitere Infos über Floriana Ohldag und ihre Kunst:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/10805/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/positives-fuer-die-welt/

http://www.maea.gallery

www.facebook.com/maeagallery

*Zwischen Reformhaus Waldorf und Ernsting’s Family

Foto: Ohldag

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Aus der Stiftung

„Eine Zeit der Grundsatzentscheidungen“

Das Mittelalter scheint heute unendlich weit weg. So weit, dass der eine oder andere gar nicht mehr weiß, wann diese Zeit überhaupt gewesen sein soll. Es gibt aber auch Leute wie Lothar Obst, die das ganz genau wissen und die sich darüber unterhalten können, als seien Karl der Große oder Otto der Große Männer, die bis vor kurzem noch die Geschicke des Landes geführt hätten. Wer sich davon überzeugen will und sich obendrein für das Mittelalter interessiert, dem sei die Veranstaltungsreihe „1.100 Jahre Ottonen (919-2019): Als Norddeutschland zum Zentrum des Reiches wurde“ empfohlen, die am 27. September mit einem Vortrag im Möllner Stadthauptmannshof startet.

Lothar Obst wird dann über Otto den Großen sprechen. Was reizt ihn daran, sich mit dieser weit zurückliegenden Epoche der deutschen Geschichte zu befassen? „In dieser Zeit entstand das, was wir heute in Deutschland und Europa vorfinden“, erklärt Lothar Obst sein Interesse. Eine besondere Bedeutung für die Entwicklung des Reiches komme dabei den Ottonen zu. Mit ihren „staatspolitischen Grundsatzentscheidungen“ hätten sie zur Entstehung des deutschen Föderalismus beigetragen.

Wie sahen diese Grundsatzentscheidungen aus? Nachdem er den Widerstand gegen seine Herrschaft in den einzelnen Regionen– wie etwa in Sachsen – gebrochen hatte, habe Otto das Reich dauerhaft befrieden hatte, führt Lothar Obst aus. Dafür habe er versucht über Hochzeiten, „Herzogtümer mit Brüdern und Schwestern zu besetzen“. Man müsse sich vorstellen, so der Experte, dass es damals keinen Beamtenapparat und Staat, wie wir ihn heute kennen, gab. Doch Ottos Hochzeitspolitik scheiterte. Die Herzogtümer blieben stark. Um seine Macht zu sichern, habe der König deshalb das „ottonische Reichskirchensystem“ etabliert. Er benannte Bischöfe und übertrug ihnen weltliche Macht. Diese sei wegen des für die Geistlichen geltende Zölibats auf Zeit angelegt gewesen. Gleichzeitig habe Otto mit der Hofkapelle eine Kaderschmiede für Bischöfe begründet. Hier habe er aus den Reihen des Adels Nachwuchs für Besetzung oder Neubesetzung von Bischofsämtern gewonnen.

Doch es sei nicht nur die politische Grundlegung, die ihn am Mittelalter fasziniere, betont Lothar Obst. Ihn fasziniere auch die starke Verbindung von Politik und Religion in dieser Zeit. Im Mittelalter sei das politische Programm der Herrscher das Christentum gewesen, auch wenn es den Königen und Fürsten zweifelllos um „knallharte Machtpolitik“ gegangen sei. Gleichzeitig habe das Christentum der Politik Stabilität gegeben.

Kirchengeschichtlich habe die Verquickung von Christentum und Politik immer wieder dazu geführt, dass die Kirche sich „entgeistigte“. Die Folge sei die Entstehung des Zisterzienser-Ordens im 11. Jahrhundert oder im 13. Jahrhundert die Begründung der Franziskaner und der Dominikaner gewesen. Auch Luther und die Reformation würden sich so erklären lassen.

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Aus der Stiftung

Novemberrot – ein Essay von Helge Berlinke

1918.  Noch so ein runder Geburtstag, der zum Rückblick einlädt. Wer will, kommt aus dem Gedenken gar nicht mehr raus. Es gab und gibt immer genügend Tote, an die man erinnern kann. Nur – wen interessiert es? Und wenn es interessiert, wer versteht es? In einer Welt, die von den Trumps, Putins, Orbans und Erdogans regiert wird, beschleicht einen in diesen Tagen das Gefühl, dass es nicht allzu viele sind. Das kollektive Gedächtnis scheint mancherorts ausradiert. Andererseits: Aufgeben ist keine Option. Ohne Gedenken verkäme auch die demokratische Gesellschaft zur vergessenen Geschichte.

1918 also. Das Jahr, in dem der Erste Weltkrieg zu Ende geht. Ausgelöst haben ihn letztendlich ein übler Mix aus Nationalismus, Größenwahn und Gier. Es braucht nur die Ignoranz und Dummheit der Regierenden, um die Lunte zum Glimmen zu bringen. Im August 1914 ist es soweit. Und die Völker Europas? Berlin ist eine Wolke. Die Masse ist begeistert, jubelt dem Inferno entgegen. Nicht anders ist es in Paris, London oder Wien.

Vier Jahre und 10 Millionen Tote später sieht es anders aus. Ob Soldaten oder Zivilisten – die Menschen haben die Schnauze voll von dem Gemetzel, möglich gemacht durch die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts. Kein Kanonenfutter mehr sein – davon träumen insbesondere die deutschen Einheiten an der Westfront. Die Männer sind physisch und psychisch am Ende. Wracks in Uniform. Ausgemergelt und ausgehungert sehen sie sich seit dem Kriegseintritt der Amerikaner einer menschlichen und materiellen Übermacht gegenüber.

Der Schriftsteller Erich Maria Remarque hat die Lage der Soldaten in seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ eindrücklich beschrieben: „Sommer 1918 – nie ist schweigend mehr ertragen worden als in dem Augenblick des Aufbruchs zur Front“, schreibt er. Und weiter: „Die wilden und peitschenden Gerüchte von Waffenstillstand und Frieden sind aufgetaucht, sie verwirren die Herzen und machen den Aufbruch schwerer als jemals.

Sommer 1918 – nie ist das Leben vorne bitterer und grauenvoller als in den Stunden des Feuers, wenn die bleichen Gesichter im Schmutz liegen und die Hände verkrampft sind zu einem einzigen: Nicht! Nicht! Nicht jetzt noch! Nicht jetzt noch im letzten Augenblick.“

Die deutschen Soldaten wissen, was los ist. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Feind die Front durchbricht. Im Oktober entscheidet die Marineführung schließlich, die Entscheidungsschlacht mit den Briten herbeizuführen. Womit sie nicht rechnen: Den Matrosen reicht es – sie halten das Vorgehen für sinnlos, wollen nicht noch im letzten Augenblick sterben und verweigern massenhaft den Befehl. In Kiel üben sie den Schulterschluss mit der Arbeiterschaft und gründen einen Arbeiter- und Soldatenrat. Von der Fördestadt breitet sich der Aufstand aus und mündet in der Novemberrevolution.

Am 9. November 1918 ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Balkon des Berliner Reichstages die Republik aus. Einen Steinwurf entfernt proklamiert der Spartakist Wilhelm Liebknecht im Hof des Stadtschlosses „die freie sozialistische Republik Deutschland“. Es ist der Auftakt eines politischen Machtkampfes zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Liebknecht und seine Parteigenossen wollen die Revolution weiter anheizen und streben eine Räterepublik an. Die Sozialdemokraten unter der Führung von Friedrich Ebert fürchten, die Kontrolle über die Masse zu verlieren und ersuchen in dieser Stunde um Hilfe beim Heer. Wieder fließt Blut. Die Revolution wird niedergeschlagen. Der Publizist Sebastian Haffner* hat die Sozialdemokraten dafür später des Verrats bezichtigt, weil sie das Bündnis mit den kaisertreuen Militärs eingingen.

Warum „verrieten“ Ebert und seine Mitstreiter die Revolution? Waren sie nicht selbst Marxisten? Waren sie nicht gerade deshalb von Wilhelm II. drangsaliert worden? Ebert, so heißt es, habe sich davor gefürchtet, dass die Räte Lenins Vorbild folgen und Deutschland in einen bolschewistischen Staat umwandeln. Eine Furcht, die – wie die aktuelle Forschung zeigt – offensichtlich unbegründet war. Die Mehrheit der Menschen, die damals auf die Straße gingen, lehnten das sowjetische Modell ab**.

Dennoch entschied Ebert, die Revolution niederzuschlagen und bürdete damit dem neuen Staat eine schwere Hypothek auf. Die Toten und die begrabenen Träume der Aufständischen machten die Weimarer Republik, den ersten demokratischen Staat auf deutschen Boden, für einen Großteil der politischen Linken zum Hassobjekt, das es zu bekämpfen galt. Die politische Rechte wiederum haderte mit der Abdankung des Kaisers und der Weltkriegsniederlage. Sie sehnten sich ins Kaiserreich zurück.

Stellt sich die Frage für den Betrachter, ob da angesichts des blutigen Endes irgendetwas war, an das es sich zu erinnern lohnt? Die Antwort lautet ja. Als Erstes wären die Matrosen zu nennen, die sich dem Weiter-So des sinnlosen Mordens widersetzten. Vor ihrem Mut gilt es sich zu verbeugen. Und dann sind da noch all jene, die für Menschlichkeit und eine solidarische Gesellschaft auf die Straße gingen und dafür ihr Leben riskierten.

Zu gedenken ist auch jenen, die in Lenin ein Vorbild sahen. Irren ist schließlich menschlich und die Irrtümer des Sowjetkommunismus waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgebraucht. Ähnlich ließe sich für all die Konterrevolutionäre argumentieren. Auch sie waren Gefangene ihrer Zeit. Nur: Ein Recht auf Unrecht zu bestehen, wie es viele von ihnen taten, das gibt es nicht. Mord bleibt Mord.

Helge Berlinke

Veranstaltung und Ausstellung zur Novemberrevolution:

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/15/geburtsstunde-der-demokratie-2/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/15/der-traum-von-freiheit-und-einheit/

 

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Nördlich der A24

#MeToo-Debatte – wie damit umgehen?

Das vierte Kunstgespräch in diesem Jahr in der Werkstatt von Hans und Heidrun Kuretzky (Borstorf) widmet sich der #MeToo-Debatte. Es findet am Dienstag, 2. Oktober um 19 Uhr in Borstorf in der Möllner Str. 23 statt. Der Eintritt zu der Veranstaltung der Stiftung Herzogtum Lauenburg ist frei.

Mit dem Künstler Thomas Biller (Mustin) haben die Kuretzkys einen Kreativen mit einem Faible für Spannungsfelder und Abstraktionen eingeladen. Viele kennen die Arbeiten des Fotografen und freien Journalisten aus der Reihe „Dörfer zeigen Kunst“.

Aktuell hat Biller sich künstlerisch mit der „#MeToo“-Bewegung und dem Thema Sexismus auseinander gesetzt. Welchen Einfluss nimmt das auf die Kunst? Billers Anreiz zur Debatte: „Für mich bleibt die Kunst vor allem eines: frei.“

Anmeldungen nehmen die Kuretzkys, erreichbar unter Tel. 04543-396 oder info@kuretzkykeramik.de, oder die Stiftung Herzogtum Lauenburg, erreichbar unter Tel. 04542-87000 und E-Mail info@stiftung-herzogtum.de, entgegen.

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Etwas Positives für die Welt erschaffen

„Im Grunde ist alles, was ich schaffe, von dem Wunsch durchdrungen, Positives zu erschaffen“, sagt Floriana M. Ohldag über ihre Kunst. Sie hat sich geschworen, „in einer Welt, in der es so viel Erschreckendes gibt, etwas Gegenteiliges in die Waagschale zu werfen“.

Dabei hat sie sich für das „Wie“ keine Grenzen gesetzt. Ohldag malt und zeichnet, sie arbeitet mit dem Fotoapparat, sie baut Mobiles, schafft Skulpturen und kreiert Trophäen. Die Motive, die sie wählt, verraten eine Liebe zum Detail. Das Kleine, das so gerne übersehen wird, inspiriert sie. Eine Baumrinde etwa, Risse in einem Fundament oder die Blüten einer Pflanze.

Die Liebe zum Detail spiegelt sich bisweilen auch bei der Wahl der Materialien wider. Bei der Gestaltung der EU-Umwelt-Trophäe entschied sie sich für zwei verschiedene Holzfurnierarten. Die Beschriftung wurde in den Steinsockel gelasert, dann mit Champagnerkreide hervorgehoben. Das Ergebnis ist ein filigraner „Umwelt-Oscar“, ein Preis, der ganz nach dem Geschmack von Ohldag ist. Er steht für Nachhaltigkeit („Den Leim kann man sogar essen!“) und verweist damit auf etwas Positives in der Welt.

Während die EU-Umwelt-Trophäe von Kopf bis Fuß „durchdesignt“ ist, erlaubt sich die Künstlerin an anderer Stelle, ihre Kreation mit einer Prise des Zufalls in unerwartete Formen zu gießen. Ohldag fertigt Fotogramme an. Diese Technik stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Bilder, die sie auf diese Weise kreiert, entstehen in der Dunkelkammer. „Bei dieser Arbeit platziere ich Objekte zwischen Beleuchter und Fotopapier“, so die 40-Jährige. „Das ist eine sehr intuitive Arbeit. Das Papier bleibt die ganze Zeit über weiß. Der visuelle Inhalt entsteht dann innerhalb weniger Sekunden Belichtungszeit. Was ich gemacht habe, sehe ich erst beim Entwickeln.“

Es geht aber auch langsamer: „In der Dunkelkammer kann ich diese Sekunden über Stunden hinweg hinauszögern.“ Für sie sei das beinahe so, als gelänge es, die schnelllebige Gegenwart zu entschleunigen. Dementsprechend verwendet sie für diese Kunst das Wortspiel „re-L-accelerate“. Es handelt sich um eine Zusammensetzung der englischen Wörter „relax“, das bedeutet entspannen, und „accelerate“, was mit „beschleunigen“ übersetzt wird.

Infos über Floriana Ohldag und ihre Maea Art Gallery unter

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/10805/

https://kulturportal-herzogtum.de/2018/10/01/pop-up-baby/

http://www.kunst.land

http://www.kofloriana.com

Fotogramm: Floriana M. Ohldag